In den Spiegel schauen

Im Jahr 2006 haben wir den 150. Geburtstag von Sigmund Freud, dem Vater der Psychoanalyse, begangen. Freud hat sich der Erforschung dessen gewidmet, was wir als das Unbewusste bezeichnen. Denn was wir denken und wollen, bestimmt uns nur zum Teil. Unser Verstand und unser Wille ist nur ein Teil unserer Persönlichkeit. Eine Fülle von Gefühlen, Sehnsüchten, Trieben, Enttäuschungen und Erfahrung wohnt in uns – und prägt uns. Wie gut kennen wir uns eigentlich?Es tut gut, immer einmal in den inneren Spiegel zu schauen: Was ist mit mir los? Was geht in mir vor? Wie kommt es, dass ich in bestimmten Situationen immer genauso reagiere? Vielleicht wollen wir ganz anders sein, einmal aus unserer Haut schlüpfen. Neben schönen Erinnerungen gibt es solche, die schmerzen. Trauerarbeit kostet Mut. Aber sie ist notwendig.
Wer Verletzungen verdrängt, kann krank werden. Oder sie – unbewusst und ungewollt – an andere weitergeben. Enttäuschte Liebe kann in Haß umschlagen. In Gerichtsverfahren stellt sich manchmal heraus, dass in dem Täter im Grunde ein Opfer steckt, ein alleingelassenes, verzweifeltes Kind. Kinder sollen die Träume ihrer Eltern verwirklichen, nach ihren Vorstellungen leben.
Vieles passiert unbewusst. Manchmal fesselt es uns und hindert uns daran, jenes Leben zu verwirklichen, das in uns angelegt ist. Unser Monatsspruch weiß um die Tragik, wenn Menschen ihr Leben verfehlen. Er kann uns anregen, dass wir uns damit auseinandersetzen, was in uns vorgeht. Wir dürfen hinschauen. Es wird ein heilsamer Weg sein.
Gott hat uns geschaffen und liebt uns. Kein Abgrund kann so groß sein, dass er uns von Gott trennen könnte. Deshalb brauchen wir keine Angst vor den Abgründen in uns zu haben. Auch das Unbewusste gehört zu uns.

Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist.  (Psalm 19,13)

 

Andachten und Predigten in der Trinitatiszeit: hier
Predigten im Jahreslauf: hier

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