Jahreslosung: Keine Diskriminierung!

Wie versteinert stand Emma da. Wieder einmal hatten sie ihr das hässliche Wort an den Kopf geworfen. Wieder einmal hatten sie ihr klargemacht: Du gehörst nicht dazu. Manchmal war es nur ein Blick, der Emma traf. Oder Leute drehten sich weg und grinsten sich an, wenn sie vorbeikam. Tausend kleine Nadelstiche hatten Emma gelehrt, dass sie anders war. Hier würde sie nie die gleichen Chancen haben. Sie würde nie so selbstverständlich über die Straßen bummeln können wie andere. Emma musste immer darauf gefasst sein, dass irgendwer ihr hinterherstarrte. Irgendwer, der sie nicht einmal kannte. Oder ausspuckte. Dabei war sie ein Mensch wie alle anderen auch.

Emma könnte in Sangerhausen wohnen. In Haynrode. In Berlin. Draußen sein, ausgestoßen sein tut überall weh. In kleinen Nestern ist es besonders schlimm. Dort gibt es keine Fluchtmöglichkeit. Und auch sonst kannst du nicht einfach so weglaufen von deiner Familie, deiner Arbeit, aus deinem Land.Das hässliche Wort, das an Emma klebt, könnte fett lauten. Oder Spasti. Oder Nigger. Dass sie ausgestoßen werden, das erleben Menschen aus unterschiedlichen Gründen. Wer im Rollstuhl sitzt, transsexuell ist oder eine dunkle Hautfarbe hat, hat mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit genügend Erfahrung mit Diskriminierung gesammelt. Die Konfirmand*innen haben einige Gruppen von Menschen aufgezählt, die hierzulande besonders oft ausgegrenzt werden.
Die Konsequenzen sind unterschiedlich. Bei manchen wird „nur“ das Selbstbewusstsein ausgehöhlt, das soziale Umfeld distanziert sich von ihnen. Anderen werden ihre Rechte verweigert. Manche können sich ihres Lebens nicht sicher fühlen. Leider hat in der Vergangenheit auch die Kirche beigetragen, Menschen zu diskriminieren, z.B. geschiedene Frauen und ledige Mütter.
Mit Jesus lässt sich das nicht begründen, im Gegenteil. Er betont: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Das letzte Wort in der Jahreslosung heißt richtiger übersetzt: nicht hinausstoßen. Niemand wird ausgestoßen. Niemand wird schief angesehen. Niemand wird zusammengeschlagen. Emma nicht und all die anderen auch nicht.

Das Jahr 2022 bietet Gelegenheit, dass wir darüber nachdenken, was Diskriminierung bedeutet. Wie sie zustande kommt. Wen sie besonders betrifft. Wie sie sich auswirkt. Und was wir dagegen unternehmen können.

Wer zu mir kommt, den* /die* werde ich nicht hinausstoßen. Johannes 6,37

 

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