17. Juni 1953 und die Normerhöhungen in Ägypten

Ein 9-jähriger Junge schreibt auf, was er am 17. Juni 1953 in Sangerhausen erlebt hat.* Der Junge heißt Einar Schleef. Er wird malen, fotografieren, Stücke schreiben, inszenieren, anecken, die DDR verlassen und doch zeitlebens an Sangerhausen kleben. Mit dem 17. Juni 1953 beginnt er, Tagebuch zu schreiben. Der 17. Juni gräbt sich tief in den 9-jährigen ein und wird zum Schlüsselerlebnis, das er mehrfach wiederholt und noch Jahrzehnte später ergänzt, umarbeitet, nebeneinanderstellt.
Wer später im Osten „1953“ sagte, dachte vieles mit, was in den Monaten und Wochen drumherum passierte. Weiterlesen

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Pfingsten: Der Traum von Martin Luther King

Seht, der Träumer kommt daher. Solche Worte können auf dem Schulhof ein Todesurteil sein. Ein Junge, der lieber träumt, als sich mit Kraftausdrücken hervorzutun oder mit Fußballbegeisterung, kann es sehr schwer haben und ist manchmal verdammt allein. Seht, der Träumer kommt daher. Diese Worte bezeichnen tatsächlich einen Todesort. Und sie waren das Todesurteil für Josef in der Bibel. Weiterlesen

1917: Glocken für den Krieg

Wenn abends um sechs die Glocken läuteten, mussten wir heimkommen, erzählte mir eine alte Frau. Und wenn es nachmittags läutete, wussten wir: auf dem Friedhof wird jemand beerdigt. Glocken begleiten das Leben vieler Menschen. Wenn sie zur Taufe und zur Konfirmation, zur Hochzeit und am Grab läuten, teilen sie die schönen und die schweren Stunden einer einzelnen Familie dem ganzen Dorf oder der ganzen Stadt mit. Und umgekehrt nehmen sie die einzelnen in das hinein, was die Allgemeinheit betrifft, Frieden und Krieg, Feuer, Gefahr und Befreiung. Weiterlesen

Konfirmation: Du Spasti

Du Spast, du Spasti. Ich glaube, das ist immer noch ein Schimpfwort auf Schulhöfen. Ey du Spasti, bist du denn behindert oder was. Das soll heißen: Du bist nicht ganz richtig im Kopf, du hinkst hinterher, du begreifst nicht, worum es geht, du gehörst nicht zu uns. Ein ruppiger Umgangston herrscht auf Schulhöfen oder im Internet. Weiterlesen

Im Nachhinein

Mose erlebt Gott. Im Nachhinein. Gott geht ganz nah an ihm vorbei. Mose kann hinter ihm herschauen, der Abglanz Gottes fällt auf ihn. Aber er sieht ihn erst hinterher, sieht nur seine Spur. In dem Moment selbst bleibt Gott ihm verborgen. Er kann ihn erst im Nachhinein erkennen. Und fängt an zu strahlen.

So ist das auch im Leben. Vieles erschließt sich erst im Nachhinein. Im Moment selbst bleibt es verborgen. Dann sagen wir: Wenn ich das damals gewußt hätte! Weiterlesen

Der schwarze Engel

Der Engel war schwarz. Ein schwarzes kleines Kind, vielleicht zwei Jahre alt. Sie begegnete ihm, als sie 27 war. Und das kam so: Bärbel – so heißt sie – war damals eine junge Lehrerin, engagiert für Entwicklungshilfe, und wollte Afrika mit eigenen Augen sehen. In Ghana besichtigte die Gruppe Hilfsprojekte. Vor einer Krankenstation warteten die Menschen in langen Schlangen. „Da saß auch ein Kind mit dick aufgeblähtem Bauch, ausfallenden rötlichen Haaren, in seiner eigenen Pfütze.“ Als es die weißen Leute sah, begann es zu weinen. Es litt an Unterernährung und Eiweißmangel. Es wird wohl kaum überleben, erklärte die Krankenschwester den Gästen, so sieht Ungerechtigkeit aus. * Weiterlesen

Der Heiden Heiland – Liedpredigt im Reformationsjahr

Gerade einmal 30 Jahre war es her, dass Christoph Kolumbus weit im Westen des Atlantiks auf Land gestoßen war: Amerika. Seit 1492 segelten Schiffe über die Meere. Dort lebten die Indianer, die Wilden, die Heiden, und Europa glaubte, sie „entdeckt“ zu haben – auch wenn  die Menschen dort schon lange wohnten und es gar nicht nötig hatten, „entdeckt“ zu werden.
Die Eroberung Amerikas bedeutete auch den Beginn der sogenannten Heidenmission. Damit begann zugleich eine beispiellose Geschichte voller Gewalt, Blut und Tränen. Völker wurden versklavt, ihre Kulturen zerstört, ihr Eigentum ausgebeutet und ausgeplündert.
Von sagenhaften Reichtümern drang die Kunde über den Atlantik, von Goldschätzen, von einem wahren El Dorado, als Luther 1524 sein Lied schrieb. Oder besser gesagt aus dem Lateinischen übersetzte.

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