Kinder gehen weg

Manchmal geht ein Kind einfach weg. Aus Neugier. Weil da etwas ist, was es fasziniert und anzieht, etwas, von dem es merkt: dem muß ich jetzt nachgehen. Manchmal kommen Kinder auf diese Weise Geheimnissen auf die Spur, erstaunlichen oder auch schrecklichen. Meistens kommen sie mit tausend Fragen von ihren Ausflügen zurück, erfüllt oder verwirrt. Was sie erlebt haben, verändert sie ein klein wenig und läßt sie wachsen. Weiterlesen

Mohnblumen

Haben Sie schon einmal die Geburt einer Blume erlebt? Es war kurz vor meinem sechsten Geburtstag, an den Straßenrändern blühte der Mohn. Morgen früh wirst du etwas ganz Besonderes sehen, kündigte meine Mutter an. Kurz nach vier holte sie mich aus dem Bett, packte mich in einen Bademantel und setzte mich an den Küchentisch. Sie holte eine Vase. Ein paar Stengel mit dicken grünen Knospen waren darin. Mohnblumen, die noch nicht aufgegangen waren. Nur ein bißchen rot lugte es schon hervor zwischen den grünen stachligen Blättern, die die Blüte umschlossen. Weiterlesen

Pride: Liebe braucht Mut

Im EU- Mitgliedsland Ungarn sind seit 2025 CSD-Demonstrationen verboten. Wer trotzdem hingeht, muß mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Auch in Deutschland werden in kleineren Städten Pride-Paraden oder Straßenfesten zum Christopher-Street-Day mitunter Steine in den Weg gelegt, zuletzt z.B. in Schönebeck und Köthen (Sachsen-Anhalt). Rechte mobilisieren gezielt zu Gegendemonstrationen. Auf dem Heimweg vom CSD werden queere Personen bedroht und zusammengeschlagen. Liebe braucht Mut. Weiterlesen

Ostern 2025 und das Kriegsende 1945

Als sich zwei Männer am 12. April 1945 von Sangerhausen in Richtung Wallhausen aufmachten, wussten sie nicht, was sie erwartet: Tod oder Leben. Hinter ihnen, in Sangerhausen, faselten Unbeirrbare immer noch vom „Endsieg“. Vor ihnen, von Westen her, rückte die amerikanische Armee auf Wallhausen zu. Die beiden Männer hießen Johannes Hess von Wichdorff und Richard Wensch, Bürgermeister der eine und Mittelschul-Lehrer der andere. In ihrer Tasche trugen sie ein weißes Tuch.
Eine weiße Fahne. An der Hüttenmühle sollte Sangerhausen kampflos übergeben werden. Würde es gelingen? Weiterlesen

Frauen bleiben

Frauen begleiten Jesus auf seinem letzten Weg. Sie stehen am Wegesrand und lassen ihn nicht allein. Auf dem letzten Weg begleiten, das machen Frauen immer wieder. Sie kümmern sich um Alte, pflegen Behinderte, halten Sterbenden die Hand. Sie waschen die Toten, sorgen für Kinder, die allein zurückbleiben, ordnen Hinterlassenschaften, lösen den Haushalt auf. Sie fühlen sich verantwortlich, auch wenn alle anderen schon weg sind. Weiterlesen

Brotwerdung Gottes

Ich bin das Brot, das vom Himmel herabsteigt. Das Brot steigt vom Himmel herab. Kann Brot herabsteigen? Was für eine urtümliche Vorstellung! Stammt sie aus Zeiten, in denen Bäume und Tiere sprechen konnten, die Quellen Zauberworte murmeln und eine Blume eine Tür zu öffnen vermag?  Die Erde tut ihren Mund auf, das Blut des erschlagenen Bruders ruft zum Himmel um Hilfe und die Wolken regnen Gerechtigkeit herab auf die Menschen.
Das Brot steigt vom Himmel herab. Das Bild von Jesus versetzt uns in andere Zeiten, in eine andere Welt.
Aber die Zeiten damals, sie waren keineswegs wundersam, sondern hart und bitter. Das Brot war kostbar für die, die nichts zu beißen hatten. Die Luft war erfüllt von Schweiß und Tränen, sie hallte wider von den rauen Befehlen der römischen Soldaten, von Peitschenknall und dem Schluchzen der Armen. Weiterlesen

Bleib bei mir

Bleib noch bei mir. Eltern kennen das flehentliche Bitten ihrer Kinder beim Zubettgehen. Abends lauern die Monster unter dem Bett. Wenn es dunkel wird, kriechen sie hervor und bedrohen die Kinder. Große Hunde, Spinnen und Gespenster können sie zu Tode ängsten und ihre Seelen erschrecken. Bleib bei mir, betteln die Kinder. Für sie sind die Monster real. Wenn eine Menschenseele in der Nähe ist, wenn wenigsten die Tür einen Spalt offen bleibt, erscheint die Gefahr weniger bedrohlich. Bleib bei mir. Das hilft.
Dass sie einsam und verlassen sind, damit haben nicht nur die Kleinen zu kämpfen. Auch Erwachsene fühlen sich oftmals ausgeliefert. Oder Kinder und Jugendliche, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Sie erleben, dass ihnen niemand glaubt. Niemand ist da, dem oder der sie sich anvertrauen können, der*die sie stärkt und ihnen Mut macht. Alle schauen weg. Sie stehen buchstäblich mutterseelenallein da. Weiterlesen

Martha – die Heilige mit Kochlöffel und Drachen

Mit Kochlöffel und Drachen, so wird Martha auf mittelalterlichen Altären dargestellt. Kochlöffel oder Schöpfkelle der Hausfrau und Drachen als Bezwingerin des Bösen, das sind Marthas Attribute. Wenn sie denn dargestellt wird. Denn Martha-Kirchen gibt es nicht viele. Weiterlesen

Valentinstag: Schwarz bin ich und schön.

Schwarz bin ich und schön (Hoheslied 1,5). Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das „Lied der Lieder“ („Hoheslied“) ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen