Goldene Konfirmation 2017: Keine 68er

Unter den Talaren ein Muff von tausend Jahren. Vor einem halben Jahrhundert schickten sich junge Leute an, unser Land gründlich durchzuwirbeln. Sie hatten genug davon, wie zuhause, an den Universitäten und in den Ministerien geschwiegen wurde über die Zeit vor 1945. Sie wehrten sich gegen autoritäre Erziehung und hatten genug von Kriegen in Vietnam und anderswo. Sie mahnten  Solidarität  mit den Ländern des Südens an. Sie flochten sich Blumen ins Haar, hörten Beatles. Weiterlesen

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Konfirmation: Du Spasti

Du Spast, du Spasti. Ich glaube, das ist immer noch ein Schimpfwort auf Schulhöfen. Ey du Spasti, bist du denn behindert oder was. Das soll heißen: Du bist nicht ganz richtig im Kopf, du hinkst hinterher, du begreifst nicht, worum es geht, du gehörst nicht zu uns. Ein ruppiger Umgangston herrscht auf Schulhöfen oder im Internet. Weiterlesen

Im Nachhinein

Mose erlebt Gott. Im Nachhinein. Gott geht ganz nah an ihm vorbei. Mose kann hinter ihm herschauen, der Abglanz Gottes fällt auf ihn. Aber er sieht ihn erst hinterher, sieht nur seine Spur. In dem Moment selbst bleibt Gott ihm verborgen. Er kann ihn erst im Nachhinein erkennen. Und fängt an zu strahlen.

So ist das auch im Leben. Vieles erschließt sich erst im Nachhinein. Im Moment selbst bleibt es verborgen. Dann sagen wir: Wenn ich das damals gewußt hätte! Weiterlesen

Mutig Fehler machen

Wie viele Fehler haben Sie dieses Jahr gemacht? Ich meine nicht die ganz tragischen, das Haus abfackeln oder so, Ich meine eher die alltäglichen Fehler, die großen und kleinen, die im Laufe der Zeit zusammenkommen. Welche, wieviele mögen es in diesem Jahr wohl gewesen sein?
Ich trage einen Termin falsch im Kalender ein. Ich übe neunundneunzigmal und verspiele mich beim hundertsten Mal doch. Weiterlesen

Jutta verläßt die Familie

Hier in der Ulrichkirche fing alles an mit Jutta von Sangerhausen. 800 Jahre ist das jetzt her. Ich stelle mir vor, wie die Kirche damals aussah. 100 Jahre stand sie ja schon. Die mächtigen Mauern überragten die Holzhütten und Lehmhäuser, aus denen Sangerhausen damals bestand. Dicke steinerne Mauern hatten Bestand für die Ewigkeit. Sie versprachen den Menschen Schutz und Stärke in Zeiten, in denen ein Funke leicht die strohernen Dächer wie Zunder entflammen und die ganze Stadt in Schutt und Asche legen konnte. Weiterlesen

MIFA – mobil ohne Auto

Vor 35 Jahren und 10 Tagen, am 30. und 31. Mai 1981, ließen ein paar hundert Leute  in 25 Städten der DDR das Auto stehen und stiegen auf den Fahrradsattel. Sie wollten darauf aufmerksam machen, daß der hohe Lebensstandard des Nordens – also auch in der DDR – globale Umweltproblemen verursacht. Die Aktion hatte sich im kirchlichen Umfeld vor allem über Mundpropaganda herumgesprochen. In Saalfeld etwa beteiligten sich 100 Leute und verbanden die Fahrt mit einer Baumpflanzaktion. Es war die Geburt der Aktion „Mobil ohne Auto“ und sie wurde zur größten Umweltaktion in der DDR. Weiterlesen

Quasimodogeniti: wie neugeboren

Ich bin richtig stolz, ich fühle mich wie neugeboren. So strahlte eine junge kurdische Frau vor einigen Jahren bei ihrer Einbürgerungszeremonie, nachdem sie ihre und die Urkunde für ihre dreijährige Tochter erhalten hatte.Für sie bedeutet Deutschland  Freiheit und Sicherheit. Özgül Haligür war aus der Türkei nach Leverkusen geflüchtet.Ihr Traum: eine deutsch-türkische Konditorei aufzumachen.*
Wie neugeboren. So heißt es im 1. Petrusbrief, der Epistel heute. Weiterlesen