Die Olivenbäume weinen

Kurz vor dem Passafest. Die Leute strömten nur so nach Jerusalem. Passawochenende in der Hauptstadt! Viele reisten auch schon ein paar Tage eher an und genossen die Hauptstadtatmosphäre und das Getümmel. Was gab es im Trubel nicht alles zu sehen! Einer ritt auf einem Esel über einen Teppich aus Mänteln. Das war ein Spaß! Sie rissen gleich ein paar Zweige von den Bäumen und schwenkten sie vor Begeisterung. Weiterlesen

Werbeanzeigen

Denken und Teilen

Wie geht es euch, wenn ihr euch an den Tisch setzt? Könnt ihr es genießen oder schaufelt ihr das Essen eher in euch herein? Erntedankfest regt uns an, daß wir nachdenken, was wir essen und woher es kommt. Etwa wie die Hühnchen aufwachsen, die für 2,99 Euro diese Woche im Angebot sind. Weiterlesen

MIFA – mobil ohne Auto

Vor 35 Jahren und 10 Tagen, am 30. und 31. Mai 1981, ließen ein paar hundert Leute  in 25 Städten der DDR das Auto stehen und stiegen auf den Fahrradsattel. Sie wollten darauf aufmerksam machen, daß der hohe Lebensstandard des Nordens – also auch in der DDR – globale Umweltproblemen verursacht. Die Aktion hatte sich im kirchlichen Umfeld vor allem über Mundpropaganda herumgesprochen. In Saalfeld etwa beteiligten sich 100 Leute und verbanden die Fahrt mit einer Baumpflanzaktion. Es war die Geburt der Aktion „Mobil ohne Auto“ und sie wurde zur größten Umweltaktion in der DDR. Weiterlesen

Geschenke, Geschenke

Ich denke über den Geschenkerummel anders, seit ich den alten Mann kennengelernt habe. Als ihm die Frau gestorben ist, haben die Kinder ihn zu sich genommen. Weihnachten wollten sie es ihm besonders schön machen. Selbstverständlich lagen bei der Bescherung auch für ihn ein paar Päckchen unterm Christbaum. Er warf einen Blick hinein, murmelte so etwas wie „Danke“ und legte sie zur Seite. Wie liebevoll sie eingepackt waren, hat er überhaupt nicht mitbekommen. Er selbst hat niemandem etwas geschenkt, nicht den Kindern, nicht den Enkeln. Seine Kinder löschten am Abend bedrückt die Kerzen am Baum. Ihre Zuwendung und ihre Geschenke nimmt er als selbstverständlich hin. Auf den Gedanken, dass er selbst etwas geben könnte, kommt er nicht. Das hatte er immer seiner Frau überlassen. Weiterlesen

Happy Birthday, Adventskranz!

Hamburg 1839: Wie lange dauert es noch bis Weihnachten? Immer wieder hatte Johann Hinrich Wichern in den letzten Jahren auf die ungeduldige Frage der Kinder antworten müssen. In diesem Jahr ließ er sich eine unkonventionelle Antwort einfallen. Tatsächlich glänzten alle Augen, als sich die Tür zum Betsaal des Rauhen Hauses in Hamburg öffnete: Ein Holzreifen hing an der Decke mit 23 Kerzen. Das erste Licht leuchtete. Am nächsten Tag waren es zwei. Jeden Tag hielten Kinder und Erwachsene eine Andacht und sangen Adventslieder. Jeden Tag wurde ein Licht mehr angezündet, bis Weihnachten kam. Die Kinder haben so erlebt: Gottes Licht kommt zu uns. Und jeden Tag wird es ein bisschen heller. Weiterlesen

Schwerter zu Pflugscharen

Der Genosse Parteisekretär rieb sich die Augen, als er eines Morgens auf den Markt kam. „Schwerter zu Pflugscharen“ hatte jemand an eine Wand geschrieben. In Sangerhausen!! Unverzüglich wurde der Markt abgesperrt, eine Malerbrigade zum Überpinseln bestellt und die Stasi eingeschaltet. Für die „staatlichen Organe“ war es höchst ärgerlich, dass solche Losungen bis in die Provinz drangen. Weiterlesen

Von Herrn K. – Zum Reformationstag

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte. *
Wer sich verändert, lebt. Wenn es keine Bewegung mehr gibt, zieht Stillstand ein und am Ende der Tod. Solange wir uns wandeln, leben wir.
Wir reifen als Menschen, indem wir unseren Horizont immer wieder erweitern und uns verändern.Wer nie fragt und wer sich nicht selbst hinterfragt, wer nie irrt und neu beginnt, tritt auf der Stelle. Weiterlesen

Easy Rider – Auf dem Rummel

Wir waren schon mal gucken. In Eisleben. Auf der „Wiese“, dem großen Rummel. Vor ein paar Tagen, als die Geisterbahn gerade aufgebaut wurde. Denn heute nachmittag wird, wenn das Wetter mitspielt, kein Durchkommen mehr sein. Vom Kleinkind bis zur Großmutter drängt sich alles zwischen Karussells und Buden hindurch.
Aber abends, wenn es etwas ruhiger wird und eher die jüngeren Leute zurückbleiben und die Betrunkenen, gehe ich gern auf den Rummel. Mich zieht es zu den Karussells, den superschnellen, die mich richtig durchwirbeln. Da hüpfen Herz und Körper, und es kribbelt mächtig im Bauch. Weiterlesen

Denk mal

Was ist eigentlich mit der Gefallenen-Gedenktafel in der Jacobi-Kirche, fragten Leute mich vor einiger Zeit.
Ich druckste herum. Natürlich, die drei Soldatenbilder für die Gefallenen des 1. Weltkriegs, in den 20er Jahren gemalt. Von einem Pfeiler blickten sie auf die Gemeinde herab, Sonntag für Sonntag, bis zum Kirchenbrand 1971. Sie erinnerten an die verlorenen Väter, Brüder und Söhne und hielten zugleich die Erinnerung an Schmach und Niederlage wach. „Ich hatt’ einen Kameraden“, das klang lange in den Ohren.
Ob sie die Leute auch zum Frieden gemahnt haben? Ich fürchte, solche Tafeln hatten damals eine andere Funktion. Der nächste Krieg kam bald und mit ihm neue Kämpfer für Volk und Vaterland, neue Tote, neue Bitterkeit. Weiterlesen