Familiengottesdienst: Franziskus damals und Franziska heute – Fridays for Future

Zwei Franzis treten auf: Franziskus damals und Franziska heute. Beide steigen aus. Beide sind auf der Suche nach neuen Lebensentwürfen, so wie viele junge (und ältere) Leute heute. Franzi will ehrlich leben, gerecht, im Einklang mit der Umwelt. Der Familiengottesdienst eignet sich nicht nur zum Schuljahresende.

Da kommen noch zwei Eltern. Sie haben sich verspätet. Hier am Rand ist noch Platz. Sie unterhalten sich über die Zeugnisse, die es bald gibt. Lauter Einsen.  (Sehr stolz:)
Mutter: Franzi hat nur ausgezeichnete Zeugnisse.
Vater: Wir erwarten nichts anderes von Franzi.
Mutter: Die Welt steht Franzi offen.
Vater: Wir können Franzi alles bezahlen.
Mutter: Was wird Franzi einmal werden?
Vater: Nach dem Studium muß Franzi die Firma übernehmen.

Franzi hat alle Chancen. Was wollt ihr einmal werden? (Mit dem Mikrofon erfragen)
Psalm: Du hast mich gemacht, wie ich bin, und ich kann viel aus meinem Leben machen (siehe unten)

Franzis Mutter stylte sich gerade für eine Shoppingtour als Belohnung für die guten Zeugnisse. Aber Franzi weigerte sich mitzukommen.
Franzi: Ich brauche keine neuen Kleider. Ich will keine Kleider, die von armen Menschen zusammengenäht wurden.
Mutter: Aber Franzi! Wir haben doch alles!
Franzi: Ich will euren Reichtum nicht. Er geht auf Kosten der Armen. Ich will anders leben.
Franzi steigt aus. Lied (z.B.: Halte deine Träume fest, lerne sie zu leben)

Vor vielen hundert Jahren im Süden von Europa, in Italien. Ein anderes Land, eine andere Zeit. Ein anderes Elternpaar. Ihr Kind heißt auch:
Mutter: Franzi! Franzi hat nur ausgezeichnete Zeugnisse.
Vater: Wir erwarten nichts anderes von Franzi.
Mutter: Die Welt steht Franzi offen.
Vater: Wir können Franzi alles bezahlen.
Mutter: Was wird Franzi einmal werden?
Vater: Nach dem Studium muß Franzi die Firma übernehmen.

Franzi hatte alle Chancen. Franzis Vater hatte eine Textilfirma. Er war in der Textilbranche sehr reich geworden. Franzi sollte das Unternehmen weiterführen. Aber Franzi weigerte sich.
Franzi: Ich brauche keine neuen Kleider. Ich will keine Kleider, die von armen Menschen zusammengenäht wurden.
Mutter: Aber Franzi! Wir haben doch alles!
Franzi: Ich will euren Reichtum nicht. Er geht auf Kosten der Armen. Ich will anders leben.
Vater: Du spinnst doch nur! Außerdem lebst du von meinem Geld.

Das stimmte, so wie bei vielen Jugendlichen. Franzi spendete viel, an die Kirche, an Arme. Aber es stammte letztendlich aus dem Geldbeutel seiner Eltern. Doch diesmal ließ sich Franzi davon nicht mehr unter Druck setzen. Er wollte ehrlich leben, nicht verlogen. Franzi warf seinem Vater den Geldbeutel vor die Füße. Dann zog er seine teuren Klamotten aus, eine nach der anderen. Er gab die Kleidungsstücke seinen Eltern zurück, bis er nichts mehr anhatte. (im Gang hinwerfen)
Franzi: Ich will lieber arm sein, so wie Jesus. Ich will in der Wahrheit leben.
Franzi verläßt seine Heimatstadt tatsächlich nackt. Sein Vater sagt sich von ihm los:
Vater: Du bist nicht mehr mein Sohn. Du erbst von mir keinen Cent.

Aber er fand neue Freunde. Sie lasen in der Bibel, was Jesus sagte. Das bestärkte sie.
„Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ (Mt 19,21)  „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd.“ (Lk 9,3)

Sie lebten zusammen. Franzi pflegte Kranke, die Ausschlag hatten und ansteckend waren. Niemand wollte etwas mit diesen Aussätzige zu tun haben. Franzi kümmerte sich um sie. So lernte er, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Er entdeckte Gott bei den armen Menschen, in den  Aussätzigen, in der Natur. Die Erde ist nicht tot. Sie ist nicht nur ein Steinbruch, um Bodenschätze auszubeuten. Die Bäume sind nicht nur zum Abholzen da. Das Meer ist keine Müllkippe. Die Erde lebt. Der Wind, die Quelle – alles lebt.
Franzi: Die Erde ist meine Mutter, der Wind mein Bruder, der Mond meine Schwester.
Franzi lernte die Sprache der Tiere. Er redete mit Vögeln und freundete sich sogar mit einem bösartigen Wolf an. Seine Eltern hätten nie verstanden, wie Franzi glücklich sein konnte, so völlig ohne Geld.
Franzi:  Ich brauche es nicht.
Franzi wollte nie mehr etwas besitzen. Teilen schon. Gemeinsam nutzen auch. Oder leihen und weitergeben. Aber er wollte kein Haus haben, keine Hütte, schon gar kein Geld.
Franzi: Wenn ich nichts habe, muß ich nicht aufräumen. Wenn ich nichts habe, kann ich zu jeder Zeit woandershin gehen und muß nicht viel schleppen. Ich  brauche mir keine Sorge machen, daß mir jemand etwas wegnehmen könnte. Ich fühle ich mich viel freier.

Viele junge Leute schlossen sich Franzis Gruppe an und wollten so leben wie er. Manche hatten sich mit ihren Eltern zerstritten, so wie Franzi. Auch Mädchen kamen. Clara war die erste. Sie brachte ihre Schwestern mit, ihre Mutter, Freundinnen und ihre Tante. Franzi gründete einen Orden und stellte Regeln auf für ihr Zusammenleben. Clara stellte die Regeln für die Frauen auf.
Franzi schärfte seinen Freund*innen ein:
Franzi: Ihr dürft nichts besitzen. Bleibt arm.
Sollen wir nicht einmal ein Buch mit den Psalmen aus der Bibel haben, fragten seine Freunde.
Franzi: Nein, nicht einmal ein Buch mit Psalmen.
Franzi reichte ihnen einen Zettel und sie lasen vor:
Wenn du erst einmal ein Buch mit Psalmen besitzt, dann wirst du auch bald auf einem besonderen Sessel thronen wie ein einflussreicher Mann, und dann dauert es nicht mehr lange und du sagst zu einem deiner Freunde: Bruder, komm her und reiche mir das Buch mit den Psalmen.

Franzi liebte Gott. Als er starb, borgten ihm seine Freunde ein Gewand. Vorher dichtete er ein Lied, den Sonnengesang.
Sieben Kinder mit sieben großen Symbolen des Sonnengesangs auf großen Papierschildern sprechen jeweils einen Vers des Sonnengesangs in kindgerechter Form (s.u.) und stellen sich im Gang auf, danach singen sie gemeinsam die  1. Strophe von „Laudato si“ EG 515

Am letzten Tag seines Lebens legte Franzi sich flach auf die Erde. Verbunden mit der Erde wollte er sterben. Er ließ sich den Sonnengesang vorsingen. In der Abenddämmerung flatterten Lerchen herein. Die mochte er besonders. Es war, als würden die Lerchen seine Seele in Empfang nehmen und mit ihm in eine andere Welt fliegen. Franzi starb genau so, wie er es sich immer gewünscht hatte: arm und im Frieden mit sich, mit der Natur und mit Gott.
Schon bald verehrten die Menschen ihn als Heiligen, bis heute. Sein richtiger Name lautet Franziskus von Assisi. Der jetzige Papst hat sich sogar nach ihm benannt, Papst Franziskus, und sein erstes ausführliches Schreiben an die Weltbevölkerung heißt wie der Sonnengesang „Laudato si“. Die Orden der Franziskaner und der Klarissen gibt es noch heute, und sie kümmern sich um arme Menschen und betreiben Suppenküchen. Lied (z.B. Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt)

Und Franzi heute? Franzi heute heißt vielleicht Franziska. Oder Greta. Franziska heute erschrickt, wenn sie im Fernsehen sieht, wieviel Plastik in den Meeren schwimmt. Sie überlegt, wie wir weniger Müll hinterlassen können. Oder am besten erst gar keinen Müll erzeugen. Vieles könnten wir uns teilen, überlegt sie weiter. Dann brauchen nicht alle teure Werkzeuge kaufen, die sie nur einmal im Jahr nutzen. Sondern sie schaffen sich gemeinsam eine an. Das ist außerdem billiger. Oder sie teilen sich ein Auto.
Franzi heute fährt Fahrrad. Und sie fordert: Wir brauchen weniger Autos. Lasst mehr Busse und Bahnen fahren. Vor allem baut lieber Radwege.
Franzi heute findet: Wir werfen zu viel weg, was wir noch gebrauchen könnten, schicke Anziehsachen zum Beispiel. Sie organisiert eine Tauschbörse für Kleider. Sie rettet Nahrungsmittel aus dem Container. Und wenn sie doch einmal zuviel eingekauft hat und es nicht gebrauchen kann, stellt sie es in einen öffentlichen Kühlschrank, aus dem sich alle bedienen können, die Hunger haben.
Franzi heute möbelt die Erwachsenen auf: Die Erde gehört nicht euch. Denkt an die Kinder, an die Enkel. Setzt endlich Regeln zum Schutz des Klimas durch. Zerstört nicht die Erde, sondern liebt sie, so wie Franzi damals.

Franzi und Franzi: Die Erde ist meine Mutter, der Wind mein Bruder, der Mond meine Schwester.
Lied (z.B. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen)
als Gebet: O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens
Lied: Laudato si (EG 515), Segen, Orgelnachspiel

Der Gottesdienst ist so angelegt, daß das meiste von der Erzähler*in gelesen wird und die Texte der beiden Franzis so kurz wie möglich sind. Die beiden Elternpaare können sitzenbleiben und lesen von der Bank aus. Auch die Freund*innen lesen ihre Texte nur vor.
Die Gedanken von Franzi heute im letzten Abschnitt sind nur eine Anregung. Besser ist es, wenn Jugendliche ihre Überlegungen selbst formulieren und sprechen. Bei uns beginnt Franzi diesen Teil auf der Empore und kommt dann langsam herunter.
In unserem Gottesdienst erzählt außerdem vor dem Gebet ein Schüler vom ersten „Friday for Future“, das er im Landkreis organisiert hat.

Zum Weiterlesen: Andacht zu Franziskus
Andere Gottesdienste in der Trinitatiszeit
Andere Predigten zu Erntedank und Gerechtigkeit

Sonnengesang für Kinder (mit großen Symbolen auf Papier, die hochgehalten werden)
1. Die Sonne
Gelobt seist Du, Gott, mit allen Deinen Geschöpfen, vor allem mit der edlen Schwester Sonne. Sie bringt jeden Tag und spendet das Licht, sie ist schön und strahlt im mächtigen Glanz:
2. Der Mond und die Sterne
Gelobt seist Du, Gott,für Bruder Mond und die Sterne. Du hast sie am Himmel gebildet,klar und kostbar und schön.
3. Der Wind und das Wetter
Gelobt seist Du, Gott,für Bruder Wind und die Luft, durch bewölkten und heiteren Himmel und jegliches Wetter.
4. Das Wasser
Gelobt seist Du, Gott, für Schwester Wasser; so wichtig ist das Wasserund kostbar und rein.
5. Das Feuer
Gelobt seist Du, Gott, für Bruder Feuer;mit ihm erleuchtest Du uns die Nacht.Es ist schön und freundlich, gewaltig und stark.
6. Die Erde
Gelobt seist Du, Gott, für unsere Schwester,die Mutter Erde;sie trägt und erhält uns, bringt vielerlei Früchte hervor und Kräuter und bunte Blumen.
7. Der Tod
Gelobt seist Du, Gott, für unsere Schwester, den Tod. Wir kommen alle gemeinsam auf diese Welt und verlassen sie gemeinsam. Du birgst uns mit Liebe.
(Sonnengesang 1-6 nach dem Entwurf für einen Gottesdienst mit kleineren Kindern „Dank für die Schöpfung. Der Sonnengesang des Franziskus“ der Kinderkirche St. Martin / St. Josef im Hain vom 8.7.2007; 7. Strophe aus einem Glaubensbekenntnis einer Konfirmandin)

Psalm
Du hast mich gemacht, Gott, wie ich bin, und ich kann viel aus meinem Leben machen.
Ich möchte, was ich tue, richtig machen
und Bescheid wissen, worauf es ankommt.
Ich möchte fair sein zu den Menschen, die mir begegnen;
krumme Wege will ich nicht gehen.
Du hast mich gemacht, Gott, wie ich bin, und ich kann viel aus meinem Leben machen.
Ich möchte sagen können, was ich denke, und schweigen, wenn ich nichts zu sagen habe.
Böse Absichten und hinterlistige Gedanken möchte ich mir aus dem Kopf schlagen;
und wenn jemand Verleumdungen verbreitet, möchte ich, dass niemand auf ihn hört.
Du hast mich gemacht, Gott, wie ich bin, und ich kann viel aus meinem Leben machen.
Ich möchte nicht mehr sein wollen, als ich bin, auch nicht mehr haben, als mir zusteht.
Ich möchte nicht stolz und aufgeblasen sein,
sondern ein Mensch, von dem andere denken: Auf die ist Verlaß.
Du hast mich gemacht, Gott, wie ich bin, und ich kann viel aus meinem Leben machen.
Laß mir gelingen, was ich mir wünsche. Mach du mein Leben gut.
(Psalm aus: Sagt Gott, wie wunderbar er ist. Leinfelden/Echterdingen 1995, S. 103)

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