Der 29-jährige Pfarrer August Hermann Francke war erschüttert, als er von Erfurt an den Stadtrand von Halle zog. In den Kneipen betranken sich die Männer fürchterlich, verwahrloste Kinder drückten sich in den Gassen herum. Weiterlesen
Gottesbild
Thomas nimmt nicht alles hin
Da ist einer, der eine Geschichte mit Jesus hat. Thomas. Sein Vater hieß Alphäus. Er wird in allen Apostel-Listen erwähnt. Er ist mit Jesus durch’s Land gezogen. Er hat gehört, wie Jesus gepredigt hat. Er hat gesehen, wie Jesus Menschen froh und heil gemacht hat. Er war dabei, als Jesus den Lazarus auferweckt hat. Er hat sich mit Jesus auseinandergesetzt, hat gefragt, hat auf seine Fragen Antwort bekommen. Weiterlesen
Aufstehen zu Ostern
Aufstehen, auferstehen, das ist im Neuen Testament dasselbe Wort (anhistemi).* Menschen stehen auf, nachdem sie gegessen haben, wenn sie krank waren oder wenn sie zu einer Reise aufbrechen. Aufstehen, das ist ein Alltagswort.
Mit diesem Wort beschreibt die Bibel, wie Menschen heil werden. Die kranke Schwiegermutter des Petrus steht auf oder der Gelähmte, die Tochter des Jairus oder Maria, die um ihren toten Bruder Lazarus trauert und hört, daß Jesus kommt: Sie steht schnell auf und geht ihm entgegen. Und mit diesem Wort erzählt die Bibel, was zu Ostern passiert: Jesus steht auf.
Wir sagen meistens „auferstehen“. In der Kirche schieben wir eine Silbe in das Alltagswort und trennen es von dem, was wir täglich erleben. Aus „aufstehen“ wird „auferstehen“ und aus „aufwecken“ „auferweckt“.
Aber in der Bibel gehört es zusammen. Weiterlesen
Brotwerdung Gottes
Ich bin das Brot, das vom Himmel herabsteigt. Das Brot steigt vom Himmel herab. Kann Brot herabsteigen? Was für eine urtümliche Vorstellung! Stammt sie aus Zeiten, in denen Bäume und Tiere sprechen konnten, die Quellen Zauberworte murmeln und eine Blume eine Tür zu öffnen vermag? Die Erde tut ihren Mund auf, das Blut des erschlagenen Bruders ruft zum Himmel um Hilfe und die Wolken regnen Gerechtigkeit herab auf die Menschen.
Das Brot steigt vom Himmel herab. Das Bild von Jesus versetzt uns in andere Zeiten, in eine andere Welt.
Aber die Zeiten damals, sie waren keineswegs wundersam, sondern hart und bitter. Das Brot war kostbar für die, die nichts zu beißen hatten. Die Luft war erfüllt von Schweiß und Tränen, sie hallte wider von den rauen Befehlen der römischen Soldaten, von Peitschenknall und dem Schluchzen der Armen. Weiterlesen
Alles ist erlaubt
Alles ist erlaubt -aber nicht alles nützt.
Alles ist erlaubt -aber nicht alles baut auf.
Denkt dabei nicht an euch selbst,sondern an die anderen. (1. Korinther 10, 23-24)
Diese Worte von Paulus sind die vorweggenommene Grundlage einer multikulturellen, demokratischen Gesellschaft. Weiterlesen
Blinder Fleck
Ich sehe was, was du nicht siehst
Wir alle haben einen blinden Fleck. Mitten im Auge. Dort, wo der Sehnerv auf die Netzhaut trifft, sehen wir nichts. An allen anderen Stellen der Netzhaut nehmen wir (hoffentlich) optische Reize wahr. Aber an dieser einen Stelle sind wir buchstäblich blind. Interessanterweise ist dieser blinde Fleck die Voraussetzung, daß wir überhaupt etwas sehen. Weiterlesen
Schwarz bin ich und schön – Predigt zum Valentinstag
Schwarz bin ich und schön (Hoheslied 1,5). Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das „Lied der Lieder“ („Hoheslied“) ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen
Feiern als Protest
Neulich war ich im Museum. „Berühren verboten“, „Bitte nicht anfassen“ steht meistens im Museum auf Schildern. Hier aber klebten an den Kästen Zettel „Bei Stillstand Knopf drücken“. Ein Museum zum Gucken, wo es ausdrücklich erwünscht ist, etwas in Bewegung zu setzen. Weiterlesen
Silvester: Dornröschen oder Die Wahrheit macht euch frei
An Dornröschen wurden die Gaben der zwölf weisen Frauen erfüllt, denn es ward so schön, sittsam, freundlich und verständig, dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste. … Es geschah, dass an dem Tage, wo es gerade fünfzehn Jahr alt ward, der König und die Königin nicht zu Hause waren und das Mädchen ganz allein im Schloss zurückblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel, und als es ihn umdrehte, sprang die Türe auf, und saß da in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig Flachs.
Die Wahrheit wird euch befreien.
In diesen Tagen ziehen wir Bilanz. In den Zeitungen wird Rückblick gehalten auf die Ereignisse und Skandale des Jahres. Alles wird noch einmal durchgekaut, und auch wir halten Rückschau auf die letzten zwölf Monate, auf die Höhepunkte und die Tiefpunkte, auf die Freuden und die Enttäuschungen. Schnell ist es vergangen, zu schnell, finden die meisten. Schon wieder Silvester, schon wieder ein Jahr vorbei, schon wieder ein Jahr älter geworden. Eine Wahrheit, die wehmütig machen kann. Die Wahrheit macht frei? Eher macht sie uns unsicher. Manchmal möchten wir’s lieber nicht zu genau wissen. Die Wahrheit befreit, sagt Jesus, aber sie kann uns auch erschlagen. Oder bedrohen. Weiterlesen