Aufstehen zu Ostern

Aufstehen, auferstehen, das ist im Neuen Testament dasselbe Wort (anhistemi).* Menschen stehen auf, nachdem sie gegessen haben, wenn sie krank waren oder wenn sie zu einer Reise aufbrechen. Aufstehen, das ist ein Alltagswort.
Mit diesem Wort beschreibt die Bibel, wie Menschen heil werden. Die kranke Schwiegermutter des Petrus steht auf oder der Gelähmte, die Tochter des Jairus oder Maria, die um ihren toten Bruder Lazarus trauert und hört, daß Jesus kommt: Sie steht schnell auf und geht ihm entgegen. Und mit diesem Wort erzählt die Bibel, was zu Ostern passiert: Jesus steht auf.
Wir sagen meistens „auferstehen“. In der Kirche schieben wir eine Silbe in das Alltagswort und trennen es von dem, was wir täglich erleben. Aus „aufstehen“ wird „auferstehen“ und aus „aufwecken“ „auferweckt“.

Aber in der Bibel gehört es zusammen. Weiterlesen

Haus – Gemeinde – Gemeindehaus

Das Christentum begann in den Häusern. Es kommt aus den Häusern in Jerusalem, Antiochia, Joppe. Das Haus von Maria und ihrer Sklavin Rhode, von Hananias und Saphira, von Tabita in Joppe, der Witwen in Jerusalem. Bei ihnen, in ihren Häusern sammelten sich die ersten Gemeinden und breiteten sich aus, nach Antiochia, nach Syrien, schließlich nach Europa – zu Lydia in Philippi, der ersten europäischen Christin, zu Priska und Aquila in Korinth, bis nach Rom, zur Apostelin Junia und ihrem Mann Andronikus. Die Frauen, denen der Auferstandene die Botschaft am Ostersonntag auftrug: Geht nach Galiläa, sie haben ihren Auftrag erfüllt.
Später trafen sich die Gemeinden im Umfeld von Synagogen und Katakomben. Erst viel später bauten sie Kirchen. Und Klöster. Und Paläste. Und Residenzen, wie die Neue Residenz in Halle. Weiterlesen

Catharina und ihre Gäste

Catharina und ihre Gäste – Szenische Gottesdienste zur Eröffnung und zum Abschluss der Wanderausstellung „Frauen der Reformation in der Region“
Ähnlich wie die Friedliche Revolution von 1989 war auch die Reformation nicht nur das Werk von Martin Luther oder einiger bekannter Namen wie Justus Jonas, Johannes Bugenhagen oder Johannes Calvin. Sie wurde stattdessen von vielen Menschen aufgenommen, getragen und vorangetrieben. Die Ausstellung zeigt einige, wenige der vielen Frauen, die in der Zeit der Reformation ebenso mutig, beharrlich und durchsetzungsstark gehandelt haben wie die Männer und dazu beigetragen haben, daß die Reformation sich durchsetzen konnte. Solche Frauen haben auch hier, in und um Sangerhausen, in unserem Landkreis, gelebt und gewirkt. Sie kommen aus Liedersdorf, Allstedt oder Stolberg. Aber bis jetzt hat kaum jemand Notiz von ihnen genommen. Die Ausstellung rückt die Frauen aus dem Schatten in unser Bewußtsein und korrigiert unser Bild von Reformation als Heldengeschichte. Weiterlesen

Brotwerdung Gottes

Ich bin das Brot, das vom Himmel herabsteigt. Das Brot steigt vom Himmel herab. Kann Brot herabsteigen? Was für eine urtümliche Vorstellung! Stammt sie aus Zeiten, in denen Bäume und Tiere sprechen konnten, die Quellen Zauberworte murmeln und eine Blume eine Tür zu öffnen vermag?  Die Erde tut ihren Mund auf, das Blut des erschlagenen Bruders ruft zum Himmel um Hilfe und die Wolken regnen Gerechtigkeit herab auf die Menschen.
Das Brot steigt vom Himmel herab. Das Bild von Jesus versetzt uns in andere Zeiten, in eine andere Welt.
Aber die Zeiten damals, sie waren keineswegs wundersam, sondern hart und bitter. Das Brot war kostbar für die, die nichts zu beißen hatten. Die Luft war erfüllt von Schweiß und Tränen, sie hallte wider von den rauen Befehlen der römischen Soldaten, von Peitschenknall und dem Schluchzen der Armen. Weiterlesen

Schwarz bin ich und schön – Predigt zum Valentinstag

Schwarz bin ich und schön (Hoheslied 1,5). Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das „Lied der Lieder“ („Hoheslied“) ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen

Feiern als Protest

Neulich war ich im Museum. „Berühren verboten“, „Bitte nicht anfassen“ steht meistens im Museum auf Schildern. Hier aber klebten an den Kästen Zettel „Bei Stillstand Knopf drücken“. Ein Museum zum Gucken, wo es ausdrücklich erwünscht ist, etwas in Bewegung zu setzen. Weiterlesen

Silvester: Dornröschen oder Die Wahrheit macht euch frei

An Dornröschen wurden die Gaben der zwölf weisen Frauen erfüllt, denn es ward so schön, sittsam, freundlich und verständig, dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste. … Es geschah, dass an dem Tage, wo es gerade fünfzehn Jahr alt ward, der König und die Königin nicht zu Hause waren und das Mädchen ganz allein im Schloss zurückblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel, und als es ihn umdrehte, sprang die Türe auf, und saß da in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig Flachs.
Die Wahrheit wird euch befreien.
In diesen Tagen ziehen wir Bilanz. In den Zeitungen wird Rückblick gehalten auf die Ereignisse und Skandale des Jahres. Alles wird noch einmal durchgekaut, und auch wir halten Rückschau auf die letzten zwölf Monate, auf die Höhepunkte und die Tiefpunkte, auf die Freuden und die Enttäuschungen. Schnell ist es vergangen, zu schnell, finden die meisten. Schon wieder Silvester, schon wieder ein Jahr vorbei, schon wieder ein Jahr älter geworden. Eine Wahrheit, die wehmütig machen kann. Die Wahrheit macht frei? Eher macht sie uns unsicher. Manchmal möchten wir’s lieber nicht zu genau wissen. Die Wahrheit befreit, sagt Jesus, aber sie kann uns auch erschlagen. Oder bedrohen. Weiterlesen

Heiligabend: Der erfundene Wirt.

Krippe Erzgebirge

Wenn Maria und Josef in Bethlehem angekommen sind, hat der Wirt im Krippenspiel seinen Auftritt. Er steckt seinen Kopf aus der Tür. Kein Platz bei uns, weist er die beiden ab, trotz flehentlicher Bitten. Erst in der letzten Herberge finden sie Aufnahme. Manchmal ist es die Wirtsfrau, die ihrem Mann gut zuredet und den beiden einen Platz im Stall zuweist. So wird Jesus geboren. Weiterlesen

Segen und Verantwortung über Generationen

„Gott ist barmherzig und gnädig, der Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft läßt er niemand, sondern sucht die Missetat der Eltern heim an Kindern und Enkeln bis in die dritte und vierte Generation.“ (Ex 34. 6b-7) Gnade über tausende Generationen: solche Worte tun gut und sind tröstlich. Es gibt eine Tradition des Guten, und sie ist stärker als das Kaputte und Böse. Der Segen des Guten pflanzt sich fort. Er reicht weit hinaus über unser eigenes Leben. Wir wissen ebenso, daß sich Verletzungen über Generationen weitergeben.  Weiterlesen