Blindenheilung auf TikTok (Joh 9)

HALLÖCHEN, ihr Lieben, alle meine Followerinnen und Follower. Schön, dass ihr alle wieder da seid. Hier ist die Sissy mit unserer neuesten Folge von „Gefährliche Orte der Welt – funny & crazy“, diesmal aus dem Nahen Osten. Ich bin für euch nach Israel gereist. Heute Morgen bin ich in Jerusalem angekommen. Das war gar nicht so einfach, wegen Gaza und so. Überall noch Militär, und dazu die langen Schlangen an den Einlasskontrollen – echt nervig. Doch ihr seht, ich habe es geschafft.
Hinter mir läuft ein crazy Contest, der ist echt abgefahren. Also es geht darum, wer am schnellsten einen Blinden heilt. Aber es ist gar nicht so einfach, einen Blinden zu finden, der dazu bereit ist. Die Leute haben hier andere Sorgen. Die Leute, die aus Gaza zurückgekommen sind, wollen feiern. Oder sie hängen traumatisiert herum.* Und so viele Augenärzte waren auch nicht so schnell zu finden. Also die paar Blinden, die sie aufgetrieben haben, sind alle abgehauen. Die wollten lieber in eine richtige Klinik. Oder sie fanden das abartig, mit dem Contest und den vielen Leuten.
Zum Glück hockte noch einer irgendwo herum, der war so arm, dass er das alles gar nicht so richtig mitgekriegt hat und überhaupt nicht wusste, wie ihm geschah. Er wurde hochgezerrt und bekam Spucke und Erde in die Augen geschmiert. Ich fand das voll eklig. Angeblich hat’s geholfen, und so wurde ein Jesus zum Winner erklärt.
Hinterher haben sie sich alle ’rumgestrittten, ob der überhaupt blind war oder ob der Winner getrickst hat und ihnen einen untergejubelt hat, der überhaupt nicht blind war. Vielleicht hätte der Jesus sofort ausgeschlossen werden müssen wegen Täuschung. Aber er war am Ende der einzige Kandidat, weil alle anderen vorher ausgeschieden sind.

Ich halte jetzt mal für euch mit meiner Kamera näher dran. Ist übrigens ein iPhone 17 Air Pro Max XS PS 45 7i99 brum-dum-zick-zack. Gibt’s bei Amizon. Also ich zoome jetzt richtig nah dran zu dem Mann und auf das Gesicht. Ich hoffe, ihr könnt jetzt seine Augen richtig sehen und könnt selbst beurteilen, ob er nun geheilt ist oder nicht. Ich blende euch auf dem Bildschirm jetzt mal zwei Buttons ein, unten rechts, damit ihr mitmachen und mitentscheiden könnt. Grün für ja und rot für nein. Und bitte nicht schummeln!
Hier in der Challenge streiten sie sich übrigens immer noch herum, und ich glaube, sie werfen den Mann jetzt sogar heraus. Ich schätze, der kann sich in Zukunft nirgendwo mehr sehen lassen, so peinlich ist das alles. Jedenfalls, ich finde, das war der krasseste Contest, den ich je erlebt habe!

So, ihr Lieben, das war’s für heute. Gebt mir ein paar Likes und abonniert meinen Kanal. Hier bei mir im Shop könnt ihr auch gleich die passenden Sticker zu dem Event bestellen: ein bunter Davidstern mit Spucke darauf. Die gibt’s auch separat in eigenen Flaschen, 5ml, 20 ml oder am besten gleich in Gruppengröße zu 1 Liter.
Die Challenge in der nächsten Folge wird wieder mega gefährlich. Und weil Halloween ist, wird es sogar richtig gruselig, mit echten L – L – L – Leichen! Es geht nach Afrika, in den Sudan. Nicht nur eine, zwei, zehn. Mindestens 460 Leichen zeige ich euch dann, life in einem Krankenhaus**. Also bleibt schön dran, bis zur nächsten Woche. Tschüß und Herzchen. Eure Sissy.

Dieser Text entstand auf einem Seminar zu Dis/ability-Studies. Der zugrundeliegende Bibeltext Johannes 9 (siehe unten) ist stark antisemitisch konnotiert, so wie viele andere Texte des Johannesevangeliums auch. 

Predigt zu Joh 9: Krank? Selbst schuld!

 

Problematische Aspekte im Bibeltext Joh 9 aus dis/ability-sensibler Sicht (Nina Meyer zum Felde):
– Instrumentalisierung: Der blind geborenen Mann ist Mittel zur Offenbarung Gottes.
– Infantilisierung: Es wird über ihn entschieden nicht mit ihm gemeinsam.
– Kontrastierung: Der blinde und später geheilte Mann steht immer anderen gegenüber oder am Rand. Er ist nie Teil der Gruppe.
– Metaphorisierung. Blindheit = Unglaube  > implizite Abwertung.
Ergebnis: Für viele Betroffene ist Joh 9 eine Kränkungsgeschichte

 

Die Heilung eines Blindgeborenen – Johannes 9

Erörterung der Frage nach der Ursache von Behinderung
1Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Heilung des blind geborenen Mannes
6Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Erörterung der Frage nach der Identität des Mannes und dessen Bezeichnung
8Die Nachbarn nun und die, die ihn zuvor als Bettler gesehen hatten, sprachen: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9Einige sprachen: Er ist’s; andere: Nein, aber er ist ihm ähnlich. Er selbst aber sprach: Ich bin’s. 10Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen aufgetan worden? 11Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend. 12Da fragten sie ihn: Wo ist er? Er sprach: Ich weiß es nicht.

Verhör durch die Pharisäer und Anerkennung Jesu als Prophet
13Da führten sie den, der zuvor blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Brei machte und seine Augen öffnete. 15Da fragten ihn auch die Pharisäer, wie er sehend geworden wäre. Er aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend. 16Da sprachen einige der Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es entstand Zwietracht unter ihnen. 17Da sprachen sie wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, dass er deine Augen aufgetan hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.

Befragung der Eltern durch „die Juden“
18Nun glaubten die Juden nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend geworden war, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war, 19und sie fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wieso ist er nun sehend? 20Da antworteten seine Eltern und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21Aber wieso er nun sehend ist, wissen wir nicht, und wer ihm die Augen aufgetan hat, wissen wir auch nicht. Fragt ihn, er ist alt genug; lasst ihn für sich selbst reden. 22Das sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: Wenn jemand ihn als den Christus bekennt, der soll aus der Synagoge ausgestoßen werden. 23Darum sprachen seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst.

Erneutes Verhör, Erörterung der Frage der Vereinbarkeit von Nachfolge Mose und Jesu und Ausschluss des blind geborenen Mannes aus der Synagoge
24Da riefen sie noch einmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25Er antwortete: Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend. 26Da fragten sie ihn: Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen aufgetan? 27Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt’s nicht gehört! Was wollt ihr’s abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden? 28Da schmähten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. 29Wir wissen, dass Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht. 30Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist; und er hat meine Augen aufgetan. 31Wir wissen, dass Gott die Sünder nicht erhört; sondern den, der gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den erhört er. 32Von Anbeginn der Welt an hat man nicht gehört, dass jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe. 33Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun. 34Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? Und sie stießen ihn hinaus.

Erneute Begegnung Jesu mit dem blind geborenen Mann, Offenbarung Jesu als Menschensohn und Bekenntnis des Mannes zu Jesus
35Jesus hörte, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn? 36Er antwortete und sprach: Herr, wer ist’s, auf dass ich an ihn glaube? 37Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn ja gesehen, und der mit dir redet, der ist’s. 38Er aber sprach: Herr, ich glaube. Und er betete ihn an.

Direktes Aufeinandertreffen von Jesus und den Pharisäern und Erörterung der Frage der geistigen Blindheit
39Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. 40Das hörten einige der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? 41Jesus sprach zu ihnen: Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.
Übersetzung: Luther 2017, Zwischenüberschriften: Nina Meyer zum Felde

* Am 13.10.2025 wurden die letzten noch lebenden Geiseln nach 738 Tagen Gefangenschaft von der Hamas freigelassen.
** Ende Oktober 2025 ermordeten RSF-Milizen im Sudan  in der Stadt al-Faschir allein in einer Geburtsklinik mindestens 460 Menschen.

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