Gekreuzigte Frau, Jesus in Frauenkleidern – Jesus queer

Die Darstellung einer gekreuzigten Frau stammt aus der Kirche von Santiago Atitlán in Guatemala. Sie ist Teil der Dia-Serie zum Weltgebetstag aus Guatemala 1993 und wurde von Anneliese Knippenkötter aufgenommen. Im Begleitheft heißt es dazu: Hier „ … hängt eine gekreuzigte Frau. Diese Figur ist ein Beispiel dafür, wie die christliche Botschaft in Guatemala verstanden werden kann. Wir kennen die Geschichte dieses Kruzifixes nicht. Aber es ist gut vorstellbar, daß es als Symbol für die errichtet wurde, die am meisten Leid tragen. An die 50.000 Witwen gibt es in Guatemala, etwa 250.000 Kinder haben Vater oder Mutter oder gar beide verloren. Die Frauen haben sich 1988 zur nationalen Witwenvereinigung CONAVIGUA zusammengeschlossen. Sie gehen mit Bildern der verschleppten Angehörigen auf die Straße und fordern Aufklärung.“

Jesus wird als gekreuzigte Frau in Maya-Kleidung dargestellt. Jesus als Frau – das ist singulär. Weiterlesen

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Gott schmecken

Der Kaffee in der Kirche ist ihm zu dünn, fand ein Mann neulich. Er trinkt seinen Kaffee lieber zuhause. Das ist natürlich Geschmackssache. Ich bin eher dankbar, wenn der Kaffee nicht so schwarz wie die Nacht ist, dass der Löffel darin steckenbleibt. Wie schmeckt Kirche? Was schmecken Menschen, wenn sie bei uns zu Gast sind? So viel gibt es im Gottesdienst nicht zu kosten. Ungefähr einmal im Monat gibt es Abendmahl. Die Hostie, ein wenig papiern, wie Oblaten eben so sind, und ein kleiner Schluck Traubensaft. Der ist Bio und süß. Und nach dem Gottesdienst Kaffee oder Tee, manchmal ein Plätzchen dazu. Das Schwatzen steht im Vordergrund, weniger wie es schmeckt. Warum eigentlich nicht? In den USA – wo der Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst einen ungleich höheren Stellenwert einnimmt – hat einmal eine Gemeinde geworben: Die Kirche mit dem besten Kaffee. Das klingt tatsächlich attraktiv. Ein Cappuccino mit einem Berg von Schaum, das fände ich richtig chic.
Auch wenn es beim Abendmahl heißt: Seht und schmeckt die Freundlichkeit Gottes, zum Schmecken haben wir in der Kirche nicht wirklich eine Beziehung entwickelt. Das ist schade, denn erstens spielt es für die Menschen eine wichtige Rolle, und zweitens ist es unbiblisch.  Weiterlesen

Ohne Uhr leben

Turmuhr Jacobi Sangerhausen

Am 19. Juni hat um 21.22 Uhr der Blitz in die Turmhaube eingeschlagen und unsere Uhr lahmgelegt. Seitdem habe ich erst gemerkt, wie sehr sie mir fehlt und wie viele Male am Tag ich nach ihr schaue. Jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster blicke oder die Treppe hoch- und heruntergehe, schaue ich nach der Zeit, während mir im selben Moment durch den Kopf fährt, daß die Uhr schon vor vier Wochen stehengeblieben ist. Wenn ich auf der Straße in Eile bin, drehe ich mich automatisch nach oben, wieviel Zeit mir noch bleibt. Wenn es 18 Uhr nicht läutet, fühlt es sich leer und unvollständig an. Die Gliederung, die die Glocken dem Tag gegeben haben, fehlt. Wie sehr sind wir auf die Zeit angewiesen, wie sehr prägen uns Uhren und Zeit? Weiterlesen

Familiengottesdienst: Franziskus damals und Franziska heute – Fridays for Future

Zwei Franzis treten auf: Franziskus damals und Franziska heute. Beide steigen aus. Beide sind auf der Suche nach neuen Lebensentwürfen, so wie viele junge (und ältere) Leute heute. Franzi will ehrlich leben, gerecht, im Einklang mit der Umwelt. Der Familiengottesdienst eignet sich nicht nur zum Schuljahresende.

Da kommen noch zwei Eltern. Sie haben sich verspätet. Hier am Rand ist noch Platz. Sie unterhalten sich über die Zeugnisse, die es bald gibt. Lauter Einsen.  (Sehr stolz:)
Mutter: Franzi hat nur ausgezeichnete Zeugnisse.
Vater: Wir erwarten nichts anderes von Franzi.
Mutter: Die Welt steht Franzi offen.
Vater: Wir können Franzi alles bezahlen.
Mutter: Was wird Franzi einmal werden?
Vater: Nach dem Studium muß Franzi die Firma übernehmen. Weiterlesen

Pfingsten: Guter Geist statt Populismus

Am 2. November 1989 versammeln sich 4000 Menschen in und vor der Jacobikirche. Sie reden. Am Dienstag darauf ziehen sie aus der Kirche mit Kerzen durch die Stadt. Da sind es 20.000. Keine Gewalt! 30 Jahre ist das jetzt her. Auch heute kommen Menschen friedlich zusammen. Sie demonstrieren, sie reden, sie feiern. Bei Klimaschutzdemonstrationen. Beim Christopher Street Day. Beim Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Februar vor der Marienkirche. Bei Gottesdiensten zu Kirchentagen wie in Dortmund. Weiterlesen

Die Olivenbäume weinen

Kurz vor dem Passafest. Die Leute strömten nur so nach Jerusalem. Passawochenende in der Hauptstadt! Viele reisten auch schon ein paar Tage eher an und genossen die Hauptstadtatmosphäre und das Getümmel. Was gab es im Trubel nicht alles zu sehen! Einer ritt auf einem Esel über einen Teppich aus Mänteln. Das war ein Spaß! Sie rissen gleich ein paar Zweige von den Bäumen und schwenkten sie vor Begeisterung. Weiterlesen

Pilatus weißgewaschen

Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) Pilatus stellt diese Frage mitten in einem Verhör. Das ist eine perfide Taktik. Der Ermittler „plaudert“ mit dem Angeklagten. Das kennen wir. Aus politischen Prozessen. Gehirnwäsche heißt es in China. Und um einen politischen Prozeß geht es hier ja. Wer ist König im Land? Bist du etwa ein König? Wo ist dein Reich? Wer hat die Macht? Da läuten bei jedem Geheimdienst die Alarmglocken. Für so eine Vernehmung nimmt sich die Staatsmacht alle Zeit der Welt. Weiterlesen

Steine zu Brot

Jesus fastet in der Wüste und wird danach versucht. „Sprich, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ (Matthäus 4,3)  Der Hunger macht ihn wehrlos. Wenn Menschen halbverhungert sind, sind sie zu fast allem bereit. Bei Jesus waren es 40 Tage. Da schreit jede Faser nach Brot. Wenn die Armut und das Elend in den Ecken hocken, folgen die Menschen jedem, der ihnen verspricht, sie da herauszuholen. Hunger  und Not sind große Künstler, die Sinne zu vernebeln. Glücksritter und Volksverführer finden willige Gefolgschaft. So stimmen die Abgehängten für Parteien, die Wohlstand und Aufschwung versprechen. An den Rand Gedrängte bejubeln Wortführer, die gegen Minderheiten hetzen. So übermächtig ist ihre Hoffnung, dass sie sogar alle verjagen, die sie zur Vernunft mahnen. Dass der Reichtum keineswegs den Armen winkt, sondern im Gegenteil auf ihre Kosten erkauft wird, wollen sie nicht hören. Sie können es nicht hören. Hunger kann den Verstand vernebeln. Weiterlesen