Kinder loslassen – Hanna und Samuel

Kinder loslassen: Hanna und Samuel (1. Samuel 1 – 3)

Hanna bringt ihren Sohn Samuel in den Tempel. Er wächst dort auf, bekommt Unterricht und zugleich die Grundlagen für seine spätere berufliche Existenz. Zu allen Zeiten haben Eltern ihre Kinder zu Heiligtümern und Kirchen gebracht. Mütter haben ihre Kinder dort abgelegt als Findelkinder, weil sie nicht weiterwussten. Besonders für unverheiratete Mütter war das oft der letzte Ausweg. Die ersten Babyklappen entstanden an Kirchen und Klöstern. Weiterlesen

Wie werden Menschen mutig? Predigt zu Invocavit über 2 Kor 6,1-10

Im August 1995 erscheint in Malaysia ein Bericht, der die Regierung in Angst und Schrecken versetzt. Er trägt den sperrigen Titel “Missbrauch, Folter und entwürdigende Behandlung von Gastarbeitern in Internierungslagern”. Was die Regierung so in Rage bringt: Der Bericht der Frauenrechtsorganisation Tenaganita ist wahr. Es hat sogar Todesfälle in Abschiebelagern gegeben, 42 an der Zahl. Weiterlesen

Geburt und Gebären

Damals
  als Gott
  im Schrei der Geburt
  die Gottesbilder zerschlug
  und
  zwischen Marias Schenkeln
  runzlig rot
  das Kind lag.“                       
  (Kurt Marti, Gedichte am Rand)
Da feiern wir also heute Geburtstag – und wissen doch herzlich wenig über die Umstände dieser Geburt. Selbst wo sie stattfand, in Bethlehem oder doch anderswo, in Nazareth oder unterwegs, ist nicht sicher. Doch bei uns ist es ähnlich. An das Ereignis selbst können wir uns nicht erinnern. Niemand kann sich an die eigene Geburt erinnern. Das ist Sache der Mütter. Und für die Mütter ist jede Geburt ein Einschnitt und so eigen und unverwechselbar wie das Kind, das da zur Welt kommt. Die Mütter tragen das Wissen um die Geburt und den Schmerz eines jeden Kindes in sich. Weiterlesen

Barbara – Turm und Kelch

Die Legende von Barbara ist schnell erzählt, von Dioskurus, ihrem Vater, und Diotyma, ihrer christlichen Dienerin.
[Hier könnte die Barbara-Legende erzählt werden: Es war einmal ein reicher und einflussreicher Mann, Dioskurus von Nikomedien. Der hatte eine wunderschöne Tochter namens Barbara. Barbara war das schönste Mädchen unter der Sonne, sie war ihres Vaters Freude und ganzer Stolz. Alle Bewerber, die um ihre Hand anhielten, ließ er abweisen.
Es begab sich nun, dass Dioskurus auf Reisen gehen wollte. Weiterlesen

Über den Mut, Nein zu sagen. Predigt zu Mt 21,28-31

Liebe Gemeinde, so etwas ist Ihnen allen sicher schon passiert: Sie haben mit jemandem etwas verabredet und dann werden Sie versetzt. Das ist ärgerlich. Da hat Ihnen jemand versprochen, in der Wohnung etwas zu reparieren: „das kriegen wir schon hin“, oder Sie in einer kniffligen Angelegenheit bei einem Amt zu unterstützen: „Ja, ja, das machen wir“, hat großspurig alle Zweifel vom Tisch gewischt. Und wer war nicht da, als es konkret wurde?? Aber vielleicht haben Sie’s auch schon andersherum erlebt: Sie haben um Hilfe gebeten und eine glatte Absage geerntet: Nein, da führt kein Weg hinein, auf keinen Fall. Und als Sie sich schon damit abgefunden hatten – was bleibt anderes übrig – kommt genau dieser Mensch und sagt: ich hab was für Sie. Oder: füllen Sie mal den Antrag aus. Das gibt’s auch, zugegebenermaßen seltener. Weiterlesen

Simon Mosbach (gest. 1573) mit Bibel und Kelch – was sind unsere Zeichen heute?

„Anno 1573 am 18. Tage Junii umb 8 Uhr vor Mittage ist sehliglich in Christo entschlaffen der ehrwirdige achtbare und wohlgelarte Magister Simon Mosbach Pfarher und Superintendens alhier zu Sangerhausen. Seines Alters im 49. Jahr. Got der barmheertzige wolle ihm eine froliche auferstehung vorleihen Amen.“

Simon Mosbach ist der vierte Superintendent nach der Reformation in Sangerhausen. Sein Grabstein ist der älteste in der Jacobikirche. Nicht einmal drei Wochen vorher war Hochzeit. Simon und seine Frau Catharina richteten am 1. Juni die Hochzeit ihrer Tochter aus. Mit dabei waren Samuel, ein 16-jähriger Teenager, der schon seit 5 Jahren in Schulpforte lernte, und Salomon. Johann Metze, der Küster, läutete die Glocken und sperrte mit seinem großen Schlüssel die Kirchentüren weit auf. Die Orgel gab ihr Bestes, aber die Reparatur war erst zwei Jahre später geplant. Dann wurde gefeiert. Weiterlesen

Der verlorene Sohn – eine Initiationsgeschichte. Konfirmationspredigt

Es war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne. Der eine nahm seinen Abschied und zog in die weite Welt. So beginnen viele Märchen. Aber bei euch dreien ist es wirklich so. Ihr habt alle einen Bruder, Andreas einen kleinen, die anderen einen großen. Und es kommt die Zeit, dass ihr euch verabschiedet von euren Eltern und in eure eigene Welt zieht, die innere , die eurer Gedanken und Träume, aber auch die äußere, materielle, dass ihr euch für einen Beruf entscheidet, euer eigenes Geld verdient. Weiterlesen

Beten: die unverschämten Forderungen der Armen

Jesus erzählt aus der Welt der Armen. Von ihrer Not, von ihrer Freundschaft und von ihrer Solidarität.
Nichts zu essen im Haus, kein Krümelchen Brot, nicht für die Familie und schon gar nicht für unerwarteten Besuch. Für einen Freund, der mitten in der Nacht vor der Tür steht.
Kein Bett bei den anderen. Abends werden Matten auf den Fußboden gebreitet. Und die Wohnung ist ein enges Loch, so dicht liegen alle nebeneinander. Selbst die Erwachsenen können sich nicht zur Tür tasten und sie öffnen, ohne alle aus dem Schlaf zu reißen. Wer nachts mal raus muß, hat schlechte Karten und muß bis zum Morgen aushalten. Weiterlesen

Christus im Gefängnis. Osterpredigt

Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. In ein schwarzes, gähnendes Loch, zu den Ratten, die durch das vermodernde Stroh huschen, zu den Elenden und Vergessenen, denen die Augen trüb geworden sind und die Haare verfilzt und verlaust. Wenn hier jemand überlebt, ist es die Hoffnungslosigkeit.
Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. So malt ihn Johannes Rosenau 1445, im stolzen Hermannstadt oder Sibiu, der prächtigen Hauptstadt Siebenbürgens, weit im Osten der christlichen Welt. Weiterlesen