Eigentlich hätte Elisabeth gar nicht mehr schwanger werden können, sie war viel zu alt dazu. Früher hatten sich die Leute immer den Mund darüber zerrissen, dass sie und ihr Mann keine Kinder hatten und was denn mit ihr wohl nicht stimmte. Schmachvoll war das. Und nun das. Ein Wechselbad der Gefühle.
Die ersten 5 Monate ging Elisabeth überhaupt nicht unter die Leute. Im 6. Monat bekam sie Besuch: ihre jüngere, entfernte Kusine Maria. Auch sie schwanger, mit Jesus, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Und auch über Maria wurde getuschelt: Ihr Verlobter sollte nicht der Kindesvater sein.

Schon als sie sich umarmen, freut sich Elisabeth so sehr, dass sogar das Baby in ihrem Bauch strampelt. Sie spürt, was mit Maria und ihrem Kind los ist, noch bevor die zum Erzählen kommt. Natürlich reden sie über ihre Schwangerschaft und wie es dazu gekommen ist – was sich zwei Frauen mit einem dicken Bauch und einem noch nicht so dicken Bauch eben zu sagen haben. Die jüngere hat es zur älteren gezogen.
Und dieses Frauengespräch löst so viel aus, dass Gott selbst aus ihnen gesprochen haben soll. Gottes Geist erfüllte sie, heißt es in der Bibel. Am Ende proklamiert Maria sogar den Umsturz aller Verhältnisse im Namen Gottes: „Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ Indem zwei Frauen sich begegnen und miteinander reden, spricht Gott aus ihnen.
Diese Begegnung steht am Anfang der Weihnachtsgeschichte. Zwei Frauen, deren Schwangerschaft ungewöhnlich und anstößig ist. Die eine, weil sie viel zu alt ist. Die andere, weil sie, wie sie selbst sagt, “von keinem Manne weiß“.
Damit begann alles. Eigentlich ist das revolutionär genug. Dass gewöhnliche Alltagsgespräche zu ungewöhnlichen Begegnungen werden, wünsche ich auch uns.
Lukas 1, 26-56
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