Corona & Pfingsten weltweit

Pfingsten geht es um den Geist, aus dem wir leben, und die Sprache, die wir sprechen. Worte können verbinden. Worte können Hass säen und die Wirklichkeit verzerren. Pfingsten erleben die Menschen in der Bibel, dass sie sich auf einmal verstehen. Es stellt sich überhaupt nicht als Hindernis heraus, dass sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Sie kommen aus verschiedenen Ländern und haben keinen gemeinsamen kulturellen Hintergrund. Doch das ist kein Grund mehr, dass sie sich übereinander erheben. Auf einmal verstehen sie grenzübergreifend, worum es geht. Ein guter Geist verbindet sie. Gottes guter Geist.*

Solch ein Pfingsten haben wir in diesem Jahr besonders nötig. In vielen Ländern sind die Gesundheitssysteme an ihre Grenzen gelangt, Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren, und die Zahl der Infektionen steigt besonders dort, wo Regierungen sie verharmlosen und zu wenig unternehmen. Die Pandemie betrifft die Menschen auf der ganzen Welt. Wir können ihr nur gemeinsam begegnen. Sie fordert uns heraus, dass wir als Welt-Gemeinschaft zusammenwachsen. Wir brauchen keine Hass-Reden, sondern Lösungen, die alle im Blick haben, auch Schwache oder Behinderte, Abgehängte und Ausgegrenzte. In der Pfingstgeschichte in der Bibel haben sich die Menschen nicht gegenseitig aufgehetzt, sondern sie haben zugehört. Auch wir können hören, auf die Stimmen der Armen, auf die Stimmen derer, die in Frieden und ohne Gewalt leben wollen. Gottes Geistkraft macht uns Mut, dass wir Verantwortung füreinander übernehmen und solidarisch leben.

Pfingstfenster von Wilhelm Schmied

Das Symbol von Gottes Geist ist die Taube. Im Pfingstfenster der Jacobikirche hat der Sangerhäuser Künstler Wilhelm Schmied sie als Friedenstaube dargestellt. Mit dem Ölzweig im Schnabel verkörpert sie in der Nachkriegszeit, als Schmied das Fenster gestaltet hat, die Hoffnung der Menschen auf Frieden. 75 Jahre Frieden in Sangerhausen begehen wir in diesem Jahr. Tauben sind auch in der Juni-Ausgabe der Kirchlichen Nachrichten abgebildet. Bei der Nacht der Kirchen am nächsten Sonnabend können Sie auf Spurensuche gehen, wo diese Tauben in unseren Kirchen versteckt sind.

Pfingsten erinnert uns daran: Gott weckt in den Menschen die Kräfte zum Guten: dass wir freundlich miteinander umgehen, uns gegenseitig fördern, miteinander teilen, füreinander hoffen und beten. Ich wünsche mir, dass eine solche Kultur der Mitmenschlichkeit unter uns gedeiht und dass wir sie pflegen, in unseren Häusern, auf den Straßen. Und ich hoffe, dass sie sichtbar wird an den weltweiten Handelsbeziehungen, in der Wirtschaft und Politik. Zu Pfingsten feiern wir die Vision, dass Gottes guter Geist die Völker verbindet.  Das brauchen wir und das tut uns gut.

 

Andere Predigten zu Pfingsten
Predigten in der Trinitatiszeit
Übersicht: Predigten im Jahreslauf

 

* Die Pfingstgeschichte aus der Bibel
Als der 50. Tag, der Tag des Wochenfestes, gekommen war, waren die Jüngerinnen und Jünger alle beisammen. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Tosen wie von einem Wind, der heftig daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten. Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden. Unter den Jüdinnen und Juden, die in Jerusalem wohnten, gab es fromme Menschen aus jedem Volk unter dem Himmel. Als nun dieses Rauschen aufkam, lief die Bevölkerung zusammen und geriet in Verwirrung, denn sie alle hörten sie in ihrer eigenen Landessprache reden. Sie konnten es nicht fassen und wunderten sich: „Seht euch das an! Sind nicht alle, die da reden, aus Galiläa? Wieso hören wir sie dann in unserer Muttersprache?“ Andere aber spotteten: „Sie sind betrunken.“ Da stand Petrus auf und rief laut:
„Die Leute hier sind nicht betrunken, es ist ja erst neun Uhr früh. Es handelt sich vielmehr darum, was durch den Propheten Joel gesagt ist: ‚In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich von meiner Geistkraft ausgießen auf alle Welt, dass eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden, eure jungen Leute Visionen schauen  und eure Alten Träume träumen. Auch auf meine Sklaven und auf meine Sklavinnen will ich in jenen Tagen von meiner Geistkraft ausgießen, daß sie prophetisch reden.‘.“ Als die Menschen das hörten, ging’s ihnen wie ein Stich ins Herz. An diesem Tag ließen sich viele taufen. Sie teilten alles, was sie hatten. Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt. Tag für Tag hielten sie sich im Tempel auf und brachen das Brot in den einzelnen Häusern. (Apostelgeschichte 2, gekürzt, nach BigS)

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