Aussätzig? Danken?

Danke?

Sag schön danke! Kinder hassen diesen Satz. Aber sie haben keine Chance, und meistens sind sie ja gut erzogen. So pressen sie sich artig ein Dankeschön heraus und rennen mit dem neuen Spielzeug in der Hand davon. Warum nur bringen Eltern ihre Kinder immer wieder in solche peinlichen Situationen? Tante Elke oder Opa Herbert mögen ja viel ausgegeben haben. Aber reicht es nicht zu sehen, dass sich das Kind an dem Spielzeug freut (oder auch nicht)? Ist das nicht Dank genug?! Dass es für das Zusammenleben wichtig ist, sich zu bedanken, lernen Kinder doch genauso, wenn sie erleben, wie Mama oder Papa stellvertretend für sie ein paar herzliche Worte an Tante und Opa richten. Vielleicht können die Kinder sich sogar abgucken, wie es den Erwachsenen gelingt, mit Geschenken umzugeben, die zwar lieb gemeint, aber unpassend sind. Das Gegenüber nicht zu brüskieren ist auch eine Kunst.
Sag schön danke! Wer sich bei wem bedanken soll, das hat auch mit Macht zu tun. Es legt offen, wer abhängig ist, im kleinen wie im großen. „Die Schwarzen in Afrika“ sollen dankbar sein für unsere Entwicklungshilfe. Weiterlesen

Der Schwarze König – Krippe ohne Rassismus

Die drei Könige fehlen in diesem Jahr an der Weihnachtskrippe im Ulmer Münster. Der Schwarze König ist voller Klischees: ohne Schuhe, krumme Beine, unförmige Gestalt, eine groteske Körperhaltung. Er könnte aus den Völkerschauen stammen, die zu Ende des 19. Jahrhunderts veranstalten wurden und in denen Menschen aus Afrika und anderswo wie im Zoo ausgestellt wurden, als wilde, exotische und ungebildete Menschen. Weiterlesen

Britisches Museum und Totensonntag

Im Britischen Museum in London faszinieren mich besonders die Kunstwerke aus dem alten Assyrien, aus Ninive, Nimrud oder Babylon. Den Eingang zur Abteilung bewachen zwei riesige geflügelte Löwenskulpturen mit Menschenköpfen. Fein ausgearbeitete Reliefs zeigen eine Löwenjagd oder Szenen im Palast des Königs. Die Männer tragen charakteristische Bärte. Während das alte Israel zur gleichen Zeit agrarisch geprägt war und es eher ärmlich zuging, hat Assyrien eine Hochkultur hervorgebracht. Die Gärten und Paläste von Ninive waren weltberühmt. Welch ein Unterschied! König Sanherib ließ sogar einen kompletten Saal mit einem Alabaster-Relief verkleiden. Es führt den Triumphzug gegen die jüdische Stadt Lachisch vor. Weiterlesen

Pilatus weißgewaschen

Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) Pilatus stellt diese Frage mitten in einem Verhör. Das ist eine perfide Taktik. Der Ermittler „plaudert“ mit dem Angeklagten. Das kennen wir. Aus politischen Prozessen. Gehirnwäsche heißt es in China. Und um einen politischen Prozeß geht es hier ja. Wer ist König im Land? Bist du etwa ein König? Wo ist dein Reich? Wer hat die Macht? Da läuten bei jedem Geheimdienst die Alarmglocken. Für so eine Vernehmung nimmt sich die Staatsmacht alle Zeit der Welt. Weiterlesen

Steine zu Brot

Jesus fastet in der Wüste und wird danach versucht. „Sprich, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ (Matthäus 4,3)  Der Hunger macht ihn wehrlos. Wenn Menschen halbverhungert sind, sind sie zu fast allem bereit. Bei Jesus waren es 40 Tage. Da schreit jede Faser nach Brot. Wenn die Armut und das Elend in den Ecken hocken, folgen die Menschen jedem, der ihnen verspricht, sie da herauszuholen. Hunger  und Not sind große Künstler, die Sinne zu vernebeln. Glücksritter und Volksverführer finden willige Gefolgschaft. So stimmen die Abgehängten für Parteien, die Wohlstand und Aufschwung versprechen. An den Rand Gedrängte bejubeln Wortführer, die gegen Minderheiten hetzen. So übermächtig ist ihre Hoffnung, dass sie sogar alle verjagen, die sie zur Vernunft mahnen. Dass der Reichtum keineswegs den Armen winkt, sondern im Gegenteil auf ihre Kosten erkauft wird, wollen sie nicht hören. Sie können es nicht hören. Hunger kann den Verstand vernebeln. Weiterlesen

Jack & Joe. Auf Spurensuche zu Jacobus

Mein Bruder und ich. Haben Sie Geschwister, mit denen Sie durch dick und dünn gegangen sind? Oder welche, die Ihnen immer voraus waren? Jacobus kommt nie allein. Jacobus und Johannes werden im Neuen Testament meist die Söhne des Zebedäus genannt. Wo von dem einen die Rede ist, ist auch der andere nicht weit. Weiterlesen

Ein feste Burg?

Eine Feldpostkarte aus dem 1. Weltkrieg. Ein toter Soldat ist aufgebahrt. Seine Hände sind gefaltet. Drei Kameraden betrauern ihn. Im Hintergrund überbringt jemand die Todesnachricht. Darunter sind die Zeilen gedruckt: „Der alt‘ böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint, Groß‘ Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, Auf Erd‘ ist nicht sein’sgleichen.“ Weiterlesen