Franziskus: Evangelium für die gesamte Schöpfung

Er hat es gemacht. Franz hat den Tieren gepredigt, den Vögeln auf den Bäumen und auch dem räuberischen Wolf. Die ganze Schöpfung um ihn herum ist belebt. Die Gestirne sind Geschwister für ihn. Er lauscht dem Murmeln von Schwester Quelle, bestaunt die Kraft von Bruder Feuer und sogar der Tod kann ihm Schwester sein.
Franz ist verrückt, sagten die einen. Doch andere ließen sich von ihm verzaubern. In mancher Stadt läuteten sogar die Glocken, wenn er kam, und Alt und Jung zog ihm entgegen und jubelte. Franziskus († 1226) hat Freude gebracht. Evangelium heißt frohe Botschaft. In Franz’ Nähe spürten das die Menschen endlich. Und die Tiere auch.
Mensch und Tier haben bis ins 19. Jahrhundert auf engem Raum zusammen gelebt. Weiterlesen →

Kantate: Singen gegen die Angst – Paulus und Silas im Gefängnis

Im Keller ist es duster, da wohnt ein alter Schuster, wurde bei uns früher gesungen. Vielleicht war es bei Ihnen etwas anderes. Jedenfalls: Singen vertreibt die Angst. Wenn die Kinder in den Keller gehen, singen sie.
Dunkle, unheimliche Keller gibt es bei uns kaum noch. Die Häuser heutzutage sind modern und aufgeräumt und sehen leider ziemlich gleich aus. Angst haben wir trotzdem. Weiterlesen →

Gott Weingärtnerin

Die Sonne steht schon ziemlich hoch. Die Bäuerin richtet sich auf, wischt sich den Schweiß von der Stirn und streckt den Rücken aus. Die Arbeit im Weinberg ist anstrengend. Und Arbeit gibt es das ganze Jahr über genügend. Zweige hochbiegen, damit die Sonne an alle Triebe kommt. Hacken. Düngen. Die Reben festbinden und Blätter entfernen, so daß die Luft in den Reihen zirkulieren kann. Verfaulte Beeren ausschneiden. Und immer wieder hacken und düngen. Nur im Herbst, bei der Ernte, helfen Saisonkräfte, tageweise. Manchmal kommen sogar noch am Nachmittag, kurz vor Feierabend, zusätzliche Leute zum Lesen. Sonst würden sie es gar nicht schaffen. Sie sind ja nur eine Handvoll Sklavinnen und Sklaven. Aber sie macht es schon seit vielen Jahren. Weiterlesen →

Mai: Hinaus ins Freie!

Hinaus ins Freie! Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus… Die Lebenskräfte regen sich, die Sonne lockt, die Reisesaison beginnt. Mit unserem Personalausweis kommen wir inzwischen ziemlich weit: Am 1. Mai 2004 ist die Europäische Union um 10 Mitglieder größer geworden. Ohne Zollkontrolle geht’s durch bis Tschechien, Slowakei und Ungarn. Im Jahr zuvor hatten uns diese drei Grenzen noch viel Zeit gekostet, als wir das Socken-Projekt in Rumänien besucht haben. Irgendwann werden dann überhaupt keine Grenzhäuschen mehr stehen. Europa wächst zusammen (hoffentlich auch im Sozialen und im Hinblick auf die Menschenrechte), die EU erweitert unseren Radius.
Über den Horizont hinauszublicken, dazu ruft uns unser Glaube auf. Weiterlesen →

Tschernobyl: Gräber für die Ewigkeit

Die ägyptischen Pharaonen wollten auch im Tod ungestört ruhen. Schließlich gab es schon im Altertum Grabräuber. Selbst die Pyramiden blieben davon nicht verschont. Im Tal der Könige tüftelten die geschicktesten Konstrukteure, damit die Gräber am Nil zu Festungen für die Ewigkeit werden. Als Tutanchamun 1325 v.u.Z. starb, wurde sogar ein Fluch eingesetzt. Auf einer Tontafel warnte er jene Grabräuber, die schon vor dem Ziel standen.
Die Vorsorge hat sich gelohnt. 1922 fand man Tutanchamuns Mumie unversehrt – und die Welt staunte über die unermeßlichen Schätze, die den dreifachen Sarg umgaben. Freilich starben kurz hintereinander mehrere am Fund beteiligte Menschen… Bis heute spekulieren manche über den Fluch des Pharao.
Was werden unsere eigenen Nachfahren in 3000 Jahren finden, wenn sie nach der heutigen Kultur graben? Pyramiden bauen wir nicht mehr, aber Gräber haben wir auch. In Salzstöcken vergraben wir strahlenden Wohlstandsmüll. In einem Betonsarkopharg haben wir den Reaktor von Tschernobyl versiegelt. Weiterlesen →

Neue Menschen bei August Hermann Francke?? Francke und Wichern

Der 29-jährige Pfarrer August Hermann Francke war erschüttert, als er von Erfurt an den Stadtrand von Halle zog. In den Kneipen betranken sich die Männer fürchterlich, verwahrloste Kinder drückten sich in den Gassen herum. Weiterlesen →

Thomas nimmt nicht alles hin

Da ist einer, der eine Geschichte mit Jesus hat. Thomas. Sein Vater hieß Alphäus. Er wird in allen Apostel-Listen erwähnt. Er ist mit Jesus durch’s Land gezogen. Er hat gehört, wie Jesus gepredigt hat. Er hat gesehen, wie Jesus Menschen froh und heil gemacht hat. Er war dabei, als Jesus den Lazarus auferweckt hat. Er hat sich mit Jesus auseinandergesetzt, hat gefragt, hat auf seine Fragen Antwort bekommen. Weiterlesen →

Aufstehen zu Ostern

Aufstehen, auferstehen, das ist im Neuen Testament dasselbe Wort (anhistemi).* Menschen stehen auf, nachdem sie gegessen haben, wenn sie krank waren oder wenn sie zu einer Reise aufbrechen. Aufstehen, das ist ein Alltagswort.
Mit diesem Wort beschreibt die Bibel, wie Menschen heil werden. Die kranke Schwiegermutter des Petrus steht auf oder der Gelähmte, die Tochter des Jairus oder Maria, die um ihren toten Bruder Lazarus trauert und hört, daß Jesus kommt: Sie steht schnell auf und geht ihm entgegen. Und mit diesem Wort erzählt die Bibel, was zu Ostern passiert: Jesus steht auf.
Wir sagen meistens „auferstehen“. In der Kirche schieben wir eine Silbe in das Alltagswort und trennen es von dem, was wir täglich erleben. Aus „aufstehen“ wird „auferstehen“ und aus „aufwecken“ „auferweckt“.

Aber in der Bibel gehört es zusammen. Weiterlesen →

Haus – Gemeinde – Gemeindehaus

Das Christentum begann in den Häusern. Es kommt aus den Häusern in Jerusalem, Antiochia, Joppe. Das Haus von Maria und ihrer Sklavin Rhode, von Hananias und Saphira, von Tabita in Joppe, der Witwen in Jerusalem. Bei ihnen, in ihren Häusern sammelten sich die ersten Gemeinden und breiteten sich aus, nach Antiochia, nach Syrien, schließlich nach Europa – zu Lydia in Philippi, der ersten europäischen Christin, zu Priska und Aquila in Korinth, bis nach Rom, zur Apostelin Junia und ihrem Mann Andronikus. Die Frauen, denen der Auferstandene die Botschaft am Ostersonntag auftrug: Geht nach Galiläa, sie haben ihren Auftrag erfüllt.
Später trafen sich die Gemeinden im Umfeld von Synagogen und Katakomben. Erst viel später bauten sie Kirchen. Und Klöster. Und Paläste. Und Residenzen, wie die Neue Residenz in Halle. Weiterlesen →