queerpredigen?

Die Bibel gegen den gewohnten Strich lesen – queer, feministisch, sozialgeschichtlich?  Die gehaltenen und ungehaltenen Predigten auf dieser Seite versuchen es.SONY DSC

Ich interessierte mich für Geschichte und setze sie gern in meinen Gottesdiensten um. Die Steine predigen tatsächlich! Die kleinen Spielszenen  können einen Eindruck von solchen Gottesdiensten geben.
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Viel Spaß beim Stöbern!
Margot Runge

Predigten in der Trinitatiszeit finden Sie hier
Predigten zum Erntedankfest finden Sie hier
Eine Übersicht für das gesamte Kirchenjahr finden Sie hier.

 

Gekreuzigte Frau, Jesus in Frauenkleidern – Jesus queer

Die Darstellung einer gekreuzigten Frau stammt aus der Kirche von Santiago Atitlán in Guatemala. Sie wurde mit der Dia-Serie  zum Weltgebetstag 1993 aus Guatemala verbeitet. Jesus als Frau – das ist singulär. Oder ist es „nur“ Jesus in Frauenkleidern?
Mir fällt kein einziges Bild ein, in dem Jesus die Hosen anhat. Doch Jesus in Frauenkleidern wäre den meisten Gemeindemitgliedern sehr fremd. Viele wären aufs äußerste empört und wütend. Ein solcher Jesus ist schwer auszuhalten.  weiterlesen

 

Heilung des Gelähmten – eine Männergeschichte

Jesus, der Gelähmte, die Freunde, die ihn tragen, die Schriftgelehrten – all die agierenden Personen sind Männer. Die Frauen, wenn sie denn im Haus sind wie zuvor die kranke Schwiegermutter des Petrus, bleiben im Hintergrund. Es ist eine Männergeschichte. So will ich versuchen, ob es geht, diese Geschichte als Männergeschichte zu lesen.
Und: sie ist merkwürdig stumm. Der Gelähmte sagt nichts, noch seine Freude, nichts von seiner Not, keine Klage, keine Bitte,  keine Schilderung des langen Leidens und was sie vielleicht schon alles unternommen haben. Auch die Schriftgelehrten sprechen nicht aus, was sie denken. Ihr Widerstand bleibt stumm. Es wird viel geschwiegen in dieser Geschichte. Jesus ist der einzige, der redet. Es kann unsicher machen, wenn soviel geschwiegen wird. Aber es kommt ja manchmal vor: Zusammenkünfte, Sitzungen, Familien, in denen alle nur dasitzen und sich nicht äußern. Jedenfalls nicht laut. Wer in eine solche Runde kommt oder sie sogar leiten muß, wird leicht unsicher. Was hat das Schweigen zu bedeuten? Zustimmung? Ablehnung? Boykott? Unfähigkeit zu folgen? Was wird verschwiegen und warum? Was soll, darf, kann nicht gesagt werden? Welche Konflikte schwelen unter der Decke? Oder ist es einfach nur Müdigkeit oder Überdruss?
Schweigen kann etwas Lähmendes haben – und um einen Gelähmten geht es ja auch. weiterlesen

 

Josef, ein Flüchtling. Erntedankfest und Tag des Flüchtlings

Familiengottesdienst zum Erntedankfest
Kennt ihr die Geschichte von Josef, dem Jungen, den seine Geschwister halbtot geschlagen, verkauft und abgeschoben haben? Josef hatte eine große Familie: Jacob, der Vater, 3 Stiefmütter, 10 Stiefbrüder und der kleine Benjamin. 12 Jungs waren sie, wenn alle Geschwister an einem Tisch saßen. Josef träumte davon, im Mittelpunkt zu stehen. Er war etwas Besonderes. Josefs richtige Mutter war gestorben. Der Vater Jacob hing immer noch sehr an ihr und hatte ihr Bild vor Augen, wenn er Josef sah und den kleinen Benjamin. Alle wußten das. Bevorzugte Jacob die beiden? War Josef aufgeblasen? Oder war es im Gegenteil so, daß Jacob Josef zu wenig in Schutz nahm, wenn die Stiefbrüder eifersüchtig waren und stichelten? Kein Wunder, daß bei ihnen Neid aufkam. Weiterlesen

 

Franziskus damals und Franziska heute: Fridays for Future

Zwei Franzis treten auf: Franziskus von Assisi damals und Franziska heute. Beide steigen aus. Beide sind auf der Suche nach neuen Lebensentwürfen, so wie viele junge (und ältere) Leute heute. Franzi will ehrlich leben, gerecht, im Einklang mit der Umwelt. Der Familiengottesdienst eignet sich auch zum Erntedankfest.

Da kommen noch zwei Eltern. Sie haben sich verspätet. Hier am Rand ist noch Platz. Sie unterhalten sich über die Zeugnisse, die es bald gibt. Lauter Einsen.

Mutter: Franzi hat nur ausgezeichnete Zeugnisse.
Vater: Wir erwarten nichts anderes von Franzi.
Mutter: Die Welt steht Franzi offen.
Vater: Wir können Franzi alles bezahlen.
Mutter: Was wird Franzi einmal werden?
Vater: Nach dem Studium muß Franzi die Firma übernehmen.

Franzi hat alle Chancen. Und was wollt ihr einmal werden? weiterlesen

 

Familie anders

Familie ist „in“. Wer Jugendliche fragt, was ihnen am wichtigsten ist, bekommt zu hören: meine Familie. Die Generationen gehen heute respektvoller miteinander um als vor 75 oder 100 Jahren. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Andererseits steigt die Zahl von Kindern, die in konfliktbeladenen Familien aufwachsen. Frauenhäuser platzen aus allen Nähten. Familie steht hoch im Kurs – spiegelt sich darin ein Traum, dass  Verwandte sich auch innerlich einander nah sein und sich verstehen mögen? Jesus wirkt nicht begeistert, als seine Familie vor der Tür steht. Er verweigert sich der Rolle des ältesten Sohnes. weiterlesen

 

Ohne Uhr leben (Blitzeinschlag im Kirchturm)

Am 19. Juni hat um 21.22 Uhr der Blitz in die Turmhaube eingeschlagen und unsere Uhr lahmgelegt. Seitdem habe ich erst gemerkt, wie sehr sie mir fehlt und wie viele Male am Tag ich nach ihr schaue. Wenn ich auf der Straße in Eile bin, drehe ich mich automatisch nach oben. Wenn es 18 Uhr nicht läutet, fühlt es sich leer und unvollständig an. Die Gliederung, die die Glocken dem Tag gegeben haben, fehlt. Wie sehr sind wir auf die Zeit angewiesen, wie sehr prägen uns Uhren und Zeit? Den Großteil der Menschheitsgeschichte sind die Menschen ohne Uhren ausgekommen. Auch die Schöpfung in der Bibel kennt keine Stunden. Weiterlesen

 

Brief an Matthäus über seine Gemeindeordnung

Lieber Matthäus! Wenn du nicht gewesen wärst, hätten wir vieles über Jesus nicht erfahren. In der Weihnachtsgeschichte berichtest du uns als einziger von Josef, dass er zweimal träumte. Und dass er nicht darüber lachte, sondern geglaubt hat, dass der Engel wirklich zu ihm sprach. So ist er bei Maria geblieben.  Ohne dich würden wir die Geschichte von den arbeitslosen Tagelöhnern nicht kennen. Manche von ihnen fanden erst am Spätnachmittag eine Beschäftigung im Weinberg, und dennoch zahlte der Besitzer ihnen den vollen Tageslohn aus. So gibst du uns den Anstoß, über Gerechtigkeit heute nachzudenken. Oder der Satz von Jesus, der Menschen seit bald 2000 Jahren zu Werken der Barmherzigkeit angeregt hat, dass sie Hungrige speisen, Gefangene besuchen und Flüchtlinge aufnehmen: „Was ihr getan habt einem von diesen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan.“
Dabei hast du Jesus nicht einmal selbst gekannt. Du sollst viel später in Syrien gelebt haben, sagen die meisten. Du hast sehr viel aus dem Markus-Evangelium zitiert, als du dein eigenes Evangelium geschrieben hast. Das sollte eine Hilfe sein für die Gemeinden bei euch. Hast du deshalb manches weggelassen? Und anderes hereingeschrieben, was außer dir sonst niemand berichtet? Aber was du hier schreibst, lässt es mir kalt den Rücken herunterlaufen …  (Predigt am 22. Sonntag nach Trinitatis über Mt18, 21-35weiterlesen

 

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