Fette Kuh. Über Dicksein und Gerechtigkeit

Der Prophet würde sich sehr wundern, wenn er bei uns nach den fetten Kühen von Samaria Ausschau hielte.** Die Schönen und Reichen räkeln sich heute keineswegs auf samtenen Ruhebetten mit Elfenbeinschnitzereien. Nein, sie strampeln sich im Fitnessstudio ab und trainieren sich das letzte Gramm Fett von den Rippen. Weiterlesen

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Schwarz bin ich und schön – Predigt zum Valentinstag

Schwarz bin ich und schön. Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das Lied der Lieder ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen

Tabus. Predigt über Markus 2,23-28

Da wandern Leute durch ein Getreidefeld, und weil sie Hunger haben, reißen sie sich Ähren ab und stopfen sie in den Mund. Wer will ihnen das verwehren?
Wie engstirnig sind die, die sich darüber aufregen! Nur weil Sabbat ist! Solche Glaubensregeln sind menschenfeindlich! Viele jüdische Gebote sind unzeitgemäß und überholt! Der ganze jüdische Glaube ist überholt, vom Christentum überholt und ersetzt! Will uns das die Geschichte erzählen? Weiterlesen

Unser Körper – ein Tempel

Früher wurde den kleinen Jungs und Mädchen die Hände über der Bettdecke festgebunden, damit sie nicht onanierten. Es wurde ihnen verboten. Sie würden blödsinnig werden. Gott würde auch im Dunkel alles sehen, was sie machen. Alles, was „unten“ war, war schmutzig. Es gab keine Worte dafür.
Seit Siegmund Freud wissen wir, dass Sexualität zum Leben dazugehört. Sie ist eine der großen Triebkräfte. Sie wegzudrängen und nicht darüber zu reden, kann Menschen krank machen. Weiterlesen

Israelsonntag: Die Brille von der Schuld der Juden am Tod Jesu

Juden sind Kinder des Teufels.
Juden gefallen Gott nicht und sind Feinde aller Menschen.
Es gibt viele Freche, unnütze Schwätzer und Verführer, besonders Juden.
Man muß ihnen das Maul stopfen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren.
Du Jude, du belehrst andere, aber dich selbst belehrst du nicht. Du predigst: „Stehlt nicht“, aber stiehlst doch selbst. Du sagst »Brecht nicht die Ehe« und tust es selbst. Du verabscheust Götzenbilder und bereicherst dich am Handel mit ihnen. Joh 8,44; 1 Thess 2,14-16; Titus 1,10-11; Rö 2,21f Weiterlesen

Trinität – Vielfalt bei Gott und den Menschen

Drei Ärzte – vier Meinungen. Oder zehn Theolog_innen – elf Meinungen. Anderswo ist es ähnlich. Das ist manchmal beschwerlich, wenn wir nach einer klaren Antwort suchen. Kein Wunder, daß manche sich wünschen, daß endlich mal Schluß sei mit dem Wirrwarr. Eine klare Meinung muß her, ein Führer, und es soll endlich mal gesagt werden, was richtig ist und was falsch.
Doch im Leben läuft es nicht so. Es gibt nicht nur eine Ursache und eine Wirkung, sondern oftmals ein Bündel von Ursachen und eine Fülle von Auswirkungen. Wir leben in einer vernetzten Welt und merken immer mehr, wie alles voneinander abhängt und vieles sich bedingt. Weiterlesen

Demut und Widerstand. Predigt zu 1. Petrus 5

Umfrage in einer Gemeinde um das Jahr 100, irgendwo in Anatolien: Was beschäftigt Sie heute am meisten?
Hermes (38, Sklave): Manchmal kann ich es dem Patron überhaupt nicht recht machen. Heute war er wieder schlecht drauf: mal hü, mal hott, auch wenn es widersinnig ist. Ich habe heute viele Schläge kassiert. Aber ich darf mich nicht beschweren.
Sophia (42, Ehefrau): Daß ich so abhängig bin, macht mich bitter. Mein Mann ist ein freier Bürger und er ist sehr stolz darauf. Hungern müssen wir auch nicht. Aber ich bin nicht frei. Er bestimmt. Auch über mich. Ich darf nichts ohne seine Erlaubnis. Weiterlesen

Glück. Predigt zu Philipper 3,12

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, um es zu ergreifen (Phil. 3, 12)
Ja, renn nur nach dem Glück / doch renne nicht zu sehr / denn alle rennen nach dem Glück / das Glück rennt hinterher. (Bertolt Brecht, Dreigroschenoper)
Wie ist das mit dem Glück? Sind Sie glücklich? Was für eine persönliche Frage, eine indiskrete dazu! Was ist überhaupt Glück? Es gilt als etwas Privates. Im Politik- und Wirtschaftsteil taucht es in der Zeitung kaum je auf, eher auf den hinteren Seiten, wo vom häuslichen Glück berichtet und geklatscht wird. Da ist vom wilden Glück die Rede und manchmal auch vom stillen oder späten. Trautes Heim, Glück allein? Ist es eine Trutzburg gegen die rauen Winde der Welt? Das Private gegen das Öffentliche? Dort regieren die Statistiken mit Zahlen und Diagrammen. Jedes Prozent Wachstum bedeutet Fortschritt: Wirtschaftswachstum, Zunahme von Mobilität, Außenhandelsbilanz. Weiterlesen

Maria von Magdala und das Tabu, psychisch krank zu sein

Eine Frau, die sich im Internet Susanne nennt, schreibt über ihre Depressionen:
„Manchmal wird meine Krankheit zum Gefängnis. Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Seit Jahren mache ich Therapie, nehme ich Medikamente, arbeite an meinem Verhalten und an meiner Symptomatik ändert sich doch nichts. Noch immer muss ich die Auslöser für meine Depression meiden wie der Teufel das Weihwasser, noch immer bin ich nicht in der Lage, mich an einen Arbeitsplatz zu binden, noch immer leide ich unter massiver Angst vor Nähe. Es gibt Momente, in denen mir mein Leben nicht mehr als lebenswert erscheint. Dann kommen sie, die Gedanken an den Tod. Weiterlesen