Gott schmecken

Der Kaffee in der Kirche ist ihm zu dünn, fand ein Mann neulich. Er trinkt seinen Kaffee lieber zuhause. Das ist natürlich Geschmackssache. Ich bin eher dankbar, wenn der Kaffee nicht so schwarz wie die Nacht ist, dass der Löffel darin steckenbleibt. Wie schmeckt Kirche? Was schmecken Menschen, wenn sie bei uns zu Gast sind? So viel gibt es im Gottesdienst nicht zu kosten. Ungefähr einmal im Monat gibt es Abendmahl. Die Hostie, ein wenig papiern, wie Oblaten eben so sind, und ein kleiner Schluck Traubensaft. Der ist Bio und süß. Und nach dem Gottesdienst Kaffee oder Tee, manchmal ein Plätzchen dazu. Das Schwatzen steht im Vordergrund, weniger wie es schmeckt. Warum eigentlich nicht? In den USA – wo der Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst einen ungleich höheren Stellenwert einnimmt – hat einmal eine Gemeinde geworben: Die Kirche mit dem besten Kaffee. Das klingt tatsächlich attraktiv. Ein Cappuccino mit einem Berg von Schaum, das fände ich richtig chic.
Auch wenn es beim Abendmahl heißt: Seht und schmeckt die Freundlichkeit Gottes, zum Schmecken haben wir in der Kirche nicht wirklich eine Beziehung entwickelt. Das ist schade, denn erstens spielt es für die Menschen eine wichtige Rolle, und zweitens ist es unbiblisch.  Weiterlesen

Wasser-Erntedank

Ich war vor einem Jahr in Mexiko. Das liegt in Amerika, unterhalb von den USA, zwischen Nord- und Südamerika. Wir haben uns die Hauptstadt, Mexiko-City, angeguckt, und wenn wir abends müde und verschwitzt nach Hause kamen und uns die Hände waschen wollten, kam kein Tropfen Wasser aus der Wasserleitung. Und auf die Toilette gehen konnten wir auch nicht. Jeden Abend war von 6 bis 8 oder 9 Uhr das Wasser abgestellt. Und wir hatten noch Glück. In ärmeren Bezirken der Hauptstadt gibt es halbe Tage lang kein Wasser oder nur wenige Stunden. Weiterlesen

Vom Himmel steigt Brot

Das Mädchen lächelte selig, als sie die Augen aufschlug. Dann kniff sie sich dreimal in den Arm, setzte sich verwundert auf und blicke fest hinüber zum Tempel. Nein, der Tempel war nicht verschwunden. Und ja, es duftete tatsächlich nach einem geöffneten Backofen. Dann hatte sie nicht nur geträumt wie so oft in den letzten Wochen. Ihre Träume drehten sich nur noch ums Essen. Einmal stand sie vor einem Backofen voller Brot. Knuspriges, duftendes, dunkles Brot.
Aufgewacht war sie natürlich mit knurrendem Magen. Und auch ihr kleiner Bruder neben ihr hatte vor Hunger immer öfter geweint. Dann erzählte sie ihm von dem Brot. Manchmal schlief er dabei ein. Weiterlesen

Der Kelch der Mogks

Vor mir steht ein Kelch. Bei festlichen Gelegenheiten trinken wir aus besonderen Gefäßen. Unsere Vorfahren hatten Hochzeitspokale. Die mussten Braut und Bräutigam gemeinsam leeren. Zünfte und Innungen haben sich kunstvolle Zunftpokale anfertigen lassen. Wenn ein Ehrengast kam, wurde ein besonderes Gefäß zum Willkommen überreicht. Ein Kelch erinnert an die Höhepunkte im Leben, an die Stunden des Glücks. Weiterlesen

Abraham: Eltern opfern Kinder

Was für eine schreckliche Geschichte! Ein Vater macht sich auf den Weg, seinen Sohn umzubringen und Gott zu opfern. Er hält das für gottgefällig. In letzter Minute hält ein Engel ihn davon ab. Das Kind lebt. Aber die Familie zerbricht daran. Vater und Mutter leben fortan getrennt, vielleicht waren sie das vorher auch schon. Die Mutter stirbt kurz darauf. Was das Kind denkt und fühlt, spielt keine Rolle. Auf seine angstvolle Frage weicht der Vater aus. Weiterlesen

Liebe Teilen

Julia sucht Romeo, Tristan verliebt sich in Isolde. Liebende überwinden Grenzen. Sie nehmen Übermenschliches in Kauf, entfalten Kräfte, trotzen Bedrohung und Gefahren. Ihr Herz klopft und springt und zieht sie über sich selbst hinaus. Was sie fühlen, wirbelt sie durcheinander, euphorisiert sie, wirft sie um. Sie spüren, daß das nicht alltäglich ist und daß es in ihnen etwas auslöst, was kostbar, ja göttlich ist. So drückt es auch die Bibel aus. Gott ist Liebe und alle, die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott und Gott bleibt in ihnen. Weiterlesen