Der Heiden Heiland – Liedpredigt

Gerade einmal 30 Jahre war es her, dass Christoph Kolumbus weit im Westen des Atlantiks auf Land gestoßen war: Amerika. Seit 1492 segelten Schiffe über die Meere. Dort lebten die Indianer, die Wilden, die Heiden, und Europa glaubte, sie „entdeckt“ zu haben – auch wenn  die Menschen dort schon lange wohnten und es gar nicht nötig hatten, „entdeckt“ zu werden.
Die Eroberung Amerikas bedeutete auch den Beginn der sogenannten Heidenmission. Damit begann zugleich eine beispiellose Geschichte voller Gewalt, Blut und Tränen. Völker wurden versklavt, ihre Kulturen zerstört, ihr Eigentum ausgebeutet und ausgeplündert.
Von sagenhaften Reichtümern drang die Kunde über den Atlantik, von Goldschätzen, von einem wahren El Dorado, als Luther 1524 sein Lied schrieb. Oder besser gesagt aus dem Lateinischen übersetzte.

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Schulden und Schuldenerlaß

Alle haben sie Schulden. Von denen, die mit ihrem Konto im Minus sind oder ihren Hauskredit abstottern, über die Kommunen bis hin zu ganzen Ländern. Kleine Leute haben oft bei Versandhäusern Schulden. Mit Null-Prozent-Finanzierung und 36 bequemen Monatsraten wird geworben. Aber die müssen ja auch zurückgezahlt werden. Da wird es oft eng. Wenn dann die Waschmaschine kaputtgeht, ist der Weg in die Überschuldung nicht weit.  Oder Trennung. Oder eine Krankheit. 10,43 % der Menschen im Landkreis Mansfeld-Südharz betrifft das – also mehr als jede*n zehnte*n Erwachsene. Weiterlesen

Jutta verläßt die Familie

In der Ulrichkirche fing alles an mit Jutta von Sangerhausen. 800 Jahre ist das jetzt her. Ich stelle mir vor, wie die Kirche damals aussah. 100 Jahre stand sie ja schon. Die mächtigen Mauern überragten die Holzhütten und Lehmhäuser, aus denen Sangerhausen damals bestand. Dicke steinerne Mauern hatten Bestand für die Ewigkeit. Sie versprachen den Menschen Schutz und Stärke in Zeiten, in denen ein Funke leicht die strohernen Dächer wie Zunder entflammen und die ganze Stadt in Schutt und Asche legen konnte. Weiterlesen

Demut ??

Santiago Atitlán Anneliese Knippenkötter Weltgebetstag 1993

„Ich sitze im Wohnzimmer mit meiner Freundin. Wir erzählen und trinken ein Glas Wein. Mein Mann kommt von der Arbeit. Er grüßt mich, starrt mich an und schlägt mich ins Gesicht. Ich blute aus der Nase. Der Schmerz dröhnt, dumpf und pochend. Mein Mann ist mir plötzlich unheimlich. Warum demütigt er mich so? Weiterlesen

Ein mutiger Sklave unterwandert das Finanzsystem

Predigt zu Matthäus 25,14-30 („Die anvertrauten Talente“) *
In dieser Beispielgeschichte hören wir bei den „Talenten“ im Hinterkopf vor allem „Fähigkeiten“. Du hast ein Talent. Wir verstehen es sofort im übertragenen Sinne.  Doch die Leute, denen Jesus diese Geschichte ursprünglich erzählt hat, wußten, was ein Talent wirklich ist: ein riesiger Barren Silber, so viel, wie ein Mensch gerade noch tragen kann, 30 bis 40 Kilogramm. Ein Talent, das sind  17 Jahreseinkommen einer armen Familie (á 350 Denare). Und die 8 Talente eines Investors, die investiert werden, entsprechen 140 bis 160 Jahreseinkommen. Wenn eine Familie an der Armutsgrenze heute 20.000 Euro zur Verfügung hat, entspräche das 2,8 Millionen Euro. **
Der Sklavenbesitzer verfügt über weit mehr. Denn er braucht diese 8 Talente nicht für den laufenden Betrieb, sondern hat sie zusätzlich zur freien Verfügung und kann sie  investieren, ohne seine sonstigen Geschäfte zu beeinträchtigen. Solche Vermögen lassen sich nicht mit eigener Hände Arbeit aufbauen.  Das ist auch heute so. Geld gebiert Geld. Der größte Gewinn wird heute nicht durch Produktion erwirtschaftet, sondern durch Kapital selbst. Geld wird angelegt und verzinst und wird als Aktien an den Börsen durch die Welt geschoben. Weiterlesen

Liebe Teilen

Julia sucht Romeo, Tristan verliebt sich in Isolde. Liebende überwinden Grenzen. Sie nehmen Übermenschliches in Kauf, entfalten Kräfte, trotzen Bedrohung und Gefahren. Ihr Herz klopft und springt und zieht sie über sich selbst hinaus. Was sie fühlen, wirbelt sie durcheinander, euphorisiert sie, wirft sie um. Sie spüren, daß das nicht alltäglich ist und daß es in ihnen etwas auslöst, was kostbar, ja göttlich ist. So drückt es auch die Bibel aus: Gott ist Liebe und alle, die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott und Gott bleibt in ihnen. Weiterlesen

Pfingsten heute: Fest der Verständigung und Kommunikation

Pfingsten in Jerusalem. Menschen aus vielen Völkern sind versammelt, Völkern, an denen sich viele die Zunge zerbrechen: Parther und Meder, aus Mesopotamien, Kappadozien, Phrygien und Pamphylien, aus Judäa, der Provinz Asien, Libyen und Rom. Die wenigsten sind Einheimische, die meisten stammen von anderswoher, aus anderen Kulturen, aus Asien, Afrika, Ägypten, dem Westen, also der Metropole Rom. Ein Sprachengewirr ist das, ein kulturelles Gemisch und auch eine Religionsvielfalt, jüdisch, christlich, viele, die sich keinem von beiden zuordnen. Der Wind der Verständigung erfaßt sie. Sie hören sich plötzlich in ihrer eigenen Muttersprache reden. Sie verstehen sich, sie werden eine Gemeinde, eine Gemeinschaft.
Der Geburtstag der Kirche ist ein Fest des Verstehens. Es überwindet die Grenzen von Herkunft, Sprache, Kultur und Religion. Die Kirche wird mit einem spontanen Fest von Verschwisterung geboren.
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Taufe: Der kleine Wassertropfen und andere Wassergeschichten

Platsch! Der kleine Wassertropfen ließ sich erschöpft und zufrieden in die große Welle sinken. Dort schaukelte Noahs Schiff. Kaum zu glauben, wie schwer diese Arche war. Der kleine Wassertropfen hatte sich alle Mühe gegeben, sie über die Sintflut zu retten und sie sicher und sanft ans Ufer zu tragen. Weiterlesen

Quasimodogeniti: wie neugeboren

Ich bin richtig stolz, ich fühle mich wie neugeboren. So strahlte eine junge kurdische Frau vor einigen Jahren bei ihrer Einbürgerungszeremonie, nachdem sie ihre und die Urkunde für ihre dreijährige Tochter erhalten hatte.Für sie bedeutet Deutschland  Freiheit und Sicherheit. Özgül Haligür war aus der Türkei nach Leverkusen geflüchtet.Ihr Traum: eine deutsch-türkische Konditorei aufzumachen.*
Wie neugeboren. So heißt es im 1. Petrusbrief, der Epistel heute. Weiterlesen