Heute schon geerbt?

Das Los ist mir auf ein liebliches Erbteil gefallen (Psalm 16,6). Fünf Frauen haben erkämpft, dass auch Frauen erben dürfen. Jedenfalls im Alten Israel. Und nur, wenn es keinen Sohn gibt.
Aber auch heute ist es nicht überall selbstverständlich, dass Frauen erben dürfen. Manchmal werden sie einfach weggeschickt. Oder sie werden weiterverheiratet, an den nächsten Sohn. Die Familie hat schließlich einen Brautpreis für sie bezahlt. Weiterlesen

Thomas-Mann-Jahr: Josef und seine Brüder

Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? So beginnt Thomas Mann die Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Sie führt uns zurück in die Zeiten des Anfangs, des Wanderns, des Unterwegsseins. Sie führt uns zurück zu den Ursprüngen des jüdischen Glaubens, die auch unsere Wurzeln sind.
Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Wenn wir uns über seinen Rand beugen und unseren Blick für die Tiefe schärfen, erblicken wir auf seinem Grund gleichzeitig uns selbst. Weiterlesen

Aufbruch der Alten: Abraham und Sara

„Gehe aus deinem Haus und deiner Verwandtschaft in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Jugendliche spricht diese Geschichte immer wieder an. Das Lied „Geh, Abraham geh“ war jahrzehntelang ein Hit in der Jugendarbeit. Leute ziehen in die Ferne, weg von zuhause. So etwas wird eher Jugendlichen zugeschrieben, dass sie die Welt erobern, dass sie Ideale im Kopf haben und leben, Alternativen suchen. Abraham und Sara – etwas für junge Leute?
Wenig später erzählt die Bibel, wie alt Abraham und Sara gewesen sein sollen, als diese Story begann: 75 und 65 Jahre! Hey! Stellen Sie sich das heute vor, bei Leuten aus Ihrer Umgebung. Bei einem älteren Herrn über 70, bei einer Dame Mitte 60. Die werden plötzlich mobil, brechen alle Brücken hinter sich ab, fangen etwas Ungewöhnliches an. Weiterlesen

Kinder gehen weg

Manchmal geht ein Kind einfach weg. Aus Neugier. Weil da etwas ist, was es fasziniert und anzieht, etwas, von dem es merkt: dem muß ich jetzt nachgehen. Manchmal kommen Kinder auf diese Weise Geheimnissen auf die Spur, erstaunlichen oder auch schrecklichen. Meistens kommen sie mit tausend Fragen von ihren Ausflügen zurück, erfüllt oder verwirrt. Was sie erlebt haben, verändert sie ein klein wenig und läßt sie wachsen. Weiterlesen

Mohnblumen

Haben Sie schon einmal die Geburt einer Blume erlebt? Es war kurz vor meinem sechsten Geburtstag, an den Straßenrändern blühte der Mohn. Morgen früh wirst du etwas ganz Besonderes sehen, kündigte meine Mutter an. Kurz nach vier holte sie mich aus dem Bett, packte mich in einen Bademantel und setzte mich an den Küchentisch. Sie holte eine Vase. Ein paar Stengel mit dicken grünen Knospen waren darin. Mohnblumen, die noch nicht aufgegangen waren. Nur ein bißchen rot lugte es schon hervor zwischen den grünen stachligen Blättern, die die Blüte umschlossen. Weiterlesen

Pride: Liebe braucht Mut

Im EU- Mitgliedsland Ungarn sind seit 2025 CSD-Demonstrationen verboten. Wer trotzdem hingeht, muß mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Auch in Deutschland werden in kleineren Städten Pride-Paraden oder Straßenfesten zum Christopher-Street-Day mitunter Steine in den Weg gelegt, zuletzt z.B. in Schönebeck und Köthen (Sachsen-Anhalt). Rechte mobilisieren gezielt zu Gegendemonstrationen. Auf dem Heimweg vom CSD werden queere Personen bedroht und zusammengeschlagen. Liebe braucht Mut. Weiterlesen

Ostern 2025 und das Kriegsende 1945

Als sich zwei Männer am 12. April 1945 von Sangerhausen in Richtung Wallhausen aufmachten, wussten sie nicht, was sie erwartet: Tod oder Leben. Hinter ihnen, in Sangerhausen, faselten Unbeirrbare immer noch vom „Endsieg“. Vor ihnen, von Westen her, rückte die amerikanische Armee auf Wallhausen zu. Die beiden Männer hießen Johannes Hess von Wichdorff und Richard Wensch, Bürgermeister der eine und Mittelschul-Lehrer der andere. In ihrer Tasche trugen sie ein weißes Tuch.
Eine weiße Fahne. An der Hüttenmühle sollte Sangerhausen kampflos übergeben werden. Würde es gelingen? Weiterlesen

Frauen bleiben

Frauen begleiten Jesus auf seinem letzten Weg. Sie stehen am Wegesrand und lassen ihn nicht allein. Auf dem letzten Weg begleiten, das machen Frauen immer wieder. Sie kümmern sich um Alte, pflegen Behinderte, halten Sterbenden die Hand. Sie waschen die Toten, sorgen für Kinder, die allein zurückbleiben, ordnen Hinterlassenschaften, lösen den Haushalt auf. Sie fühlen sich verantwortlich, auch wenn alle anderen schon weg sind. Weiterlesen

Brotwerdung Gottes

Ich bin das Brot, das vom Himmel herabsteigt. Das Brot steigt vom Himmel herab. Kann Brot herabsteigen? Was für eine urtümliche Vorstellung! Stammt sie aus Zeiten, in denen Bäume und Tiere sprechen konnten, die Quellen Zauberworte murmeln und eine Blume eine Tür zu öffnen vermag?  Die Erde tut ihren Mund auf, das Blut des erschlagenen Bruders ruft zum Himmel um Hilfe und die Wolken regnen Gerechtigkeit herab auf die Menschen.
Das Brot steigt vom Himmel herab. Das Bild von Jesus versetzt uns in andere Zeiten, in eine andere Welt.
Aber die Zeiten damals, sie waren keineswegs wundersam, sondern hart und bitter. Das Brot war kostbar für die, die nichts zu beißen hatten. Die Luft war erfüllt von Schweiß und Tränen, sie hallte wider von den rauen Befehlen der römischen Soldaten, von Peitschenknall und dem Schluchzen der Armen. Weiterlesen