Der Esel erzählt

Könnt ihr mich alle sehen? Ihr wundert euch sicher, warum ich heute hierher ans Pult gekommen bin und zu euch spreche.
Obwohl ihr mich für dumm haltet und gar nicht mögt – oder? Alter Esel, sagt ihr zu mir. Und wenn die Kinder eine Seite im Buch umknicken, nennt ihr das Eselsecken . Oder ihr droht ihnen an, die Ohren langzuziehen, die Eselsohren natürlich. Dabei sind meine Ohren so wundervoll lang und weich und samtig.
Vielleicht habt ihr dabei an den König Midas gedacht, der so geldgierig war, dass er wünschte, alles möge zu Gold werden, was seine Hand berührt. Als ob viele von euch Menschen das nicht auch wünschen würden, alles, was ihr beginnt und schafft, möge sich unter euren Händen in Gold und bare Münze verwandeln. Aber ich hab es in meinem armseligen Eselseleben gemerkt, so geht es nicht zu im Leben, und auch König Midas hat gemerkt, dass man Besitz und Gold nicht essen kann. Ein Denkzettel tat ihm ganz gut – aber mußten es ausgerechnet meine schönen Eselsohren sein, die ihm wuchsen? Wenigstens verstecken hätte er sie nicht müssen. Weiterlesen

Janusz Korczak begleitet die Kinder ins KZ – Predigt zum Totensonntag

Theateraufführung in einem Kinderheim: Eine Gruppe spielt den anderen vor, was sie vorbereitet hat: Auf einem Lager ist ein Kind gebettet. Es ist matt und krank, todkrank. Leise beginnt eine Flöte zu spielen. Zwei Gestalten in langen, wehenden Gewändern treten zum Lager. Sie nehmen das Kind sanft in ihre Arme, wiegen es darin, bis der Kopf des Kindes zur Seite gefallen ist und die Flöte schließlich verklingt.
Der Heimleiter antwortet leise auf die fragenden Blicke zweier Erwachsener: „Wir müssen die Kinder vorbereiten auf das, was kommt, auch auf den Tod. Er soll ihnen vertraut werden, wie ein Freund.“ Weiterlesen