Friedensklima – Friedensdekade 2019

Friedensklima – Friedensdekade 2019 und Einführung des Gemeindekirchenrates
Wie ist das Klima in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, in unserem Land, in unserer Familie? In diesem Jahr wurde viel über das Klima geredet. Der Sommer war wieder zu trocken. Am 30. Oktober hat Leipzig – als 64. deutsche Stadt – den Klimanotstand ausgerufen. Auf der ganzen Welt gehen Schüler*innen für das Klima auf die Straße. Nicht alle finden das sinnvoll, aber einige betrachten das als Freibrief, beleidigende Kommentare zu verfassen und das Internet mit hasserfüllten, frauenverachtenden Posts zu fluten. Weiterlesen

Pilatus weißgewaschen

Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) Pilatus stellt diese Frage mitten in einem Verhör. Das ist eine perfide Taktik. Der Ermittler „plaudert“ mit dem Angeklagten. Das kennen wir. Aus politischen Prozessen. Gehirnwäsche heißt es in China. Und um einen politischen Prozeß geht es hier ja. Wer ist König im Land? Bist du etwa ein König? Wo ist dein Reich? Wer hat die Macht? Da läuten bei jedem Geheimdienst die Alarmglocken. Für so eine Vernehmung nimmt sich die Staatsmacht alle Zeit der Welt. Weiterlesen

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Rezka wollte immer nur eins: malen. Aber als Kind in einer Bauernfamilie blieb dafür nicht viel Zeit. Sie waren sieben Geschwister. Rezka sah zu, daß sie einen guten Schulabschluß schaffte. Sie wurde Physiotherapeutin, heiratete, bekam zwei Söhne. Und dann wurde sie krank. Ihre Augen wurden immer schwächer. Sie konnte nicht mehr allein Fahrrad fahren. Sie sah die Buchstaben in der Zeitung nicht mehr. Mit 46 war sie arbeitsunfähig. Ihr Leben war aus den Fugen geraten. Da kam ein heftiger Sturmwind auf, und die Wellen schlugen ins Boot, so dass es voll Wasser lief (Markus 4,37).

Oder Friedrich. Weiterlesen

17. Juni 1953 und die Normerhöhungen in Ägypten

Ein 9-jähriger Junge schreibt auf, was er am 17. Juni 1953 in Sangerhausen erlebt hat.* Der Junge heißt Einar Schleef. Er wird malen, fotografieren, Stücke schreiben, inszenieren, anecken, die DDR verlassen und doch zeitlebens an Sangerhausen kleben. Mit dem 17. Juni 1953 beginnt er, Tagebuch zu schreiben. Der 17. Juni gräbt sich tief in den 9-jährigen ein und wird zum Schlüsselerlebnis, das er mehrfach wiederholt und noch Jahrzehnte später ergänzt, umarbeitet, nebeneinanderstellt.
Wer später im Osten „1953“ sagte, dachte vieles mit, was in den Monaten und Wochen drumherum passierte. Weiterlesen

Goldene Konfirmation 2017: Keine 68er

Unter den Talaren ein Muff von tausend Jahren. Vor einem halben Jahrhundert schickten sich junge Leute an, unser Land gründlich durchzuwirbeln. Sie hatten genug davon, wie zuhause, an den Universitäten und in den Ministerien geschwiegen wurde über die Zeit vor 1945. Sie wehrten sich gegen autoritäre Erziehung und hatten genug von Kriegen in Vietnam und anderswo. Sie mahnten  Solidarität  mit den Ländern des Südens an. Sie flochten sich Blumen ins Haar, hörten Beatles. Weiterlesen

Wasser hat keine Balken

Bis zu ihrem Lebensende soll meine Urgroßmutter, Tante Marta aus Kontopp, sich beharrlich geweigert haben, ein Boot zu betreten. Wasser hat keine Balken, sagte sie. Das nasse Element war ihr zu unsicher, wo sie nicht auf ihre eigenen Füße und Körperkräfte vertrauen und sich notfalls retten konnte. Sie soll auch eine sehr praktische Frau gewesen sein. Vielleicht – es war um 1930 – steckte ihr auch noch der Untergang der Titanic im Hintergrund und der Schreck, dass auch modernste und teuerste Technik den Naturgewalten nicht gewachsen sein kann. Außerdem war man im bodenständigen, bäuerlichen Schlesien. Weiterlesen

Mutig Fehler machen

Wie viele Fehler haben Sie dieses Jahr gemacht? Ich meine nicht die ganz tragischen, das Haus abfackeln oder so, Ich meine eher die alltäglichen Fehler, die großen und kleinen, die im Laufe der Zeit zusammenkommen. Welche, wieviele mögen es in diesem Jahr wohl gewesen sein?
Ich trage einen Termin falsch im Kalender ein. Ich übe neunundneunzigmal und verspiele mich beim hundertsten Mal doch. Weiterlesen

Grenzerfahrungen

Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen, und nur durch Gitter sehen wir uns an.  So haben wir eben gesungen. Grenzen sind von Menschen gemacht. Menschen können sie überwinden. „Grenzerfahrung“ lautet das Motto der Friedensdekade 2015. Dabei haben die, die das Thema ausgesucht haben, natürlich an die Flüchtlinge gedacht und an ihre Erfahrungen an den Grenzen, die oft lebensgefährlich sind. Weiterlesen

Nein sagen

„Ich hatte mich freiwillig an die Front gemeldet“, erzählte mir vor Jahren ein alter Mann. „Aber dann sollte ich bei einem Erschießungskommando mitmachen. Da habe ich nein gesagt. Mein Offizier wurde wütend und drohte mir Konsequenzen an. Doch ich blieb bei meinem Nein. Natürlich hatte ich Angst. Aber mir ist nichts passiert.“
Dieser Mann ist ausgestiegen aus seiner Mitläuferrolle. Es war also sogar unter den Nazis möglich, sich zu verweigern. Weiterlesen