Caspar Jacob Mogk und Maria Elisabeth Doetzschel – ein vergnügter Ehestand

Theaterszene zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2004
für drei Personen (Caspar Jacob, Maria Elisabeth und Heinrich Mogk) und Sprecher_in

Caspar. Oh, ein Brautpaar! Schau nur, Maria Elisabeth, und wie schmuck sie aussehen!
Maria E. Sie werden sich auch so freuen wie wir damals, Caspar Jacob! Und hoffentlich bleiben sie auch so vergnügt zusammen wie wir all die Jahre!
Caspar Jacob: Wir haben ganz vergessen, uns vorzustellen. Caspar Jacob Mogk
Maria E: … und Maria Elisabeth Doetzschel – Mogk.
Caspar Jacob: Ihr erinnert uns an unsere eigene Hochzeit! Wir haben nämlich auch hier in der Jacobikirche geheiratet. Ich weiß noch genau, wie es damals war, am 15. Juli 1695, und wie wir damals am Altar gestanden haben.

Maria Elisabeth Mogk
Maria Elisabeth Mogk

Maria E. Wie alt warst du damals eigentlich, Caspar Jacob?
C: Ich war 26.
Maria: Und ich 18. Du bist erst 3 Jahre vorher nach Sangerhausen gekommen und hast bei deinem Vater angefangen. Kaufmann.
Caspar: Damals hast du noch in Frankenhausen gewohnt. Dein Vater war dort auch Kaufmann. Und Bürgermeister.
Maria E.: Aber meine Schwester war schon hier in Sangerhausen verheiratet, mit dem Pfarrerssohn. (zeigt zum Epitaph v. Chr Leyser jun + Anna Clara) Da drüben, der Leyser.
Caspar : Und so habe ich dich kennengelernt.
Maria E: Du kamst viel rum und musstest reisen, dienstlich, zu Geschäftspartnern.
Caspar : Ich war in Frankfurt, Mainz, bis nach Den Haag und Amsterdam. Und alles mit der Pferdekutsche. Da war jene Reise, wo ich bis nach London wollte, aber da kam die Nachricht … … (schluckt)
Maria E: … Dein Vater war krank.
Caspar : Ich war sehr beunruhigt. Schließlich war er schon 73. Ich bin sofort zurück. Obwohl ich mit dem Schiff über den Kanal wollte und war schon alles geplant war.
Maria E: Er wurde nicht mehr gesund.
Caspar: Mein Vater hat uns noch seinen Segen gegeben. Und ein Jahr nach seinem Tod haben wir geheiratet.
Was für Träume hatten wir damals!

Caspar Jacob Mogk
Caspar Jacob Mogk

Maria. Du hattest viel zu tun in dieser Zeit. Deine Geschäfte liefen gut, du hast viel verdient. Der Herzog hat dich sogar zum Kommerzienrat gemacht. Und 12 Jahre lang warst du auch Ratsherr. Diese Sitzungen!
Caspar: Aber das wurde mir dann zuviel.
Maria E. Wie oft haben wir abends lange gesessen und über die Geschäfte geredet! Ich habe für ein offenes und repräsentatives Haus gesorgt. Du musstest ja viele Leute empfangen. Ich hatte immer ein Auge auf die Mitarbeiter und auf die Lieferanten. Mit den Geschäftspartnern habe ich verhandelt. Wenn du nicht da warst, habe ich alles gemanagt.
(traurig) Nur eins hat uns gefehlt …
Caspar: Wir haben keine Kinder. Keinen Sohn, keine Tochter, keine Enkel – und auch niemanden, der das Geschäft übernimmt.
Maria: Das war so bitter: Von Jahr zu Jahr rückte diese Traum ferner. Patentante, das war ich oft. Ein kleines Menschlein zur Taufe bringen. Aber nie war es mein eigenes Kind.
(zeigt zum Taufstein) Jedesmal, wenn ich hier an diesem Taufbecken stand, kamen mir die Tränen. Daß im Leben nicht alle Träume in Erfüllung gehen, habe ich erst mit der Zeit gelernt zu akzeptieren. Das wird bei euch heute nicht anders sein.
Caspar: Dafür ist uns anderes gelungen. Wir haben hier in Sangerhausen viel aufgebaut. Bürgerschaftliches Engagement, würdet ihr heute sagen. Wir haben schon einiges bewegt in dieser Stadt. Vor allem im Sozialen.
Maria: Wir haben auch viel gespendet, für die Kirche und für die Öffentlichkeit. Wir haben es ja zu etwas gebracht.
Caspar: 219 Acker Land, 6 Gärten, das stattliche Haus auf dem Markt, Nr. 17 – dort drüben, neben Westphal. Wir sind wirklich reich, aber wir haben immer davon abgegeben.
Maria: Sangerhausen braucht Leute, die Verantwortung übernehmen, heute sicher auch.
Caspar: Und so sind wir zusammen alt geworden.
Maria: Dein Lebensmotto steht in der Bibel. Jesus hat die Geschichte von einem barmherzigen Samariter erzählt und dann zu den Leuten gesagt: So gehe hin und tue desgleichen.
Caspar: So gehe hin und tue desgleichen. Das soll einmal auf unserem Grabstein stehen.
Maria: Wenn wir sonntags aus unserem Haus über den Markt hierher in den Gottesdienst kommen, überlege ich manchmal, was aus uns werden soll, wenn wir einmal sterben. Ich bin jetzt 64 und du 73.

Johann Heinrich Mogk tritt auf.
Caspar: Ach, da kommt ja Johann Heinrich.
Maria E. (begrüßt ihn:) „Der Fürstliche Rat, Herr Amtmann Johann Heinrich Mogk“.
Johann Heinrich: (verbeugt sich) Der Herr Hochfürstliche Kammerkommissionsrath Caspar Jacob Mogk und Frau Gemahlin Maria Elisabeth!
Caspar (witzelt): Die Leute sagen immer, ich bin dein großer Onkel, weil wir beide Mogk heißen. Irgendwo haben wir auch gemeinsame Vorfahren, denn Mogk ist ein alter Sangerhäuser Name.
Heinrich: Vielleicht nennen sie einmal eine Straße nach uns! Mogkstraße!
Maria E: Was hast du denn da in der Hand? Ein Schriftstück?
Heinrich. Ich habe mein Testament gemacht!
Caspar: Du bist doch erst 61!
Heinrich: Schon 61! Und ich hab ja weder Frau noch Kinder.
Maria E: Hinterläßt du alles deinem Freund, dem Forstmeister Sperling in Pölsfeld??
Heinrich. Nein, das heißt ja, ihm auch. Aber ich hab mir was Besonderes ausgedacht.
Caspar: Eine Überraschung?
Heinrich: Für Sangerhausen
Maria E: Ich kann mir’s schon denken! Du wirst wieder einmal ein paar Waisenkinder beglücken.
Heinrich. Diesmal nicht nur ein paar. Alle!!
Caspar: Dann lies mal vor!

Heinrich. (liest) „Ich bestimme die Erbschaft zur Errichtung eines Armen- und Waisenhauses auf dem Gelände des Stifts, wofür ich zu Lebzeiten genügend Vorschläge gemacht habe. Ich habe diesen Anfang gemacht, um zu zeigen, daß nicht alle Liebe zu den Armen verloschen ist.“

Caspar: Potztausend. Du willst eine Stiftung gründen, eine Waisenhausstiftung! Mit einem Waisenhaus bist du in Sangerhausen bisher immer auf Granit gestoßen. Der Stadtrat war dagegen. „Brauchen wir nicht.“ Aber mit einer Stiftung kann es etwas werden.
Maria E: Caspar Jacob, ich finde das richtig. Und wir werden ihn unterstützen. Du solltest auch dein Testament machen. Und dann gibst du eine schöne Summe zu dieser Stiftung dazu. Dann hat sie eine solide Grundlage – so solide, wie Du immer deine Geschäfte gemacht hast.
Caspar: Ja, gehe hin und tue desgleichen. Mein Motto.

 Zum Publikum:
Maria: Ihr jungen Brautleute, und ihr Sangerhäuser, träumt von der Zukunft! Aber nicht nur von eurer eigenen. Vergeßt nicht, euch in dieser Stadt zu engagieren und von dem, was ihr habt, abzugeben.
Heinrich: Setzt fort, was wir begonnen haben, und erinnert euch an uns. Hier auf diesem Grabstein könnt ihr sie sehen:    Caspar Jacob Mogk und Maria Elisabeth Mogk.

Epitaph des Ehepaars Mogk
Epitaph des Ehepaars Mogk

Sprecher_in:
Johann Heinrich Mogk und das Ehepaar Caspar Jacob und Maria Elisabeth Mogk starben im Jahr 1741. Sie sind die Gründer der Waisenhausstiftung. So trägt ihr Leben, obwohl sie keine Kinder hatten, Früchte über den Tod hinaus – bis heute, 263 Jahre später.
Die Mogkstraße erinnert an sie.
Auf dem Grabstein der beiden steht über das Ehepaar geschrieben:

Sie verheýratheten sich d. 15. Julii ao. 1695.
Doch war ihr langwiehriger u: vergnügter
Ehestand ohne Kinder
Beyde liegen in dieser Kirche begraben,
Welche sie beý Lebzeiten fleißig besucht,
Und im Todte,
Nebst denen übrigen guten Anstallten,
Reichlich versorgt haben,
Was dieser Stein nicht faßet,
Das lerne aus denen gedruckten Nachrichte
Gehe aber auch hin u: thue desgleichen.
Er starb d: 19. Octobr: ao 1741.
Sie aber d: 20. Juny.
1741

Aus der Stadtgeschichte von Friedrich Schmidt:
Heinrich verfügte „die völlige Erbschaft zu Anordnunge eines Armen- und Waisenhauses in hiesigem Stifte zum heil. Geiste, wovon ich bei Lebzeiten allbereits die nöthigen Vorschläge getan habe. Die Einrichtunge der Anstalt zu Erziehung armer Kinder im Stifte zum heil. Geiste überlasse ich Serenissimo und Dero Hochlöbl. Consistorio zu Leipzig. Genug, dass ich den Anfang gemacht, zu zeigen, wie nicht alle Liebe an der Armut verloschen ist. Jedoch ist mein Wille, dass in Zukunft darüber der derzeitige Beamte allhier und sämtliches Ministerium mit Ausschließung des Stadtrathes, welcher bißhero dieser Anstalt sich entgegengesetzt hat, die Aufsicht und Administration führen soll.“ Schmidt I, 821

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