Konfirmation: Von Angst und Mut

Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, dein Gott bin bei dir, wohin du auch gehst“. (Josua 1,9) Diesen Vers aus dem Josuabuch hast du zusammen mit deinem Vater ausgesucht. Es geht um Angst und es geht um Mut. Jungs sollen mutig sein und keine Angst haben. Richtige Männer sind stark und zeigen keine Furcht. Diese Bilder von Männern geistern immer noch in den Köpfen herum und machen Jungs das Leben schwer. Denn die Ängste gehen davon nicht weg. Solche Sprüche beschädigen eher das Selbstvertrauen und den Mut. Es gibt so vieles, wovor Kinder und Erwachsene Angst haben. Etwa bei der Leistungskontrolle zu versagen. Vor anderen bloßgestellt werden. Etwas nicht schaffen. Einen Menschen verlieren.

Ich glaube, eine der größten Ängste ist es, dass wir nicht gemocht werden, wenn wir anders sind als die Menschen in unserem Umfeld. Doch genau das sind wir – und das ist ganz wichtig. Sonst wären wir alle eine gleichförmige und langweilige Masse. Aber viele gehen davon aus, dass sie abgelehnt werden, wenn sie etwas anderes denken, als es z.B. in der Klasse üblich ist. Oder dass andere über ihre Meinung lachen. Viele verkriechen sich dann in sich selbst. Sie zeigen nicht, was sie wirklich denken. Dabei wäre es bereichernd für alle, was für unterschiedliche und vielfältige Einschätzungen es gibt.

Aus Angst greifen auch viele nicht ein, wenn jemand zum Opfer wird. Da wird jemand beleidigt, gehänselt, der Ranzen ausgekippt, zusammengeschlagen. In der Bahn, auf der Straße, auf dem Schulhof. Die Leute drumherum bekommen es mit. Die meisten finden es auch nicht in Ordnung. Aber sie trauen sich nicht zu sagen: Hört auf. Zu groß ist die Angst, nicht mehr zu der Gruppe dazuzugehören. Doch wenn nur ein einziger, eine einzige den Mut aufbringt zu protestieren, schließen sich meistens andere an, und die Gewalt kann enden.

Gesicht zeigen braucht am Anfang ein wenig Mut. Aber es tut auch gut, wenn ich es geschafft habe. Hinterher habe ich das Gefühl: es war wichtig, dass ich meine Meinung geäußert habe. So ist sie nicht unter den Tisch gefallen. Ich habe dazu beigetragen, dass sich etwas ändert. Ich erlebe, dass andere mir zustimmen, mich unterstützen und erklären, dass sie ähnlich denken. Das baut auf. Es tut uns gut, wenn wir uns nicht verleugnen müssen, sondern zu uns selbst stehen können. Und auch unsere Umgebung profitiert davon.

Wir werden immer wieder Ängste haben, unser Leben lang. Selbst Jesus hatte Angst und hat sich allein gefühlt. Aber wir brauchen nicht zu kapitulieren. Wir können üben, wie wir mit ihnen umgehen. Wir können daran wachsen. Gott hilft uns dabei. Gott steht zu uns und fängt uns auf. Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, dein Gott bin bei dir, wohin du auch gehst.

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