Bequemes Joch?

Wie gehen Sie mit Belastungen um? Vielleicht gehören Sie zu den Glücklichen, die gut klarkommen und bei denen gerade alles stimmt. Aber vielleicht haben auch Sie schon schwierige Zeiten durch. Für viele in unserem Land bringt Corona große Belastungen mit sich. Manche schleppen Konflikte in der Familie mit sich herum. Beschäftigte in schlechtbezahlten Branchen strampeln  sich Tag für Tag ab und fallen abends erschöpft ins Bett, einfach nur, um über die Runden zu kommen. Jesus nimmt die Verlierer unserer Weltordnung wahr, die ausgepresst werden und ein um das „andere Mal übersehen und überrumpelt, beschämt und beschädigt werden“*. Ich will euch ausruhen lassen, bietet er ihnen an. Er kümmert sich, dass Menschen ausatmen können. Ein Rastplatz für Körper und Seele will er sein. Wo finden wir Orte, an denen wir aufatmen können, und wie können wir Oasen schaffen für Menschen, die überfordert sind? Und vor allem: wie können wir Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen gar nicht erst ans Ende ihrer Kräfte kommen? Wie verteilen wir Lasten gerecht, zwischen Frauen und Männern, Nord und Süd?

Ein zweites: Jesus bietet an, die Belastungen zu tauschen und sich auszutauschen: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir … Immer wieder schämen sich Menschen ihrer Lasten. Sie verbergen, was sie beschwert, und verstecken ihre Verletzungen. Manche sind schüchtern und schlucken herunter, was es so schwer macht, statt sich zu wehren. Frauen, denen Gewalt angetan wurde, schämen sich – und gerade nicht die, die sie so behandelt haben. Und ja, die meisten möchten anderen nicht zur Last fallen. Von klein auf lernen wir in unserer Kultur, dass wir stark sein sollen. Wir machen es uns dadurch noch schwerer. Wenn Menschen sich öffnen, wenn jemand zu sprechen beginnt und das Herz ausschüttet, wird es oft leichter. Von anderen lernen – lernt von mir – macht es erträglicher. Das bedeutet auch einander zuhören. In den letzten Tagen wird über Rassismus auch in unserem Land diskutiert. Hören wir einfach zu, was Schwarze Menschen in Deutschland erzählen. Etwa wie es sie erniedrigt, wenn sie als einzige ihren Ausweis vorzeigen müssen. Oder wenn fremde Menschen ihre Haare anfassen. Welche Schimpfworte ihnen im Vorübergehen zugezischt werden. Wie ihre Erfahrung von Rassismus nicht ernstgenommen wird.

Ein drittes. Jesus sagt: Mein Joch ist angenehm, oder bequem, und meine Last ist leicht. Das finde ich interessant. Angenehm oder bequem ist eine Aufgabe ja dann, wenn sie mir keine Mühe macht und mich nicht überfordert. Was mir wie eine zentnerschwere Last erscheint, braucht für andere überhaupt kein Problem zu sein. Sie haben es gelernt und es geht ihnen leicht von der Hand. Wir können die Lasten buchstäblich austauschen,  indem wir uns gegenseitig mit dem helfen, was wir gut bewältigen können.

Wie gehen Sie mit Belastungen um? Welche Mechanismen haben Sie gefunden, die es Ihnen leichter machen? Gott legt den Menschen Lasten auf und wir müssen sie tragen, oder sie sind eine Strafe, sagen manche. Ich glaube das nicht. Sicher sind die Schicksale verschieden und auch, welche Startbedingungen wir haben. Doch Gott hat Lebenskraft und göttliches Funkeln in uns hineingelegt. Wir sollen es zum Strahlen bringen. Jesus will, dass wir es uns gegenseitig leichter machen und uns Gutes tun.

Predigt am 2. Sonntag nach Trinitatis über Matthäus 11,28-30
Andere Predigten in der Trinitatiszeit

* Thomas Posern zu Matthäus 11,28-30 am 2. Sonntag nach Trinitatis 2020 auf nachhaltig-predigen.de

Matthäus 11,28-30 Kommt her zu mir alle, die ihr erschöpft und belastet seid. Ich will euch ausruhen lassen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin wehrlos und im Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist angenehm und meine Last ist leicht. (Übersetzung: angelehnt an Eugen Drewermann)

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