Reformationstag: Rabbi Jesus

Ich habe ein Bild mitgebracht. Es zeigt einen jüdischen Rabbi oder Rabbiner, also einen jüdischen Gelehrte, Lehrer, Theologen, Ausleger der Schrift. Er trägt seinen Gebetsmantel, den Tallit, an dessen vier Enden sich die Zizit, Schaufäden oder Quasten, befinden. Den legt er morgens an, wenn er betet, und er trägt ihn, wenn er in der Synagoge aus der Tora vorliest und sie auslegt.
Einen Abschnitt aus der Tora haben wir eben gehört, und gerade dieser Abschnitt hat für den jüdischen Glauben eine besondere Bedeutung. Weiterlesen

Kohelet – Bilder für das Altern

Wie sprechen wir über das Altwerden? Welche Bilder haben wir dafür? Einen alten Baum verpflanzt man nicht, fällt mir ein. Oder „zum alten Eisen gehören“. Da ist dann jemand nutzlos. Ich finde es interessant, welche Bilder das Buch Kohelet verwendet. Wir wissen nicht, wann Kohelet lebte und wer „Kohelet“ überhaupt war. Weiterlesen

Hiskia – ein Politiker zeigt Schwäche

Politiker*innen wollen keine Schwäche zeigen. Auch nicht persönlich. Denn in der Politik wird hart ausgeteilt. Und wer zeigt, dass er oder sie verletzt ist, hat von vornherein verloren. So schirmen viele, die in der Öffentlichkeit stehen, ihr Privatleben sorgfältig ab. Traurig sein, niedergeschlagen, erschöpft – das alles gehört sich im Politikbetrieb nicht. Dabei haben sie ja Sorgen wie alle anderen Leute auch. Weiterlesen

#offengeht. Interkulturelle Woche 2021

#offengeht lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2021. Um Offenheit geht es, dass sie möglich ist, dass wir eine offene Stadt, ein offener Landkreis, eine offene Gesellschaft sind. Und zugleich: dass wir es werden. Es geht. Es geht voran. Wir treiben es voran. #offengeht, das ist ein Prozess, in den wir hineingezogen werden und bei dem wir mitmachen. Eine offene Stadt, ein offener Landkreis werden wir nicht von alleine. Es sind immer wieder Leute nötig, die Impulse weitergeben. anstoßen und nachstoßen. #offengeht, so hat Gott sich auch die Welt gedacht, als offene Welt, als Lebens-Raum, in dem für alle Platz ist und alle gut leben können, auch die, die im Schatten stehen.

Flucht und Vertreibung sind kein neues Thema. Durch die Geschichte hindurch wurden immer wieder Menschen und ganze Völker vertrieben und versklavt. Die Bibel erzählt, wie das dem jüdischen Volk um 600 v.u.Z, geschah, also vor mehr als 2500 Jahren. Die Babylonier unter König Nebukadnezar eroberten die Hauptstadt Jerusalem und zerstörten alles. Weiterlesen

Bäume ausreißen? Senfkörner pflanzen!

Durch Beharrlichkeit lassen sich Wunder erreichen. Eva Löber aus Wittenberg etwa. Dort steht am Markt das Haus des Malers Lucas Cranach. Es ist ein beeindruckendes Renaissance-Ensemble, denn Cranach war nicht nur Maler, sondern auch Apotheker, Drucker und Bürgermeister zugleich. Zu DDR-Zeiten war es hoffnungslos heruntergekommen. Schon 1989 setzte Eva Löber sich für den Erhalt ein. Sie suchte Gleichgesinnte. Sie gründete eine Bürgerinitiative und in den 1990-er Jahren eine Stiftung. Schritt für Schritt kratzte sie Fördergelder zusammen, trieb die Sanierung voran, entwickelte zeitgemäße Nutzungskonzepte. Heute sind die Cranach-Höfe Herberge, Künstler*innenwerkstatt, Malschule, kulturelles Zentrum. Am 22. Oktober wird Eva Löber vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Schinkel-Ring ausgezeichnet, dem renommiertesten deutschen Denkmalschutzpreis.
Aber angefangen hat es klein und ziemlich aussichtslos. So klein wie das Senfkorn, das Jesus als Vergleich nimmt. Doch das Senfkorn hat ausgereicht, um Großes zu bewegen. Weiterlesen

Goldene Konfirmation und Flutkastrophe: mit Noah Maßnahmen ergreifen

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Zum Beispiel 1971. Da fiel die Konfirmation in der Jacobikirche aus. Die hatte drei Wochen vorher gebrannt. Die katholische Kirche öffnete ihre Türen, und so wurden erstmals evangelische Jugendliche in einer katholischen Kirche konfirmiert. Oder 50 Jahre später. 2020 fielen die Konfirmationen wieder aus, wurden verschoben und verschoben. Diesmal war es Corona. Und jetzt feiern wir mitten im August.
Solche Veränderungen bringen uns aus dem Trott. Das ist gar nicht schlecht. Die Kluft zwischen katholischer und evangelischer Kirche ist im letzten halben Jahrhundert deutlich kleiner geworden, ökumenische Gottesdienste gehören inzwischen dazu. Und so kurzfristig wie in diesem Jahr haben wir noch nie Konfirmationen geplant, so kurz waren die Gottesdienste auch noch nie. Und wir merken: es geht auch und ist richtig schön.
Ungewöhnliche Zeiten gibt es auch im Privaten. Auch bei Ihnen wird sich nicht alles so entwickelt haben, wie Sie es sich erträumt hatten. Vielleicht ist bei Ihnen eine Liebe zerbrochen. Oder die Arbeitsstelle wurde gestrichen, Krankheit meldet sich, eine Partnerschaft zerbricht, Menschen fallen in ein tiefes Loch. Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Aber wir können uns ändern. Die Umstände lassen uns manchmal keinen anderen Weg, als dass wir Gewohntes über Bord werfen. Wir lernen, anders mit uns selbst und mit anderen umzugehen. Oft stellte sich das im Nachhinein als Gewinn heraus.

Ungewöhnliche Zeiten standen auch Noah bevor. Eine Flutkatastrophe kommt, Wassermassen, die alles Leben verschlingen. Die Katastrophe war zwar angekündigt von Gott – so wie die Wissenschaft auch bei uns seit Jahren vor Starkregen und Dürren, Erderwärmung und Klimawandel warnt. Und so wie übrigens auch die Medizin schon seit Jahren mit Virusmutationen und einer Pandemie gerechnet hat. Aber so eine Sintflut hat sich – genauso wie im Juli im Ahrtahl – niemand vorstellen können.

Doch Gott ergreift Maßnahmen. Noah soll ein riesiges Boot bauen, einen Überlebensraum. Ein Schiff, ein Traumschiff. Die Arche. Sie kennen die Geschichte: Der Regen kommt und spült alles fort. Noahs Familie ist die einzige, die überlebt. Die Vorkehrungen, die allen anderen unnötig und viel zu teuer erschienen waren, sie haben ihn gerettet, und Noahs Familie wird zur Keimzelle einer neuen Menschheit und Tierwelt. Denn die gehören dazu. Die Arche ist ausdrücklich auch für die Tiere konzipiert. Eine Rettung ohne die Tiere ist nicht denkbar, und es wird auch nicht unterschieden zwischen nützlichen Tieren und solchen, die als verzichtbar gelten. Die Arche als Überlebensraum funktioniert nur, wenn alle an Bord sind. Das gilt auch heute.
Noah ist so weise, dass er diese Anweisung von Gott ernst nimmt. Ohne die Tiere, ohne die Mitgeschöpfe, ohne die Kreatur gibt es kein weiteres Leben auf der Erde.
Inzwischen blutet die Erde aus vielen Wunden. Der UN-Klimabericht, der vor 2 Wochen vorgestellt wurde, macht deutlich, wie sehr die Situation drängt. Kohleausstieg, Energiewende – wir müssen anders leben, bescheidener, freundlicher, solidarischer. So wie bisher geht es nicht weiter.

Als Menschen, die auf die 65 oder 75 zugehen, kennen die meisten von Ihnen genau dieses Gefühl: so wie bisher komme ich nicht weiter. Ich schaffe nicht mehr so viel wie früher, alles geht nicht mehr so schnell. Dieses Gefühl kann einen Schreck einjagen. So wie bisher komme ich nicht weiter. Andererseits kann es antreiben, dass wir uns mit der veränderten Lage arrangieren. Die meisten lernen, langsamer zu leben. Andere trennen sich von Dingen, die früher wichtig waren, jetzt aber belasten. Gleichzeitig gewinnt anderes an Bedeutung. Viele merken, wie kostbar Begegnungen sind. Lebensqualität gewinnen wir weniger durch materiellen Reichtum als durch Beziehungen.

Wir sind älter geworden. Auch die Erde ist älter geworden und verletzt. So wie bisher können wir nicht mehr weiter. Doch wir sind allesamt Nachkommen von Noah, dem findigen Erbauer, der der Arche mit Gottes Hilfe so zusammenbastelte, dass sie am Ende tatsächlich funktionierte. Auch wir können vorausschauend Vorsorge treffen, damit das Leben unter uns weitergegeben werden kann. Auch wir können Lösungen finden für unseren verwundeten Planeten, Gottes gute Erde.
Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Als Noahs Kinder sind wir lernfähig. Wir können uns anpassen und dazulernen. Neurologie und Psychologie haben nachgewiesen, wie das Gehirn bis ins hohe Alter neue Synapsen bilden kann. Wir können uns umstellen, bis zum Lebensende. Den meisten Menschen gelingt das auch. Sie passen sich an und leben im Alter genau das, was auch global gesehen immer wichtiger wird: bescheidener, freundlicher, solidarischer, dankbarer. Das uns das gelingt, nicht nur persönlich, sondern vor allem auch auf unserer Erde, dazu möge göttliche Geistkraft uns ermutigen und segnen. Gott verspricht:  Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Predigt zur Goldenen Konfirmation 2021
Andere Predigten zur Goldenen Konfirmation
Andere Predigten im Jahreslauf
Weitere Predigten zur Noah-Geschichte: Bündnis Regenbogen   Friedenstaube und Pfingstfenster

Geschichte von Noah zum Vorlesen (stark gekürzt)
Gott sah, dass die Bosheit der Menschen groß war und dass Gewalt die Erde erfüllte, und er bereute, dass er sie geschaffen hatte. Da sprach Gott zu Noah: Mache dir einen Kasten aus Holz, bau Zellen hinein und dichte ihn von innen und außen mit Asphalt ab. Du sollst in den Kasten gehen, du selbst, deine Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne. Und von allem, was lebt, sollst du je zwei in den Kasten bringen. Von allen Vögeln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art, von allem, was auf der Erde kriecht. Und Noah tat alles, wie Gott es ihm befohlen hatte, und ging in die Arche. Die Fenster des Himmels öffneten sich, die Brunnen der große Tiefe taten sich auf. 40 Tage und 40 Nächte strömte Regen auf die Erde. Die Wasser schwollen an und bedeckten alle Berge und Hügel. Alles Leben starb. Übrig blieb nur Noah und was mit ihm in der Arche war. Als die Wasser sich verlaufen hatten, öffnete Noah das Fenster der Arche und ließ einen Raben hinaus. Der kam zurück. Danach schickte er eine Taube hinaus. Auch sie kam zurück. Nach sieben Tagen ließ er die Taube wieder hinaus. Als sie am Abend zurückkam, trug sie ein abgerissenes Ölbaumblatt im Schnabel. Noah wartete noch einmal sieben Tage. Dann öffnete er das Dach und alle gingen aus der Arche. Noah baute einen Altar und dankte Gott. Ein Regenbogen erschien am Himmel. Gott sprach: Meinen Bogen setze ich in die Wolken, der soll ein Zeichen sein für den Bund zwischen mir und der Erde. Ich will die Erde nicht mehr verfluchen um der Menschen willen. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.  Aus 1. Mose 6-9

Gewalt im Taufbefehl?

Die Kirche hat ein Gewaltproblem. Ich meine jetzt nicht die katholische Kirche und die sexualisierte Gewalt, deren Aufdeckung gerade in vielen Pfarreien gefordert wird. Ich meine die Gewalt, die mit dem Taufbefehl und Missionsauftrag verbunden ist, wie wir sie gerade in der aktuellen Lutherübersetzung gehört haben. Er beginnt mit den Worten von Jesus: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde.* Weiterlesen

Unkraut – von Brennesseln und Ranken

Gartenarbeit ist oft Frauensache. Die Blumen zum Blühen bringen, Gemüse und Kräuter anbauen, Beeren pflückten, Unkraut jäten, hacken und ernten, das erledigen oft die Frauen. Seit Jahrhunderten bewirtschaften Frauen ihre Gärten. Sie sichern die Ernährung der Familie, sie sorgen dafür, dass es schön aussieht, und sie zeigen ihren Töchtern, wie sie Blumen zu Sträußen einstellen und das Haus schmücken können.

Was nicht ins Beet paßt, wird schnell als Unkraut verdammt. Weiterlesen