Himmel auf Erden

Heute ist Himmelfahrt. Wenn wir heute auf einem Berg sitzen oder im Freien Gottesdienst feiern, dann ist das schon ein Stück Himmel. Himmel auf Erden. Wir können frei atmen, hören die Vögel und das Rauschen der Blätter. Wir sehen, hören, fühlen die Schönheit der Natur um uns herum. Wenn wir sie mit allen Sinnen aufsaugen, dann staunen wir. Manchmal ahnen wir ein wenig davon, wie diese Erde, wie diese Welt gemeint ist: als Himmel auf Erden. Dann wissen wir wieder, dass die Welt aus einem Traum geboren ist, aus einem kostbaren, wundervollen Traum Gottes und der Menschen, aus einem Traum, der wirklich werden soll. Als Himmel hat Gott sich diese Erde ausgedacht. Das ist das Ziel unserer Welt. Die Kinder singen:
Weißt du, wo der Himmel ist,
außen oder innen,
eine Handbreit rechts und links –
du bist mitten drinnen!           ( Wilhelm Willms)

Aber wir wissen, da sind auch die Abgründe, die Gewalt und der Schmerz. Der Krieg in der Ukraine. Krankheit. Neid. Böswilligkeit. Unsere Welt, unser Leben kann die blanke Hölle sein und wir haben es in der Hand, sie dazu zu machen. Doch manchmal spüren wir auch etwas vom Himmel auf Erden. Himmel auf Erden – die Bibel erzählt, daß das möglich ist. Einer hat dieses Ziel erreicht. Jesus ist für uns gen Himmel gefahren. Vorher ist er mitten in das Grauen des Todes gegangen. Jesus hat sich mit dem Bösartigen angelegt, damit unter uns nicht mehr die Hölle auf Erden regiert. Und ist gen Himmel gefahren, um uns zu zeigen, wohin es geht.

Damals war Himmelfahrt zugleich auch ein Stück Schmerz. Schmerz darüber, dass er nun nicht mehr so da ist, dieser Jesus, wie zuvor. Er ist nicht zu sehen, nicht zu hören. Die Freundinnen und Freunde damals, sie konnten Jesus nicht mehr unter sich haben wie vorher. Er wanderte nicht mehr mit ihnen, feierte nicht mehr mit ihnen, sie konnten nicht mehr mit ihm reden. Sie hatten ihn nicht mehr in ihrer Mitte. Sie waren allein. Sie mussten ohne ihn auskommen. Der, den sie kannten, hatte sich ihnen entzogen. Das war schon schmerzlich, wenn einer, der immer für sie da war, sie nun plötzlich allein lässt. Dieser Jesus war nun nicht mehr für sie allein da, sondern begibt sich in den Himmel zur Rechten Gottes, um für alle Menschen da zu sein. Sie konnten Jesus nicht für sich behalten, so wie wir Jesus nicht für uns allein beanspruchen können. Die Freundinnen und Freunde mussten ihr Bild von Jesus aufgeben und verändern.

Himmelfahrt – das heißt auch bei uns Horizonterweiterung. Jesus lässt sich nicht in der Enge einsperren, weder bei den Evangelischen noch bei den Katholischen oder bei den Muslimas und Muslimen. Jesus entzieht sich den Vorstellungen von ihm immer wieder, wandert in andere Kulturen und Subkulturen, Kontinente, Denkweisen, Frömmigkeitsstile. Die Bilder von ihm bleiben nicht für alle Zeiten gleich, sondern wandeln sich. So, wie sich der Himmel über alle spannt, will Jesus überall ein Stück Himmel auf Erden sein, allen nah, allen gleich nah, und für alle auch immer wieder anders. Himmelfahrt für alle.

Aber wie soll das gehen? Wie soll das passieren? Die Freundinnen und Freunde von Jesus waren wohl ein wenig überrollt von dem Geschehen. Da mussten erst zwei Männer kommen und sie zurückholen in die Wirklichkeit: „Ihr Leute von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“ (Apg. 9,11) Ja was steht ihr da und richtet eure Blicke, eure Energien auf die Ferne, ins Unendliche? Was verliert ihr euch in Spekulationen? Jetzt ist es vielmehr Zeit, dieses Stück Himmel auf die Erde hinunterzuholen. So viele Menschen sehnen sich danach, dass ein wenig Himmel in ihre Welt herabfällt und ihnen Mut macht. Es wird Frieden. Brot wächst für alle. Ihr findet Wege aus der Gewalt. Ihr Leute von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel! Die Erde wartet auf euch. Tragt Himmel in die Welt, pflanzt ihn ein, lasst ihn wachsen! Macht euch dahin auf, wo ihr gebraucht werdet, und nehmt den Himmel mit.

Predigt zu Himmelfahrt über Apostelgeschichte 1,9-11
Weitere Predigten zwischen Himmelfahrt, Pfingsten und Trinitatis
Zu den Predigten im Jahreslauf

 

Apg 1, 9-11 Nachdem Jesus mit ihnen gesprochen hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

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