Palmsonntag – Umzüge und Pogrome

Auf in die Hauptstadt! So hieß es nicht nur am Palmsonntag bei Jesus. Auf in die Hauptstadt, so hieß es am Epiphaniastag 2021 in Washington. Auf ins Zentrum der Macht! Doch die 800 Leute, die zum Kapitol zogen, folgten nicht friedlich einem jüdischen Messias. Sie trugen  Hörner, schwenkten Fahnen, kletterten durch Fenster, wälzten sich durch die Flure, brachen in Büros ein, lümmelten mit den Füßen auf dem Schreibtisch und schickten ihre Selfies in die Welt: Wir sind da. Dieses Haus gehört uns. Wir haben die Macht. Die Bilanz: 5 Tote, 56 verletzte Polizist*innen, eine zutiefst verstörte Gesellschaft und die bange Frage: wann kommen sie wieder.

Wie anders war der Einzug von Jesus in Jerusalem. Weiterlesen

Freude in Corona-Zeiten

Der Sonntag Lätare heißt „Freut euch!“ Genau in der Mitte der Fastenzeit fordert dieser  Sonntag dazu auf. Sich freuen? Es sind doch so viele Leute genervt von Corona! Oder haben sich gestritten. Oder fühlen sich einsam.  Doch ich finde: gerade jetzt brauchen wir die kleinen Freuden besonders. Weiterlesen

Worte wie Samenkörner

Worte sind wie Samenkörner. Sie gehen auf und wirken weiter. Aus Worten werden Taten, im Guten wie im Bösen.
Was im Internet gehetzt wird, hinterläßt Spuren. Die Saat des Hasses geht auf. Wir haben das nicht nur beim Sturm auf das Kapitol in Washington gesehen. Gruppen, die keine Lobby haben, erleben das jeden Tag am eigenen Leib, wenn auf ihre Kosten Witze gerissen werden, auf ihnen herumgetrampelt wird, auf sie eingeprügelt wird. Obdachlose können davon erzählen, Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Im Jahr 2020 wurden 350 Transsexuelle ermordet. Weiterlesen

Ernst Orphal – Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Pfarrhaus

Im Pfarrhaus der Jacobikirche hat 1932 bis 1943 Pfarrer Ernst Orphal gewohnt.  Eine Gedenktafel weist auf ihn hin. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sich auch in der Kirche viele an die nationalsozialistische Ideologie angepaßt. Die Deutschen Christen wollten christlichen Glauben vom jüdischen Erbe abtrennen. Das Amen in der Kirche sollte nicht mehr gesprochen werden, es war jüdisch. Konfirmanden sollten in HJ-Uniform zum Konfirmandenunterricht erscheinen. SA-Abteilungen marschierten geschlossen mit Fahnen in den Gottesdienst. Pfarrer stellten sich in SA-Uniform vor den Altar. Ernst Orphal gehörte nicht dazu. Er schloß sich 1935 der Bekennenden Kirche an. Hier lebte und arbeitete er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Im Pfarrhaus traf sich ab 1935 eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die ebenfalls der Bekennenden Kirche („BK“) angehörten. Das ging nicht ohne Konflikte ab.

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Der Schwarze König – Krippe ohne Rassismus

Die drei Könige fehlen in diesem Jahr an der Weihnachtskrippe im Ulmer Münster. Der Schwarze König ist voller Klischees: ohne Schuhe, krumme Beine, unförmige Gestalt, eine groteske Körperhaltung. Er könnte aus den Völkerschauen stammen, die zu Ende des 19. Jahrhunderts veranstalten wurden und in denen Menschen aus Afrika und anderswo wie im Zoo ausgestellt wurden, als wilde, exotische und ungebildete Menschen. Weiterlesen

Heiligabend: Geburt unter Corona

Krippe Erzgebirge

Dramatische Szenen vor der Geburt. Eine hochschwangere Frau sucht einen Platz zum Entbinden. Kein Haus nimmt sie auf. Alles voll. Sie muss ihr Kind allein bekommen, irgendwo, ohne medizinische Hilfe. So wie Maria und Josef haben es weltweit Menschen in diesem Jahr erlebt. Überfüllte Krankenhäuser. Sterbende, die sich nicht von ihren Angehörigen verabschieden konnten. Weiterlesen

Nicht nur Elisabeth und Zacharias: Elternschaft mit Hindernissen

Kinder haben macht sich für’s Image gut. Bei Vorstellungsrunden heißt es oft: Ich bin verheiratet, habe  … Kinder und … Enkel, auch wenn das für die Qualifikation oder Aufgabe keinerlei Rolle spielt.. Leute punkten mit der Anzahl ihrer Kinder, selbst wenn das Verhältnis seit Jahren zerrüttet ist. Alleinerziehende müssen sich viel genauer überlegen, was sie sagen, wenn sie an der Reihe sind. Wer keine Kinder hat, bleibt stumm, so wie Zacharias, der erst bei der Beschneidung seines Sohnes seine Sprache wieder fand.
Keine Kinder haben oder nicht auf dem üblichen Weg Kinder bekommen, das ist kein Thema für die Öffentlichkeit. Weiterlesen

Barbara: Quarantäne im Turm

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Barbaras Vater war ein reicher Mann. Als er verreisen wollte, ließ er einen dicken Turm bauen. Er sollte Barbara vor jeder Gefahr schützen. Der Turm wurde prächtig ausgestattet und mit Vorräten versehen für eine lange, lange Zeit. Barbara sollte es an nichts fehlen. Am Ende führte der Vater Barbara mit einer Dienerin hinein. Dann ließ er den Turm zumauern und zog außer Landes. Es hätte eine gute Zeit werden können. Aber Barbara wurde immer einsamer und fühlte sich eingesperrt. Weiterlesen

Umkehr zum Frieden

Umkehr zum Frieden, lautet das Motto der Friedensdekade. Umkehr zum Frieden ist die Aufgabe, wenn ein Krieg zu Ende ist. Bei Kriegsende ist ja noch lange nicht Frieden. Die Straßen stehen voller Ruinen, und auch die Menschen sind beschädigt und verstört und verbogen. So haben es die Älteren nach dem 2. Weltkrieg erlebt, so sehe ich es in vielen Ländern, die einen Bürgerkrieg hinter sich haben oder ein verbrecherische Regierung abgeschüttelt haben.
Wenn die Waffen endlich schweigen, wird wieder aufgebaut. Häuser und Geschäfte, Straßen und Brücken. Das lässt sich reparieren. Aber der Krieg hat sich auch in die Seelen eingegraben. Weiterlesen