Simon Mosbach (gest. 1573) mit Bibel und Kelch – was sind unsere Zeichen heute?

„Anno 1573 am 18. Tage Junii umb 8 Uhr vor Mittage ist sehliglich in Christo entschlaffen der ehrwirdige achtbare und wohlgelarte Magister Simon Mosbach Pfarher und Superintendens alhier zu Sangerhausen. Seines Alters im 49. Jahr. Got der barmheertzige wolle ihm eine froliche auferstehung vorleihen Amen.“

Simon Mosbach ist der vierte Superintendent nach der Reformation in Sangerhausen. Sein Grabstein ist der älteste in der Jacobikirche. Nicht einmal drei Wochen vorher war Hochzeit. Simon und seine Frau Catharina richteten am 1. Juni die Hochzeit ihrer Tochter aus. Mit dabei waren Samuel, ein 16-jähriger Teenager, der schon seit 5 Jahren in Schulpforte lernte, und Salomon. Johann Metze, der Küster, läutete die Glocken und sperrte mit seinem großen Schlüssel die Kirchentüren weit auf. Die Orgel gab ihr Bestes, aber die Reparatur war erst zwei Jahre später geplant. Dann wurde gefeiert. Weiterlesen

Der verlorene Sohn – eine Initiationsgeschichte. Konfirmationspredigt

Es war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne. Der eine nahm seinen Abschied und zog in die weite Welt. So beginnen viele Märchen. Aber bei euch dreien ist es wirklich so. Ihr habt alle einen Bruder, Andreas einen kleinen, die anderen einen großen. Und es kommt die Zeit, dass ihr euch verabschiedet von euren Eltern und in eure eigene Welt zieht, die innere , die eurer Gedanken und Träume, aber auch die äußere, materielle, dass ihr euch für einen Beruf entscheidet, euer eigenes Geld verdient. Weiterlesen

Beten: die unverschämten Forderungen der Armen

Jesus erzählt aus der Welt der Armen. Von ihrer Not, von ihrer Freundschaft und von ihrer Solidarität.
Nichts zu essen im Haus, kein Krümelchen Brot, nicht für die Familie und schon gar nicht für unerwarteten Besuch. Für einen Freund, der mitten in der Nacht vor der Tür steht.
Kein Bett bei den anderen. Abends werden Matten auf den Fußboden gebreitet. Und die Wohnung ist ein enges Loch, so dicht liegen alle nebeneinander. Selbst die Erwachsenen können sich nicht zur Tür tasten und sie öffnen, ohne alle aus dem Schlaf zu reißen. Wer nachts mal raus muß, hat schlechte Karten und muß bis zum Morgen aushalten. Weiterlesen

Christus im Gefängnis. Osterpredigt

Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. In ein schwarzes, gähnendes Loch, zu den Ratten, die durch das vermodernde Stroh huschen, zu den Elenden und Vergessenen, denen die Augen trüb geworden sind und die Haare verfilzt und verlaust. Wenn hier jemand überlebt, ist es die Hoffnungslosigkeit.
Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. So malt ihn Johannes Rosenau 1445, im stolzen Hermannstadt oder Sibiu, der prächtigen Hauptstadt Siebenbürgens, weit im Osten der christlichen Welt. Weiterlesen

Gründonnerstag – Mahl der Gefühle

Die Vorfreude als Kind auf Weihnachten und die überwältigende Freude, wenn sich die Tür am Heiligabend öffnet. Die erste Liebe. Angst vor einer Operation. Erleichterung nach einem Beinahe-Unfall. Wiedersehensfreude:
Die stärksten Triebkräfte in unserem Leben sind Emotionen, Gefühle, Leidenschaft. Durch sie spüren wir uns selbst, spüren wir Lebenslust und Lebensfrust. Sie stürzen uns in höchste Erregung und Verwirrung.
Liebe, Hass, Mitleid, Vergeltung, Rache, Sehnsucht, Neid, Schmerz, Hoffnung, Gerechtigkeitsempfinden: Gefühle bringen Bewegung in unser Leben. Sie machen unser Leben bunt und geben ihm Farbe. Weiterlesen

Gender Pay Gap: Von Frauengeld und Notgroschen

Reden wir über’s Geld. Oder lieber nicht. Über Geld spricht man nicht. Nicht darüber, was wir verdienen. Und auch nicht darüber, was wir in den Klingelbeutel werfen. Wir erzählen nicht so gern darüber, was jeden Monat auf unserem Konto ankommt. Und nicht alle finden es gut, wenn im Gottesdienst das Kollektenkörbchen herumgeht und alle sehen können, wie viel die anderen hineinwerfen. Es soll Unternehmen geben, die ihren Beschäftigen sogar verbieten, sich über ihren Lohn auszutauschen. Die, die weniger bekommen, könnten sich empören. Weiterlesen

Totensonntag: Stadt der Träume (Offb 21,1-7)

Liebe Gemeinde, wo ist der Nabel der Welt? Wenn wir einen Juden oder eine Jüdin fragen würden, was die Stadt der Städte ist, würde sie antworten: Jerusalem. Nicht New York, nicht London, Paris oder Berlin, sondern Jerusalem. Dorthin hat Gott sie geführt, dort ist der Berg Zion, der Gottesberg, dort regierten David und Salomo, sind die Zinnen des Tempels und heute noch die berühmte Westmauer. Dort, im Tal Kidron, wird die Auferstehung der Toten beginnen. Abraham opferte Isaak auf dem Felsen Moria. An dieser Stelle stand einst der Tempel und heute der Felsendom, die Omar-Moschee. Nach einer Vision fuhr von dort der Prophet Mohammed gen Himmel. Weiterlesen

Schwert des Glaubens? Ent-rüstet euch!

Eisenmann, stahlharter Ritter mit dem Schwert in der Hand, was treibt dich hierher?
Bis an die Zähne bewaffnet – warum verbirgst du dich hinter deinem Visier? Ich kann deine Schritte hören, dein Harnisch scheppert bei jedem Tritt.
Kommst du aus dem Mittelalter oder bist du dem letzten Science-Fiction-Film entsprungen?
Wovor fürchtest du dich so sehr, dass du dich in einem Panzer aus Eisen versteckst, säbelrasselnd, um die Angst zu übertönen – deine eigene?
Warum bist du so erstarrt in deiner Rüstung? Weiterlesen

Fremd. Predigt zur Interkulturellen Woche

Wer ist eigentlich fremd? Oder was bedeutet überhaupt fremd? Ist es das Gefühl, nicht dazuzugehören? Anders zu sein als die Umgebung, irgendwie nicht dazuzupassen? Und Zuhause ist dann da, wo ich verstanden werde, wo mir alles vertraut ist, wo manchmal nur eine Andeutung ausreicht (und ich gelöst schwatzen und lachen kann ohne Ende)? Weiterlesen