Ein feste Burg?

Eine Feldpostkarte aus dem 1. Weltkrieg. Ein toter Soldat ist aufgebahrt. Seine Hände sind gefaltet. Drei Kameraden betrauern ihn. Im Hintergrund überbringt jemand die Todesnachricht. Darunter sind die Zeilen gedruckt: „Der alt‘ böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint, Groß‘ Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, Auf Erd‘ ist nicht sein’sgleichen.“ Weiterlesen

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Abraham: Eltern opfern Kinder

Was für eine schreckliche Geschichte! Ein Vater macht sich auf den Weg, seinen Sohn umzubringen und Gott zu opfern. Er hält das für gottgefällig. In letzter Minute hält ein Engel ihn davon ab. Das Kind lebt. Aber die Familie zerbricht daran. Vater und Mutter leben fortan getrennt, vielleicht waren sie das vorher auch schon. Die Mutter stirbt kurz darauf. Was das Kind denkt und fühlt, spielt keine Rolle. Auf seine angstvolle Frage weicht der Vater aus. Weiterlesen

Der schwarze Engel

Der Engel war schwarz. Ein schwarzes kleines Kind, vielleicht zwei Jahre alt. Sie begegnete ihm, als sie 27 war. Und das kam so: Bärbel – so heißt sie – war damals eine junge Lehrerin, engagiert für Entwicklungshilfe, und wollte Afrika mit eigenen Augen sehen. In Ghana besichtigte die Gruppe Hilfsprojekte. Vor einer Krankenstation warteten die Menschen in langen Schlangen. „Da saß auch ein Kind mit dick aufgeblähtem Bauch, ausfallenden rötlichen Haaren, in seiner eigenen Pfütze.“ Als es die weißen Leute sah, begann es zu weinen. Es litt an Unterernährung und Eiweißmangel. Es wird wohl kaum überleben, erklärte die Krankenschwester den Gästen, so sieht Ungerechtigkeit aus. * Weiterlesen

Schulden und Schuldenerlaß

Alle haben sie Schulden. Von denen, die mit ihrem Konto im Minus sind oder ihren Hauskredit abstottern, über die Kommunen bis hin zu ganzen Ländern. Kleine Leute haben oft bei Versandhäusern Schulden. Mit Null-Prozent-Finanzierung und 36 bequemen Monatsraten wird geworben. Aber die müssen ja auch zurückgezahlt werden. Da wird es oft eng. Wenn dann die Waschmaschine kaputtgeht, ist der Weg in die Überschuldung nicht weit.  Oder Trennung. Oder eine Krankheit. 14.784 Erwachsene im Landkreis Mansfeld-Südharz betrifft das – also mehr als jede*n Zehnte*n. Weiterlesen

Ein mutiger Sklave unterwandert das Finanzsystem

Predigt zu Matthäus 25,14-30 („Die anvertrauten Talente“) *
In dieser Beispielgeschichte hören wir bei den „Talenten“ im Hinterkopf vor allem „Fähigkeiten“. Du hast ein Talent. Wir verstehen es sofort im übertragenen Sinne.  Doch die Leute, denen Jesus diese Geschichte ursprünglich erzählt hat, wußten, was ein Talent wirklich ist: ein riesiger Barren Silber, so viel, wie ein Mensch gerade noch tragen kann, 30 bis 40 Kilogramm. Ein Talent, das sind  17 Jahreseinkommen einer armen Familie (á 350 Denare). Und die 8 Talente eines Investors, die investiert werden, entsprechen 140 bis 160 Jahreseinkommen. Wenn eine Familie an der Armutsgrenze heute 20.000 Euro zur Verfügung hat, entspräche das 2,8 Millionen Euro. **
Der Sklavenbesitzer verfügt über weit mehr. Denn er braucht diese 8 Talente nicht für den laufenden Betrieb, sondern hat sie zusätzlich zur freien Verfügung und kann sie  investieren, ohne seine sonstigen Geschäfte zu beeinträchtigen. Solche Vermögen lassen sich nicht mit eigener Hände Arbeit aufbauen.  Das ist auch heute so. Geld gebiert Geld. Der größte Gewinn wird heute nicht durch Produktion erwirtschaftet, sondern durch Kapital selbst. Geld wird angelegt und verzinst und wird als Aktien an den Börsen durch die Welt geschoben. Weiterlesen

Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet

Haben Sie einen folgsamen Chef, der immer einverstanden ist mit dem, was Sie sagen? Nein? Dann scheuern Sie ihm doch mal eine! Links und rechts – lassen Sie Ihre Wut richtig raus! Sie werden merken, dass es Ihnen danach besser geht; Aggressionen müssen schließlich raus.
Auf diesen Gedanken sind Sie wahrscheinlich noch nie gekommen. Nicht weil alle Chefs so einsichtig sind, sondern weil es sich nicht gehört, dass wir Konflikte so austragen. Weiterlesen

Meine Suppe eß ich nicht

Meine Suppe eß ich nicht, schüttelte die Prinzessin ihren Kopf und schob den Löffel weg. Ein Stöhnen ging durch die Tischgesellschaft. Die Mutter des Landgrafen runzelte missbilligend die Stirn und zischte ihren Sohn an: Ruf sie zur Ordnung. Doch der saß seelenruhig in der Mitte der Tafel und hielt die Prinzessin – pardon die Landgräfin, denn sie hatten jüngst geheiratet – bei der Hand. Er wusste, warum sie nicht essen wollte. Auch die gesamte Hofgesellschaft hoch oben auf der Wartburg wusste, dass Prinzessin Elisabeth keineswegs mäkelte.
Vielmehr fragte sie bei jedem Gericht: Woher kommt es? Weiterlesen

Caspar Tryller zieht nach Sangerhausen

Wir schreiben das Jahr 1571. Die Sangerhäuser gucken neugierig, als ein Pferdewagen mit Umzugskisten durch das Stadttor rumpelt. Ein winziger Junge klettert herunter und plappert stolz über die lange Fahrt. Caspar ist 2 Jahre alt; sein kleiner Bruder Heinrich nuckelt friedlich an der Brust von Mutter Catharina. Noch kennt niemand Familie Tryller aus Neustadt / Orla in Thüringen. Das soll sich schnell ändern. Das ist der neue Amtsschösser, tuscheln die Leute, er kassiert jetzt unsere Steuern. Weiterlesen