Himmel auf Erden

Heute ist Himmelfahrt. Wenn wir heute auf einem Berg sitzen oder im Freien Gottesdienst feiern, dann ist das schon ein Stück Himmel. Himmel auf Erden. Wir können frei atmen, hören die Vögel und das Rauschen der Blätter. Wir sehen, hören, fühlen die Schönheit der Natur um uns herum. Wenn wir sie mit allen Sinnen aufsaugen, dann staunen wir. Manchmal ahnen wir ein wenig davon, wie diese Erde, wie diese Welt gemeint ist: als Himmel auf Erden. Dann wissen wir wieder, dass die Welt aus einem Traum geboren ist, aus einem kostbaren, wundervollen Traum Gottes und der Menschen, aus einem Traum, der wirklich werden soll. Als Himmel hat Gott sich diese Erde ausgedacht. Das ist das Ziel unserer Welt. Weiterlesen

Reminiszere: Bleib bei mir

Bleib noch bei mir. Eltern kennen das flehentliche Bitten ihrer Kinder beim Zubettgehen. Abends lauern die Monster unter dem Bett. Wenn es dunkel wird, kriechen sie hervor und bedrohen die Kinder. Große Hunde, Spinnen und Gespenster können sie zu Tode ängsten und ihre Seelen erschrecken. Bleib bei mir, betteln die Kinder. Für sie sind die Monster real. Wenn eine Menschenseele in der Nähe ist, wenn wenigsten die Tür einen Spalt offen bleibt, erscheint die Gefahr weniger bedrohlich. Bleib bei mir. Das hilft.
Dass sie einsam und verlassen sind, damit haben nicht nur die Kleinen zu kämpfen. Auch Erwachsene fühlen sich oftmals ausgeliefert. Oder Kinder und Jugendliche, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Sie erleben, dass ihnen niemand glaubt. Niemand ist da, dem oder der sie sich anvertrauen können, der*die sie stärkt und ihnen Mut macht. Alle schauen weg. Sie stehen buchstäblich mutterseelenallein da. Weiterlesen

Berufung

Jesus beruft Matthäus. * Wie können Menschen heute ihre Berufung entdecken? Wie können sie den richtigen Weg für sich selbst finden? Wir bekommen das nicht beigebracht. Die meisten lernen im Gegenteil von klein auf, dass sie sich an anderen orientieren sollen. Schon im Kindergarten wird den Kindern gesagt: hör auf die Erzieherin, die Tante, die Erwachsenen. In der Schule sollen sie lernen, sich an den Lehrer:innen zu orientieren oder an Kindern, die „besser“ sind. Jugendliche sollen sich Vorbilder suchen. Immer andere. Sie sollen lernen, so zu werden und es so zu machen wie andere. Ihnen wird versprochen: Wenn du dich wirklich anstrengst, schaffst du es auch. Du musst nur richtig wollen. Bei den anderen klappt es ja auch. Also reiß dich zusammen. Sei konsequent. Dann wirst du Erfolg haben.
Doch sind sie das wirklich? Wer bringt ihnen bei, sie selbst zu sein? Wer lehrt sie darauf zu hören, was in ihnen steckt? Weiterlesen

Hochzeit in Kana: Nicht verschoben

In Kana wurde die Hochzeit nicht verschoben wie viele Familienfeste bei uns in den letzten beiden Jahren. In Kana wurde gefeiert, richtig groß, tagelang und mit allem Drum und Dran. Die halbe Gegend war zu Gast und der Wein floss in Strömen. Wie groß die Hochzeit war, lässt sich aus den sechs riesigen steinernen Wasserkrügen erahnen, die in der Geschichte erwähnt werden. Das Wasser wird zur rituellen Handwaschung vor dem Essen benötigt. Jeder Gast braucht dafür einen Becher voll Wasser. Die Krüge fassen jeweils mehrere Eimer, und die sechs Wasserkrüge waren alle ausgeschöpft – es müssen also eine Menge Gäste dagewesen sein. So eine große Hochzeit in einem so kleinen Dorf – das erstaunt mich. Ich wundere mich und beginne zu fragen.

Wer hat diese Hochzeit überhaupt ausgerichtet? Weiterlesen

Reformationstag: Rabbi Jesus

Ich habe ein Bild mitgebracht. Es zeigt einen jüdischen Rabbi oder Rabbiner, also einen jüdischen Gelehrte, Lehrer, Theologen, Ausleger der Schrift. Er trägt seinen Gebetsmantel, den Tallit, an dessen vier Enden sich die Zizit, Schaufäden oder Quasten, befinden. Den legt er morgens an, wenn er betet, und er trägt ihn, wenn er in der Synagoge aus der Tora vorliest und sie auslegt.
Einen Abschnitt aus der Tora haben wir eben gehört, und gerade dieser Abschnitt hat für den jüdischen Glauben eine besondere Bedeutung. Weiterlesen