Bäume ausreißen? Senfkörner pflanzen!

Durch Beharrlichkeit lassen sich Wunder erreichen. Eva Löber aus Wittenberg etwa. Dort steht am Markt das Haus des Malers Lucas Cranach. Es ist ein beeindruckendes Renaissance-Ensemble, denn Cranach war nicht nur Maler, sondern auch Apotheker, Drucker und Bürgermeister zugleich. Zu DDR-Zeiten war es hoffnungslos heruntergekommen. Schon 1989 setzte Eva Löber sich für den Erhalt ein. Sie suchte Gleichgesinnte. Sie gründete eine Bürgerinitiative und in den 1990-er Jahren eine Stiftung. Schritt für Schritt kratzte sie Fördergelder zusammen, trieb die Sanierung voran, entwickelte zeitgemäße Nutzungskonzepte. Heute sind die Cranach-Höfe Herberge, Künstler*innenwerkstatt, Malschule, kulturelles Zentrum. Am 22. Oktober wird Eva Löber vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Schinkel-Ring ausgezeichnet, dem renommiertesten deutschen Denkmalschutzpreis.
Aber angefangen hat es klein und ziemlich aussichtslos. So klein wie das Senfkorn, das Jesus als Vergleich nimmt. Doch das Senfkorn hat ausgereicht, um Großes zu bewegen. Weiterlesen

Konfirmation: Von Angst und Mut

Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, dein Gott bin bei dir, wohin du auch gehst“. (Josua 1,9) Diesen Vers aus dem Josuabuch hast du zusammen mit deinem Vater ausgesucht. Es geht um Angst und es geht um Mut. Jungs sollen mutig sein und keine Angst haben. Richtige Männer sind stark und zeigen keine Furcht. Diese Bilder von Männern geistern immer noch in den Köpfen herum und machen Jungs das Leben schwer. Denn die Ängste gehen davon nicht weg. Solche Sprüche beschädigen eher das Selbstvertrauen und den Mut. Es gibt so vieles, wovor Kinder und Erwachsene Angst haben. Etwa bei der Leistungskontrolle zu versagen. Vor anderen bloßgestellt werden. Etwas nicht schaffen. Einen Menschen verlieren. Weiterlesen

Ernst Orphal – Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Pfarrhaus

Im Pfarrhaus der Jacobikirche hat 1932 bis 1943 Pfarrer Ernst Orphal gewohnt.  Eine Gedenktafel weist auf ihn hin. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sich auch in der Kirche viele an die nationalsozialistische Ideologie angepaßt. Die Deutschen Christen wollten christlichen Glauben vom jüdischen Erbe abtrennen. Das Amen in der Kirche sollte nicht mehr gesprochen werden, es war jüdisch. Konfirmanden sollten in HJ-Uniform zum Konfirmandenunterricht erscheinen. SA-Abteilungen marschierten geschlossen mit Fahnen in den Gottesdienst. Pfarrer stellten sich in SA-Uniform vor den Altar. Ernst Orphal gehörte nicht dazu. Er schloß sich 1935 der Bekennenden Kirche an. Hier lebte und arbeitete er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Im Pfarrhaus traf sich ab 1935 eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die ebenfalls der Bekennenden Kirche („BK“) angehörten. Das ging nicht ohne Konflikte ab.

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Mit Abraham und Sara ins Unbekannte. Schulbeginn im Corona-Jahr

In einer fernen Zeit. In einem fernen Land. In Ur in Chaldäa. Eine große Familie stammte von dort. Zwei von ihnen: Abraham und Sara. Hier seht ihr sie. Sie hatten viele Tiere: Ziegen, Schafe. Und sie hatten sich. Es ging ihnen gut. Bis eines Tages
Abraham! Sara!
Sie blickten umher. Hat uns jemand gerufen, fragten sie. Aber niemand war zu sehen. Wir werden es uns eingebildet haben, zuckten sie mit den Schultern und lachten.
Abraham! Sara!
Wieder die Stimme. Diesmal schüttelten sie verwundert den Kopf. Erst als sie ihre Namen zum dritten Mal hörten, fragten sie sich, ob wohl Gottes Stimme zu ihnen redete. Und diesmal sprach sie weiter.
Abraham! Sara! Geht weg von hier! Weiterlesen

Weltgebetstag Simbabwe

Liebe Kinder, liebe Erwachsene, ich finde wichtig, dass Jesus den Kranken am Teich Betesda gefragt hat: Was willst du? Willst du gesund werden? Wer krank ist, wird oft gar nicht gefragt, was er oder sie möchte. Sondern eine Behandlung wird angeordnet. Im Krankenhaus muss es oft schnell gehen, und Ärztinnen und Ärzte haben wenig Zeit. Nach der Visite sind sie manchmal so schnell aus dem Zimmer heraus, dass die Patient*innen in den Betten ihre Erklärungen gar nicht richtig verstanden haben. Und schon gar nicht konnten sie darüber nachdenken: will ich diese Behandlung oder Untersuchung überhaupt? Sicher rettet eine Spritze manchmal das Leben. Aber mir gefällt, dass Jesus den Kranken ausdrücklich fragt und einbezieht. Weiterlesen

Bücher verschlingen

Mach die Taschenlampe aus, du verdirbst dir noch die Augen! Doch manche Bücher sind so spannend, dass Kinder nachts unter der Bettdecke einfach weiterlesen müssen. Erwachsenen geht es nicht anders. Sie können das Buch nicht weglegen, obwohl es schon längst Mitternacht geschlagen hat und sie sich fest vorgenommen haben, die Nachttischlampe spätestens nach der nächsten Seite auszuknipsen. Sie sind weit weg im Mittelalter, in der Zukunft oder in Südamerika und können nicht so einfach in die schnöde Wirklichkeit zwischen den Bettlaken zurückkommen.
Ein Buch in sich hineinfressen, das gab es schon zu Ezechiels Zeiten. Gott selbst gibt dem Propheten ein Buch, eine Schriftrolle zu essen. Dieses Buch entführt Ezechiel nicht in eine andere Welt, sondern in seine eigene. Weiterlesen

Pilatus weißgewaschen

Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) Pilatus stellt diese Frage mitten in einem Verhör. Das ist eine perfide Taktik. Der Ermittler „plaudert“ mit dem Angeklagten. Das kennen wir. Aus politischen Prozessen. Gehirnwäsche heißt es in China. Und um einen politischen Prozeß geht es hier ja. Wer ist König im Land? Bist du etwa ein König? Wo ist dein Reich? Wer hat die Macht? Da läuten bei jedem Geheimdienst die Alarmglocken. Für so eine Vernehmung nimmt sich die Staatsmacht alle Zeit der Welt. Weiterlesen

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Rezka wollte immer nur eins: malen. Aber als Kind in einer Bauernfamilie blieb dafür nicht viel Zeit. Sie waren sieben Geschwister. Rezka sah zu, daß sie einen guten Schulabschluß schaffte. Sie wurde Physiotherapeutin, heiratete, bekam zwei Söhne. Und dann wurde sie krank. Ihre Augen wurden immer schwächer. Sie konnte nicht mehr allein Fahrrad fahren. Sie sah die Buchstaben in der Zeitung nicht mehr. Mit 46 war sie arbeitsunfähig. Ihr Leben war aus den Fugen geraten. Da kam ein heftiger Sturmwind auf, und die Wellen schlugen ins Boot, so dass es voll Wasser lief (Markus 4,37).

Oder Friedrich. Weiterlesen

Weihnachten: Von Tannen und Bäumen

Rupfi ist in diesem Jahr der am meisten bedauerte Weihnachtsbaum Deutschlands. Rupfi heißt der Weihnachtsbaum auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt. Er hat eine eigene Facebookseite und 6200 Follower (24.12.2018). Es ist ihm anzusehen, wie der trockene Sommer seinen Zweigen und Nadeln zugesetzt hat. Doch Spott und Hohn über die „lichte Fichte“ sind längt umgeschlagen. „Wir lieben ihn, weil er nicht perfekt ist“, heißt es im Internet. Inzwischen fotografieren sich die Leute vor dem Baum, kaufen Rupfi-Anstecker, deren Erlös dem Kinder-Hospiz in Tambach-Dietharz zugutekommt, und diskutieren im Facebook über innere Werte. „Zu Weihnachten muss nicht alles perfekt sein. Das Leben hat Brüche. Und Rupfi eben auch.“ Der Klimawandel ist auf dem Weihnachtsmarkt angekommen. Weiterlesen