Kinder gehen weg – Predigt über den „verlorenen Sohn“

Manchmal geht ein Kind einfach weg. Aus Neugier. Weil da etwas ist, was es fasziniert und anzieht, etwas, von dem es merkt: dem muß ich jetzt nachgehen. Manchmal kommen Kinder auf diese Weise Geheimnissen auf die Spur, erstaunlichen oder auch schrecklichen. Meistens kommen sie mit tausend Fragen von ihren Ausflügen zurück, erfüllt oder verwirrt. Was sie erlebt haben, verändert sie ein klein wenig und läßt sie wachsen. Weiterlesen

Mission queer – der äthiopische Finanzminister. Predigt über Apg 8,26-39

Das ist eine eigenartige Geschichte vom Finanzminister aus Äthiopien, der sich taufen lässt. die Geschichte davon, wie das Evangelium nach Afrika gelangt ist, ein anderer Kontinent, eine andere Welt, eine andere Kultur und Lebensweise.

Da ist der äthiopische Finanzminister. „Er war Nubier aus dem südlich von Ägypten gelegenen Gebiet am oberen Nil, zwischen Assuan und Khartum, dem heutigen Sudan. Das äthiopische Königreich war nämlich weder bevölkerungsmäßig noch geographisch mit dem heutigen Äthiopien (dem Gebiet im bergland östlich des oberen Nils) identisch. Es wurde stets von der Königin(mutter) regiert, die den Titel Kandake trug.“ (nach Roloff, Apg, 140) Weiterlesen

Trinität – Vielfalt bei Gott und den Menschen

Drei Ärzte – vier Meinungen. Oder zehn Theolog_innen – elf Meinungen. Anderswo ist es ähnlich. Das ist manchmal beschwerlich, wenn wir nach einer klaren Antwort suchen. Kein Wunder, daß manche sich wünschen, daß endlich mal Schluß sei mit dem Wirrwarr. Eine klare Meinung muß her, ein Führer, und es soll endlich mal gesagt werden, was richtig ist und was falsch.
Doch im Leben läuft es nicht so. Es gibt nicht nur eine Ursache und eine Wirkung, sondern oftmals ein Bündel von Ursachen und eine Fülle von Auswirkungen. Wir leben in einer vernetzten Welt und merken immer mehr, wie alles voneinander abhängt und vieles sich bedingt. Weiterlesen

Tischdienst in Korinth – Diakonie

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Aber wie ging es weiter? Wir wandern zurück in das Jahr 50. Die 1. Gemeinde in Jerusalem ist gewachsen. Da sind die, die schon immer da waren, jüdische Männer und Frauen, die in Jesus den Retter erkannt haben – manche von ihnen haben Jesus noch selbst erlebt. Es gibt auch Zugezogene. Sie kommen aus jüdischen Gemeinden im ganzen römischen Reich, aus Rom, aus Korinth, aus Städten überall dort, wo es jüdische Auslandsgemeinden gibt. Dort, in nichtjüdischer Umgebung, haben sie auch anders gelebt als die Leute hier in Jerusalem. Hier sind sie zu der Gemeinde gestoßen und bilden eine eigene Gruppe mit eigener Prägung. Weil sie griechisch sprechen, werden sie Griechen genannt und die Eingesessenen, die nur Hebräisch können, Hebräer. Nach der Arbeit treffen sich abends alle in Hausgemeinden, essen gemeinsam, beten und singen. Weiterlesen

Gründonnerstag – Mahl der Gefühle

Die Vorfreude als Kind auf Weihnachten und die überwältigende Freude, wenn sich die Tür am Heiligabend öffnet. Die erste Liebe. Angst vor einer Operation. Erleichterung nach einem Beinahe-Unfall. Wiedersehensfreude:
Die stärksten Triebkräfte in unserem Leben sind Emotionen, Gefühle, Leidenschaft. Durch sie spüren wir uns selbst, spüren wir Lebenslust und Lebensfrust. Sie stürzen uns in höchste Erregung und Verwirrung.
Liebe, Hass, Mitleid, Vergeltung, Rache, Sehnsucht, Neid, Schmerz, Hoffnung, Gerechtigkeitsempfinden: Gefühle bringen Bewegung in unser Leben. Sie machen unser Leben bunt und geben ihm Farbe. Weiterlesen

Fremd. Predigt zur Interkulturellen Woche

Wer ist eigentlich fremd? Oder was bedeutet überhaupt fremd? Ist es das Gefühl, nicht dazuzugehören? Anders zu sein als die Umgebung, irgendwie nicht dazuzupassen? Und Zuhause ist dann da, wo ich verstanden werde, wo mir alles vertraut ist, wo manchmal nur eine Andeutung ausreicht (und ich gelöst schwatzen und lachen kann ohne Ende)? Weiterlesen

Demut und Widerstand. Predigt zu 1. Petrus 5

Umfrage in einer Gemeinde um das Jahr 100, irgendwo in Anatolien: Was beschäftigt Sie heute am meisten?
Hermes (38, Sklave): Manchmal kann ich es dem Patron überhaupt nicht recht machen. Heute war er wieder schlecht drauf: mal hü, mal hott, auch wenn es widersinnig ist. Ich habe heute viele Schläge kassiert. Aber ich darf mich nicht beschweren.
Sophia (42, Ehefrau): Daß ich so abhängig bin, macht mich bitter. Mein Mann ist ein freier Bürger und er ist sehr stolz darauf. Hungern müssen wir auch nicht. Aber ich bin nicht frei. Er bestimmt. Auch über mich. Ich darf nichts ohne seine Erlaubnis. Weiterlesen

Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt – Predigt zum Valentinstag

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, denn das ist meine Welt und sonst gar nichts. Das ist, was soll ich machen, meine Natur. Ich kann halt lieben nur und sonst gar nichts.“

2010 wurde in Berlin die Starmeile eröffnet. Marlene Dietrich war die erste, die mit einem Stern verewigt wurde. Begonnen hat sie nicht als Sängerin, sondern mit der Geige. “Bach, Bach, Bach, immer wieder Bach. Acht Stunden am Tag üben. Meine Mutter und ich verloren darüber beinahe den Verstand. Ich gab als erste auf,” erinnert sich Marlene Dietrich. Doch eine Sehnenentzündung war es, die ihre Ausbildung zur Konzertgeigerin beendete. Weiterlesen

Das andere Betlehem – Veränderung beginnt an der Peripherie

Spinne Erzgebirge

Es war viel los an diesem ersten Heiligabend in Bethlehem. Die Beamten schwitzen über Steuerlisten und Statistiken. Überall mussten die Abrechnungen noch fertig werden. Viele hatten Freunde und Verwandte zu Besuch, und die Gäste wollten alle versorgt sein. Die Kinder freuten sich über die Abwechslung und die Alten über Gesichter, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hatten. Die Frauen backten Brot, die Kinder wurden ausgeschickt, Feuerholz zu suchen. Ein kleiner Junge hatte sich das Knie aufgeschürft und weinte. Weiterlesen