Die Heilung des Gelähmten – eine Männergeschichte

Diese Predigt wurde 2004  in der Kategorie „Beste Predigt “ mit dem Ökumenischen Predigtpreisausgezeichnet.

Liebe Gemeinde,  es ist eine Männergeschichte. Jesus, der Gelähmte, die Freunde, die ihn tragen, die Schriftgelehrten – all die agierenden Personen sind Männer. Die Frauen, wenn sie denn im Haus sind wie zuvor die kranke Schwiegermutter des Petrus, bleiben im Hintergrund. Es ist eine Männergeschichte. So will ich versuchen, ob es geht, diese Geschichte als Männergeschichte zu lesen.
Und: sie ist merkwürdig stumm. Der Gelähmte sagt nichts, noch seine Freude, nichts von seiner Not, keine Klage, keine Bitte, kein Hilferuf, keine Schilderung des langen Leidens und was sie vielleicht schon alles unternommen haben. Auch die Schriftgelehrten sagen nichts, sprechen nicht aus, was sie denken. Ihr Widerstand bleibt stumm. Es wird viel geschwiegen in dieser Geschichte. Jesus ist der einzige, der redet. Weiterlesen

Vergeben dem, was war

Als ich 20 war, habe ich mich sehr darüber aufgeregt, dass das Gesangbuch voller Lieder ist, die von Leid und Tod erzählen. Die vielen Lieder aus dem 30jährigen Krieg waren mir zu pessimistisch und lebensfern. Ich kam erst ins Nachdenken, als Eltern bedauerten, dass das in der (damals) sozialistischen Schule ganz und gar fehle. Höchstens der Heldentod für den Sozialismus komme vor oder das Elend der werktätigen Massen. Aber wie sollten die Kinder darauf vorbereitet werden, mit Leid und Schicksalsschlägen umzugehen?
Inzwischen haben wir ein neues Gesangbuch, und im Religions- und Ethikunterricht werden auch Themen wie Behinderung oder Sterben bearbeitet. Die Ratgeberspalten haben sich sogar in der Kirchenzeitung einen festen Platz erobert. Im Grunde geht es dabei um ein und dasselbe Thema: wie gehen wir mit Schwierigkeiten oder Verletzungen um. Die Rechnung, dass ein rechtschaffenes oder gläubiges Leben davor feit, geht leider nicht auf. Weiterlesen

Berge besteigen – Predigt zu Matthäus 28,18-20

8000 ist die magische Zahl des Bergsteigens. Ab hier beginnt die Todeszone. Die Zahl ist das Achttausendfache des Urmeters. Das Himalaja-Gebirge hat 14 Achttausender. Der Mount Everest ist der höchste, 8848 m. 1953 gelang die Erstbesteigung, 1978 erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler zum ersten Mal den Gipfel des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff. An manchen Tagen belagern 300 Zelte den Everest. Nicht nur die Menschen leiden unter diesem Andrang, auch die Natur. Der Everest verwandelte sich zunehmend zu einer Müllkippe. Verpackungen, Fäkalien und vor allem leere Sauerstoffflaschen. Weiterlesen

Rote Ostereier und Schuldenerlaß

Für diese Predigt habe ich den Gottesdienst „Ostereier für Schuldenerlaß“ von Kerstin Sommer und Dieter Heidtmann zur Grundlage genommen und umgearbeitet. In: Ostern. Gottesdienstpraxis Serie B. Gütersloh 2001, S. 77 – 86
Wir haben die Sträuße in der Kirche mit Eiern geschmückt, einige haben sie von zu Hause mitgebracht. Ei und Ostern, das gehört zusammen, es ist ein Symbol für die Auferstehung. Weiterlesen

Samuel Müller und der 30-jährige Krieg in Sangerhausen

In unserer Kirche ist ein Ehepaar, das uns wohl mehr über den Krieg erzählen könnte als jede/r andere. Der Mann hat darüber sogar zwei dicke Bücher geschrieben. Kennen Sie die beiden? Es sind Samuel Müller, im 17. Jahrhundert Superintendent in Sangerhausen, und seine Frau Anna Maria. Beide sind in Kirche begraben An ihn erinnert das 2. Epitaph links vom Altar, an sie die Holztafel gegenüber der Kanzel. Weiterlesen

Mein Blut – Blut der Frauen, Blut der Geburt, Blut der Rettung

Blut ist Tod
Christi Blut für dich gegeben, sagen wir beim Abendmahl.
Es ist Blut geflossen – das ist eine Ankündigung für Schlimmes. Menschen wurden verletzt oder gar getötet. Blut vergießen, damit verbinden wir Leid, das wir uns selbst zufügen und das hätte vermieden werden können. Es ist sinnlos, und das macht uns ohnmächtig und lähmt uns. Weiterlesen

Brief an Maria

Von wem ist denn nun dein Kind, Maria?
Einmal erzählen sie, als es passierte, warst du eigentlich mit Josef zusammen, aber er war nicht der Vater.
Deshalb wollte er Schluss machen – natürlich nur zu deinem Besten, wie er sagte.
Und es musste erst ein Wunder geschehen, damit er dich nicht mit deinem dicken Bauch sitzen lässt. Weiterlesen

Janusz Korczak begleitet die Kinder ins KZ – Predigt zum Totensonntag

Theateraufführung in einem Kinderheim: Eine Gruppe spielt den anderen vor, was sie vorbereitet hat: Auf einem Lager ist ein Kind gebettet. Es ist matt und krank, todkrank. Leise beginnt eine Flöte zu spielen. Zwei Gestalten in langen, wehenden Gewändern treten zum Lager. Sie nehmen das Kind sanft in ihre Arme, wiegen es darin, bis der Kopf des Kindes zur Seite gefallen ist und die Flöte schließlich verklingt.
Der Heimleiter antwortet leise auf die fragenden Blicke zweier Erwachsener: „Wir müssen die Kinder vorbereiten auf das, was kommt, auch auf den Tod. Er soll ihnen vertraut werden, wie ein Freund.“ Weiterlesen