queerpredigen?

ie Bibel gegen den gewohnten Strich lesen – queer, feministisch, sozialgeschichtlich?  Die gehaltenen und ungehaltenen Predigten auf dieser Seite versuchen es.

Ich interessierte mich für Geschichte und setze sie gern in meinen Gottesdiensten um. Die Steine predigen tatsächlich! Die kleinen Spielszenen  können einen Eindruck von solchen Gottesdiensten geben.
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Viel Spaß beim Stöbern!
Margot Runge

Hier finden Sie Predigten in der Trinitatiszeit und zur Konfirmation. Eine Übersicht für das gesamte Kirchenjahr finden Sie hier.

 

Steinigung heute

(4. Sonntag nach Trinitatis, Johannes 8,3-11) „Eines Tages musste ich mit meiner Schulklasse ins Stadion kommen. Es sollte eine Steinigung vollzogen werden, bei der wir zuschauen mussten. Wir saßen auf den Tribünen und warteten. Sandwich-Verkäufer gingen durch die Reihen und boten ihre Waren an. Dann endlich wurde ein Mädchen ins Stadion geführt. Ich erschrak, denn ich erkannte dieses siebzehnjährige Mädchen. Sie wohnte in unserer Straße, und als Kinder hatten wir miteinander gespielt.“ Dieser Bericht stammt von 1992. Erst im Mai 2022 wurde in Nigeria eine Studentin gesteinigt. Und auch Maria hätte die Steinigung gedroht, als sie mit Jesus schwanger war – unverheiratet, ohne Mann. Wie mag es Jesus gegangen sein, als er nun gedrängt wurde, selbst einen Stein zu erheben? Viele Staaten dulden Gewalt nicht nur, sondern befördern sie durch ihre Gesetze sogar noch. Religionen spielen dabei oftmals eine verhängnisvolle Rolle. Eigentlich geht es um Macht und meistens um die Vorherrschaft von Männern über Frauen und über Männer, die nicht ihrem Männerbild entsprechen. Ein säkularer und demokratischer Staat kann Leben retten. Jesus argumentiert nicht mit der Bibel. Er entzieht sich dem Gruppenzwang und durchbricht den Kreis des Tötens, der schon um die Frau gezogen war. Predigt lesen

 

Goldene Konfirmation: Was aus den Talenten gewachsen ist

Die Geschichte von den anvertrauten Talenten passt gut zu unserem Fest heute. Was ist aus unserem Leben geworden? Womit haben wir einmal angefangen und was hat sich daraus entwickelt? Vor 50 Jahren waren Sie 14, 15 Jahre, mit verrückten Ideen im Kopf, voller Träume und Tatendrang. Aber Sie haben auch schon mitbekommen, wie steinig und trist der DDR-Alltag sein konnte:  Wie hart manche Eltern arbeiten mussten. Dass es Gewalt in Familien gab. Wie Propaganda das freie Denken und die Lebenslust vergiftete und wie sich alle einen Weg suchen mussten, wie sehr sie sich anpassten oder eben aneckten. Und die Voraussetzungen bei den einzelnen waren tatsächlich unterschiedlich, wie in der Geschichte von Jesus: 5 Talente, 2 Talente, ein Talent. weiterlesen

 

Gewalt im Taufbefehl?

(6. Sonntag nach Trinitatis) Die Kirche hat ein Gewaltproblem. Ich meine jetzt nicht die katholische Kirche und die sexualisierte Gewalt, deren Aufdeckung gerade in vielen Pfarreien gefordert wird. Ich meine die Gewalt, die mit dem Taufbefehl und Missionsauftrag verbunden ist, wie wir sie gerade in der aktuellen Lutherübersetzung gehört haben. Er beginnt mit den Worten von Jesus: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde. Martin Luther hatte damit an eine Autorität gedacht, die sich durchsetzen kann. Die Staatsgewalt etwa greift ein, stellt die öffentliche Ordnung wieder her und schützt auch die Schwachen. Gegenüber dem Faustrecht kann ein staatliches Gewaltmonopol Fortschritt bedeuten. Doch heute assoziieren die meisten  mit Gewalt etwas anderes als zu Martin Luthers Zeiten: häusliche Gewalt, Mobbing in der Schule, dass Leute zusammengeschlagen, bedroht und eingeschüchtert werden. Kinder wachsen in einer Atmosphäre der Respektlosigkeit und Missachtung auf. Aber auch die Polizei prügelt mancherorts. Bewaffnete versenken ganze Landstriche in Chaos und Korruption, wo die Rechtsordnung zu schwach ist. weiterlesen

 

Feiern? Keine Zeit (Grosses Abendmahl)

(2. Sonntag nach Trinitatis) Die Geschichte, die Jesus erzählt, könnte aus unseren Tagen stammen: keine Zeit. Ich habe keine Zeit, das ist einer der häufigsten Sätze heute. Einer hat einen Acker erworben, ein anderer fünf Paar Ochsen gekauft, der dritte hat geheiratet. Klar, dass sie da alle nicht kommen können. Klar, dass sie da nicht feiern können. Sie sind beschäftigt. Predigt lesen

 

Jahreslosung 2022: Keine Diskriminierung

Wie versteinert stand Emma da. Wieder einmal hatten sie ihr das hässliche Wort an den Kopf geworfen. Wieder einmal hatten sie ihr klargemacht: Du gehörst nicht dazu. Manchmal war es nur ein Blick, der Emma traf. Oder Leute drehten sich weg und grinsten sich an, wenn sie vorbeikam. Tausend kleine Nadelstiche hatten Emma gelehrt, dass sie anders war. Hier würde sie nie die gleichen Chancen haben. Sie würde nie so selbstverständlich über die Straßen bummeln können wie andere. Emma musste immer darauf gefasst sein, dass irgendwer ihr hinterherstarrte. Irgendwer, der sie nicht einmal kannte. Oder ausspuckte. Dabei war sie ein Mensch wie alle anderen auch. weiterlesen

 

Gekreuzigte Frau, Jesus in Frauenkleidern – Jesus queer

Die Darstellung einer gekreuzigten Frau stammt aus der Kirche von Santiago Atitlán in Guatemala. Sie wurde mit der Dia-Serie  zum Weltgebetstag 1993 aus Guatemala verbeitet. Jesus als Frau – das ist singulär. Oder ist es „nur“ Jesus in Frauenkleidern?
Mir fällt kein einziges Bild ein, in dem Jesus die Hosen anhat. Doch Jesus in Frauenkleidern wäre den meisten Gemeindemitgliedern sehr fremd. Viele wären aufs äußerste empört und wütend. Ein solcher Jesus ist schwer auszuhalten.  weiterlesen