Konfirmation 1989 – 2019: Gertrude grenzenlos

Gertrudes Engel brauchte immer Luft, viel Luft. Hinter dicken Mauern fühlte er sich eingesperrt, und eingesperrt sein, das mochte er nicht. Das machte ihn krank. Natürlich unterstützte er die Engelchöre und die himmlischen Heerscharen beim Singen. Das war Ehrensache. Weiterlesen

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Ein feste Burg?

Eine Feldpostkarte aus dem 1. Weltkrieg. Ein toter Soldat ist aufgebahrt. Seine Hände sind gefaltet. Drei Kameraden betrauern ihn. Im Hintergrund überbringt jemand die Todesnachricht. Darunter sind die Zeilen gedruckt: „Der alt‘ böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint, Groß‘ Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, Auf Erd‘ ist nicht sein’sgleichen.“ Weiterlesen

1917: Glocken für den Krieg

Wenn abends um sechs die Glocken läuteten, mussten wir heimkommen, erzählte mir eine alte Frau. Und wenn es nachmittags läutete, wussten wir: auf dem Friedhof wird jemand beerdigt. Glocken begleiten das Leben vieler Menschen. Wenn sie zur Taufe und zur Konfirmation, zur Hochzeit und am Grab läuten, teilen sie die schönen und die schweren Stunden einer einzelnen Familie dem ganzen Dorf oder der ganzen Stadt mit. Und umgekehrt nehmen sie die einzelnen in das hinein, was die Allgemeinheit betrifft, Frieden und Krieg, Feuer, Gefahr und Befreiung. Weiterlesen

Grenzerfahrungen

Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen, und nur durch Gitter sehen wir uns an.  So haben wir eben gesungen. Grenzen sind von Menschen gemacht. Menschen können sie überwinden. „Grenzerfahrung“ lautet das Motto der Friedensdekade 2015. Dabei haben die, die das Thema ausgesucht haben, natürlich an die Flüchtlinge gedacht und an ihre Erfahrungen an den Grenzen, die oft lebensgefährlich sind. Weiterlesen

Schwerter zu Pflugscharen

Der Genosse Parteisekretär rieb sich die Augen, als er eines Morgens auf den Markt kam. „Schwerter zu Pflugscharen“ hatte jemand an eine Wand geschrieben. In Sangerhausen!! Unverzüglich wurde der Markt abgesperrt, eine Malerbrigade zum Überpinseln bestellt und die Stasi eingeschaltet. Für die „staatlichen Organe“ war es höchst ärgerlich, dass solche Losungen bis in die Provinz drangen. Weiterlesen

Denk mal

Was ist eigentlich mit der Gefallenen-Gedenktafel in der Jacobi-Kirche, fragten Leute mich vor einiger Zeit.
Ich druckste herum. Natürlich, die drei Soldatenbilder für die Gefallenen des 1. Weltkriegs, in den 20er Jahren gemalt. Von einem Pfeiler blickten sie auf die Gemeinde herab, Sonntag für Sonntag, bis zum Kirchenbrand 1971. Sie erinnerten an die verlorenen Väter, Brüder und Söhne und hielten zugleich die Erinnerung an Schmach und Niederlage wach. „Ich hatt’ einen Kameraden“, das klang lange in den Ohren.
Ob sie die Leute auch zum Frieden gemahnt haben? Ich fürchte, solche Tafeln hatten damals eine andere Funktion. Der nächste Krieg kam bald und mit ihm neue Kämpfer für Volk und Vaterland, neue Tote, neue Bitterkeit. Weiterlesen

Abigail: Frieden geht durch den Magen

Abigail erschrak zu Tode, als die Leute ihr erzählten, wie ihr Mann Nabal sich wieder einmal aufgeführt hatte. Nabal mit seinem Dickkopf war unberechenbar. Oft schon hatte Abigail hinter den Kulissen ausbügeln müssen, wenn er die Leute vor den Kopf gestoßen hatte. Aber diesmal hatte er das ganze Dorf in Gefahr gebracht. Als Davids Schutztruppen den jährlichen Tribut abholen wollten, hatte Nabal einfach nicht gezahlt. Aus purem Geiz und weil er der Herr im Haus war. Das war gefährlich. Weiterlesen