queerpredigen?

ie Bibel gegen den gewohnten Strich lesen – queer, feministisch, sozialgeschichtlich?  Die gehaltenen und ungehaltenen Predigten auf dieser Seite versuchen es.

Ich interessierte mich für Geschichte und setze sie gern in meinen Gottesdiensten um. Die Steine predigen tatsächlich! Die kleinen Spielszenen  können einen Eindruck von solchen Gottesdiensten geben.
Über das Menü (rechts oben) gelangen Sie auf die einzelnen Seiten.
Viel Spaß beim Stöbern!
Margot Runge

Hier finden Sie Predigten in der Trinitatiszeit und zur Goldenen Konfirmation. Eine Übersicht für das gesamte Kirchenjahr finden Sie hier.

 

 

Erntedank 2022: Dank für die Heizung

Diese Spielszene für das Erntedankfest 2022 stellt das Thema Energie und Heizen in den Mittelpunkt. Warum danken wir nicht einmal dafür, dass wir es warm haben?! Ich finde, in diesem Jahr ist das aktuell. Die Urgroßeltern der heutigen Kinder haben – jedenfalls in der DDR – noch erlebt, wie mit Holz und Kohle geheizt wurde. Die Szene beschreibt einen Dialog zwischen Kind und Urgroßeltern.
Uropa (Stock) mit Wollsocken, Mütze, Schal und Uroma (Rollator) mit  Kohlebrikett kommen nach vorn

Kind Uroma, Uropa, was schleppt ihr denn da an? Zum Erntedankfest freuen wir uns doch über Blumen, über Äpfel und Kartoffeln!
Opa Wir sind froh, wenn wir es warm haben. Im Winter wird es kalt.
Kind Also wenn mir kalt ist, drehe ich einfach die Heizung auf.  weiterlesen

 

Erschossene Teenager, tote Kinder, verwaiste Eltern

(16. Sonntag nach Trinitatis) Der Jüngling zu Nain, so heißt diese Geschichte bis heute in den Lutherbibeln. Aber wer sagt heute schon „Jüngling“? Teenager, junger Mann, Halbwüchsiger – das würde es schon eher treffen. Und beschaulich – erbaulich ist die Geschichte auch nicht. Sie ist Realität für Mütter, die um ihre toten Söhne weinen. Söhne, die erschossen wurden, zusammengeschlagen, totgetreten, die auf dem Heimweg von der Disco in den Straßengraben gerast sind, die Drogen genommen haben, die unheilbar krank waren, die keinen Ausweg mehr sahen und nicht mehr weiterleben wollten. Wie geht es Müttern (und Vätern), die, ihr Kind hergeben müssen? Predigt lesen

 

Sorgen 2022: Was werden wir morgen essen?

(15. Sonntag nach Trinitatis) Was werden wir morgen essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden – so wie in der Bibel fragen sich in diesem Herbst viele Menschen. (Matth. 6,25-34) Reicht es noch bis zur nächsten Rente? Muss ich mich entscheiden zwischen dem Essen in der Mensa oder einer Jacke für den Winter? Studierende, Rentner:innen, Alleinerziehende, Leute mit prekären Jobs – sie alle müssen noch mehr rechnen als sonst. Und damit sind auch die Menschen in der Bibel näher gerückt, mit denen Jesus lebte und an die er sich wendet. Über 90 % der Bevölkerung in den Provinzen des römischen Reiches lebte an- und unterhalb der Armutsgrenze. Mir fällt auf, dass Jesus sich zuerst mit dem Reichtum auseinandersetzt: Sammelt keine Schätze. Der Reichtum der einen ist die Armut der anderen.    Predigt lesen

 

Kain und Abel – die Familie der zerbrochenen Träume

(13. Sonntag nach Trinitatis) Blut ist doch dicker als Wasser, fuhr es Abel noch erstaunt durch den Kopf. Da traf ihn der Schlag auf den Kopf und er brach zusammen. Aber es war keineswegs dicker. Ein dünnes Rinnsal floß aus seinem Kopf und versickerte im Acker. Es war das einzige, was von dem Toten blieb. Niemand hatte die Tat gesehen. Niemand konnte etwas beweisen. Gott war der einzige Zeuge. Und nur Gott hörte, wie das Blut zum Himmel schrie.
Traurig geht es in dieser Familie zu. Der Ältere schlägt den Jüngeren. Er mißhandelt ihn so sehr, daß er stirbt. Woher kommt dieser Haß? War der Jüngere geschickter? Hat Abel den älteren Bruder immer wieder überrundet und wie dumm dastehen lassen? Hat er ihn ausgetrickst oder hatte Kain das Gefühl, daß der Kleine ihm die Liebe der Eltern gestohlen hat? Selbst Gott beachtete dessen Opfergabe, während er die von Kain nicht würdigte. Nicht beachtet werden – das war der letzte Auslöser, daß Kain beschloß, ihn ein für allemal aus der Welt zu schaffen.
Und Abel? Was bedeutete ihm sein großer Bruder? Schaute er als Kind zu ihm auf, versuchte ihm alles nachzumachen, spielte er ihm Streiche oder mußte er sich vor ihm ducken und in Acht nehmen?
Daß es mit den beiden Brüdern so endete, hat sich niemand gewünscht. Von einer glücklichen Familie träumen schließlich alle. weiterlesen

 

Aussätzig? Danken?

(14. Sonntag nach Trinitatis) Sag schön danke! Kinder hassen diesen Satz. Aber sie haben keine Chance, und meistens sind sie ja gut erzogen. So pressen sie sich artig ein Dankeschön heraus und rennen mit dem neuen Spielzeug in der Hand davon. Warum nur bringen Eltern ihre Kinder immer wieder in solche peinlichen Situationen? Dass es für das Zusammenleben wichtig ist, sich zu bedanken, lernen Kinder doch genauso, wenn sie erleben, wie Mama oder Papa stellvertretend für sie ein paar herzliche Worte an Tante und Opa richten. Vielleicht können die Kinder sich sogar abgucken, wie es den Erwachsenen gelingt, mit Geschenken umzugeben, die zwar lieb gemeint, aber unpassend sind. Das Gegenüber nicht zu brüskieren ist auch eine Kunst.
Sag schön danke! Wer sich bei wem bedanken soll, das hat auch mit Macht zu tun. Es legt offen, wer abhängig ist, im kleinen wie im großen. „Die Schwarzen in Afrika“ sollen dankbar sein für unsere Entwicklungshilfe. weiterlesen

 

CSD Halle 2022: Männlich / weiblich / divers

Oft wird behauptet, dass es nach der Bibel zwei eindeutig getrennte Geschlechter gäbe. Dann wird meistens auf das 1. Kapitel der Bibel verwiesen, die Erschaffung der Welt: Da heißt es im Vers 27: „Gott schuf die Menschen zu seinem Bild, und schuf sie als Mann und Frau“. Die Kirche und auch die Gesellschaft, wird gefordert, soll endlich eine klare Ordnung in Mann und Frau in den Vordergrund stellen. Dieser Satz wird als Waffe benutzt und allen entgegengehalten, die z.B. über Transition oder sich verändernde Geschlechterrollen nachdenken.
Doch er steht so gerade nicht in der Bibel. Im hebräischen Text heißt es stattdessen: Gott schuf sie männlich und weiblich. Also gerade nicht Mann und Frau. weiterlesen

 

Jahreslosung 2022: Keine Diskriminierung

Wie versteinert stand Emma da. Wieder einmal hatten sie ihr das hässliche Wort an den Kopf geworfen. Wieder einmal hatten sie ihr klargemacht: Du gehörst nicht dazu. Manchmal war es nur ein Blick, der Emma traf. Oder Leute drehten sich weg und grinsten sich an, wenn sie vorbeikam. Tausend kleine Nadelstiche hatten Emma gelehrt, dass sie anders war. Hier würde sie nie die gleichen Chancen haben. Sie würde nie so selbstverständlich über die Straßen bummeln können wie andere. Emma musste immer darauf gefasst sein, dass irgendwer ihr hinterherstarrte. Irgendwer, der sie nicht einmal kannte. Oder ausspuckte. Dabei war sie ein Mensch wie alle anderen auch. weiterlesen

 

Gekreuzigte Frau, Jesus in Frauenkleidern – Jesus queer

Die Darstellung einer gekreuzigten Frau stammt aus der Kirche von Santiago Atitlán in Guatemala. Sie wurde mit der Dia-Serie  zum Weltgebetstag 1993 aus Guatemala verbeitet. Jesus als Frau – das ist singulär. Oder ist es „nur“ Jesus in Frauenkleidern?
Mir fällt kein einziges Bild ein, in dem Jesus die Hosen anhat. Doch Jesus in Frauenkleidern wäre den meisten Gemeindemitgliedern sehr fremd. Viele wären aufs äußerste empört und wütend. Ein solcher Jesus ist schwer auszuhalten.  weiterlesen