Ernst Orphal – Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Im Pfarrhaus der Jacobikirche hat 1932 bis 1943 Pfarrer Ernst Orphal gewohnt.  Eine Gedenktafel weist auf ihn hin. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sich auch in der Kirche viele an die nationalsozialistische Ideologie angepaßt. Die Deutschen Christen wollten christlichen Glauben vom jüdischen Erbe abtrennen. Das Amen in der Kirche sollte nicht mehr gesprochen werden, es war jüdisch. Konfirmanden sollten in HJ-Uniform zum Konfirmandenunterricht erscheinen. SA-Abteilungen marschierten geschlossen mit Fahnen in den Gottesdienst. Pfarrer stellten sich in SA-Uniform vor den Altar. Ernst Orphal gehörte nicht dazu. Er schloß sich 1935 der Bekennenden Kirche an. Hier lebte und arbeitete er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Im Pfarrhaus traf sich ab 135 eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die ebenfalls der Bekennenden Kirche („BK“) angehörten. Das ging nicht ohne Konflikte ab.

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Der Schwarze König – Krippe ohne Rassismus

Die drei Könige fehlen in diesem Jahr an der Weihnachtskrippe im Ulmer Münster. Der Schwarze König ist voller Klischees: ohne Schuhe, krumme Beine, unförmige Gestalt, eine groteske Körperhaltung. Er könnte aus den Völkerschauen stammen, die zu Ende des 19. Jahrhunderts veranstalten wurden und in denen Menschen aus Afrika und anderswo wie im Zoo ausgestellt wurden, als wilde, exotische und ungebildete Menschen. Weiterlesen

Geschenke – symbolisch und real

Was schenke ich bloß? Darum dreht es sich meistens in der Adventszeit. In diesem Jahr hieß die wichtigste Frage: Wie wird es zu Weihnachten. Werden wir zusammenkommen können, mit wem werden wir feiern können? Diesmal stehen nicht die Geschenke im Mittelpunkt, sondern das Fest. Das Fest ist das Geschenk.
Anlaß ist ein Kind – so wie auch sonst oft die Kinder Anlaß für unsere Feste sind: Taufe, Einschulung, Konfirmation. Weiterlesen

Heiligabend: Geburt unter Corona

Krippe Erzgebirge

Dramatische Szenen vor der Geburt. Eine hochschwangere Frau sucht einen Platz zum Entbinden. Kein Haus nimmt sie auf. Alles voll. Sie muss ihr Kind allein bekommen, irgendwo, ohne medizinische Hilfe. So wie Maria und Josef haben es weltweit Menschen in diesem Jahr erlebt. Überfüllte Krankenhäuser. Sterbende, die sich nicht von ihren Angehörigen verabschieden konnten. Weiterlesen

Nicht nur Elisabeth und Zacharias: Elternschaft mit Hindernissen

Kinder haben macht sich für’s Image gut. Bei Vorstellungsrunden heißt es oft: Ich bin verheiratet, habe  … Kinder und … Enkel, auch wenn das für die Qualifikation oder Aufgabe keinerlei Rolle spielt.. Leute punkten mit der Anzahl ihrer Kinder, selbst wenn das Verhältnis seit Jahren zerrüttet ist. Alleinerziehende müssen sich viel genauer überlegen, was sie sagen, wenn sie an der Reihe sind. Wer keine Kinder hat, bleibt stumm, so wie Zacharias, der erst bei der Beschneidung seines Sohnes seine Sprache wieder fand.
Keine Kinder haben oder nicht auf dem üblichen Weg Kinder bekommen, das ist kein Thema für die Öffentlichkeit. Weiterlesen

Barbara: Quarantäne im Turm

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Barbaras Vater war ein reicher Mann. Als er verreisen wollte, ließ er einen dicken Turm bauen. Er sollte Barbara vor jeder Gefahr schützen. Der Turm wurde prächtig ausgestattet und mit Vorräten versehen für eine lange, lange Zeit. Barbara sollte es an nichts fehlen. Am Ende führte der Vater Barbara mit einer Dienerin hinein. Dann ließ er den Turm zumauern und zog außer Landes. Es hätte eine gute Zeit werden können. Aber Barbara wurde immer einsamer und fühlte sich eingesperrt. Weiterlesen

Umkehr zum Frieden

Umkehr zum Frieden, lautet das Motto der Friedensdekade. Umkehr zum Frieden ist die Aufgabe, wenn ein Krieg zu Ende ist. Bei Kriegsende ist ja noch lange nicht Frieden. Die Straßen stehen voller Ruinen, und auch die Menschen sind beschädigt und verstört und verbogen. So haben es die Älteren nach dem 2. Weltkrieg erlebt, so sehe ich es in vielen Ländern, die einen Bürgerkrieg hinter sich haben oder ein verbrecherische Regierung abgeschüttelt haben.
Wenn die Waffen endlich schweigen, wird wieder aufgebaut. Häuser und Geschäfte, Straßen und Brücken. Das lässt sich reparieren. Aber der Krieg hat sich auch in die Seelen eingegraben. Weiterlesen

Jom Kippur und Mansfeld-Südharz

Ein Jahr ist der Anschlag von Halle jetzt her. Am 9. Oktober 2019 griff ein junger Mann aus unserem Landkreis die Synagoge an, tötete zwei Menschen und verletzte andere. Den Tag hatte er bewußt gewählt: Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag. Er hat sich intensive mit dem jüdischen Glauben beschäftigt. Aber nicht, um Brücken zu schlagen, sondern aus Haß. Der Antisemitismus, den christliche Kirchen Jahrhundert um Jahrhundert gepredigt haben, wirkt weiter. Weiterlesen

Mit Abraham und Sara ins Unbekannte. Schulbeginn im Corona-Jahr

In einer fernen Zeit. In einem fernen Land. In Ur in Chaldäa. Eine große Familie stammte von dort. Zwei von ihnen: Abraham und Sara. Hier seht ihr sie. Sie hatten viele Tiere: Ziegen, Schafe. Und sie hatten sich. Es ging ihnen gut. Bis eines Tages
Abraham! Sara!
Sie blickten umher. Hat uns jemand gerufen, fragten sie. Aber niemand war zu sehen. Wir werden es uns eingebildet haben, zuckten sie mit den Schultern und lachten.
Abraham! Sara!
Wieder die Stimme. Diesmal schüttelten sie verwundert den Kopf. Erst als sie ihre Namen zum dritten Mal hörten, fragten sie sich, ob wohl Gottes Stimme zu ihnen redete. Und diesmal sprach sie weiter.
Abraham! Sara! Geht weg von hier! Weiterlesen