Unkraut – von Brennesseln und Ranken

Gartenarbeit ist oft Frauensache. Die Blumen zum Blühen bringen, Gemüse und Kräuter anbauen, Beeren pflückten, Unkraut jäten, hacken und ernten, das erledigen oft die Frauen. Seit Jahrhunderten bewirtschaften Frauen ihre Gärten. Sie sichern die Ernährung der Familie, sie sorgen dafür, dass es schön aussieht, und sie zeigen ihren Töchtern, wie sie Blumen zu Sträußen einstellen und das Haus schmücken können.

Was nicht ins Beet paßt, wird schnell als Unkraut verdammt. Es stört den schönen Anblick und kann ja auch tatsächlich alles überwuchern. Dabei ist manches, was wir als Unkraut bezeichnen, sehr gesund. Und überhaupt staune ich, welche Lebenskraft in den meterlangen Wurzeln und Ranken steckt, die sich durch jede Ritze ziehen. Für verwüstete und vergiftete Flächen, auf denen alles tot ist, sind solche Pflanzen ein Segen. Sie bahnen dem Leben beharrlich wieder einen Weg.

Brennnesseln und Ranken.  Manchmal fühlen Frauen sich so. Sie sind nicht gern gesehen. Sie stören mit ihrer Existenz, mit ihren Forderungen in einer nach wie vor männlich dominierten Welt, in der 80 % des Vermögens Männern gehört und ihre Arbeit weniger honoriert wird, auch in unserem reichen Land.

Ihre Forderungen stechen und brennen, auch in der Kirche. Dass Frauen als Pfarrerinnen hier stehen können, war ein jahrhundertelanger Weg. So wie die Ranken im Boden brauchten Frauen dazu viel Zähigkeit und langen Atem, mußten viel erdulden an Häme, Spott und Ignoranz. In der katholischen Kirche kämpfen Frauen mit Maria 2.0 immer noch um Zugang zu Ämtern, um Segnung für homosexuelle Paare und um Beteiligung für alle.

Meistens geht es nur langsam voran, oft gibt es Rückschläge. Aber ohne Brennesseln, ohne unbequeme Forderungen ändert sich nichts. Und genauso wie die Ranken lassen sich Ideen und Visionen nicht einfach ausrotten und verbrennen. Sie brechen immer wieder auf.
Das Unkraut gehört dazu. Brennnesseln und Ranken, sie sind die Pionierinnen des Lebens.

Andacht auf der Bundesgartenschau in Erfurt
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