Die suchende Frau – Predigt zur Goldenen Konfirmation über Lukas 15

Wie zeitaufwändig ist es doch, wenn man oder frau nach dem Schlüssel sucht oder das Portemonnaie nicht findet oder die Brille verlegt hat. Da guckt man hier und sieht dort nach, kramt in Tasche, wühlt in Schränken, bis sich das Verlorene wieder anfindet – welch ein Glück! Wir alle verbrauchen einen Teil unserer Zeit zum Suchen, der eine mehr, die andere weniger. Wir verbrauchen Zeit dafür. Suchen gehört zu unserem Leben dazu, es ist ein Teil unseres Lebens. Dabei ist es keineswegs etwa nur ein Zeichen von schlechter Ordnung oder von nachlassendem Gedächtnis. Weiterlesen

Tiridat – ein neuer Stern am Polithimmel

Krippe Erzgebirge

Liebe Gemeinde! Ein Stern am Polithimmel! Seit Zeiten des Kaisers Nero gab es einen neuen Stern am Polithimmel des römischen Reiches: den Armenier Trdat oder Tiridat. Mit Tiridat hatten die widerspenstigen Armenier die Oberhoheit der Römer anerkannt. Das einst glanzvolle Armenien war endgültig als Provinz in das römische Imperium eingegliedert worden, war Vasall, Rohstofflieferant und Aufmarschbasis geworden. Die Römer hatten das Ganze als effektvollen Public-Relation-Aktion für ihre Zwecke eingefädelt. Zunächst legte Tiridat seine armenische Königskrone nieder. Dann zog er im Jahr 66 mit großem Gefolge nach Rom, begleitet von Magiern, von Astrologen, mit Prunk. Er huldigte dem Kaiser Nero. Aus seiner Hand empfing er die Krone von neuem. Der Kaiser selbst krönte ihn zum Herrscher über Armenien. Weiterlesen

Ich lebe und ihr sollt auch leben (Johannes 14,19)

Welch merkwürdige letzte Worte! Auf dem Totenbett sollen Goethes letzte Worte gewesen sein: Mehr Licht. Im Volkslied heißt es: Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.
Wie werden wir uns einmal aus diesem Leben verabschieden? Noch nicht! oder Warum?! – weil so vieles ungelebt und liegengeblieben ist und wir uns zu viel mit Nebensächlichem abgegeben haben? Wenn es doch endlich zu Ende wäre! – weil das Leben nicht mehr auszuhalten war? Oder gar nicht, weil Tod und Sterben ein zu großes Tabu sind und weder wir noch unsere Nächsten es wagen, über den Abschied zu sprechen, der unweigerlich kommt? Weiterlesen

Weihnachten: Stroh und Rosen

Ich habe heute eine Rose für die Krippe mitgebracht. Normalerweise ist ja das Stroh drin. Das ist stachelig und raschelt, es duftet nach Stall und ist Streu und Futter für die Tiere. Die Futterkrippe gehört in den Stall, zu den Tieren. Aber ein Kind? Wer würde wohl ein Kind darauf legen? Wie liegt es sich? Weiterlesen

Josef – ein neuer Vater

Krippe Erzgebirge

Wie gut, dass es Josef gab. Er hat sich um Maria gekümmert. Er hat sie nach Betlehem begleitet und ihr zur Seite gestanden. Es wäre traurig gewesen, wenn sie niemanden gehabt hätte. Oder genauer: es wäre alles viel schwieriger gewesen: die Suche nach einer Unterkunft, die Geburt und die erste Zeit danach, die Flucht nach Ägypten. Wer hätte sich mit ihr über das Baby gefreut? Wer hätte es herumgetragen, wenn es nachts weinte, und die Windeln gewechselt? Sicher, ohne Josef wäre es auch gegangen. Maria hätte das Kind auch ohne ihn zur Welt gebracht und es großgezogen, so wie viele Frauen allein zurechtkommen und den Alltag zusammen mit ihren Kindern bewältigen. Maria hätte das genauso geschafft.  Weiterlesen

Günther Dehn: „Gefallen für Volk und Vaterland“ – höchstes Zeichen christlicher Liebe?

Ein Vers aus dem Johannesevangelium hat vor  fast 100 Jahren deutschlandweit für Aufregung gesorgt, und der Ausgangspunkt war ganz in unserer Nähe, in Magdeburg. Es war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in der Gefallenendenkmäler errichtet wurden. Auch in unserer Kirche hingen Tafeln mit Soldatenbildern. Erst beim Kirchenbrand 1971 sind sie verschwunden. Unseren Großeltern und Urgroßeltern wurde beigebracht, Kirche, Volk und Vaterland in einem Atemzug zu nennen. Sterben im Krieg wurde als christliche Pflicht und Ausdruck von Nächstenliebe gedeutet. Und der Bibelvers dazu lautete: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“. (Johannes 15,13) Weiterlesen

Steinigung heute

Liebe Gemeinde, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat auf ihrer Website den Bericht eines Schülers veröffentlicht über ein Ereignis im Iran, wahrscheinlich im Jahr 1992:
„Eines Tages musste ich mit meiner Schulklasse ins Stadion kommen. Es sollte eine Steinigung vollzogen werden, bei der wir zuschauen mussten. Wir saßen auf den Tribünen und warteten. Sandwich-Verkäufer gingen durch die Reihen und boten ihre Waren an. Dann endlich wurde ein Mädchen ins Stadion geführt. Ich erschrak, denn ich erkannte dieses siebzehnjährige Mädchen. Sie wohnte in unserer Straße, und als Kinder hatten wir miteinander gespielt. Ein Mullah las ihr das Urteil vor: „Im Namen Allahs, des Barmherzigen, wirst du zum Tode verurteilt durch Steinigung.“ Weiterlesen

Einander und Gott segnen

Die Eltern von sieben Kindern haben mir einmal erzählt, dass sie ihre Kinder manchmal gesegnet haben. Einfach so, ohne besonderen Anlass. Die Kleineren sind zu Mutter oder Vater gelaufen, die Eltern haben sie umarmt, gedrückt, die Hände auf die kleinen Köpfe gelegt und sie gesegnet. Die Kinder müssen gespürt haben, dass das besondere Momente waren, denn die Älteren sind dann manchmal auch gekommen und wollten ebenfalls gesegnet werden. Von Zeit zu Zeit kam das also vor. Es hat offensichtlich beiden Teilen gut getan, Eltern und Kindern. Weiterlesen

Tanzen

Kantate erinnert uns daran zu singen und zu loben, Tanzgottesdienst, das mit unserem Körper zu tun. Ob Menschen singen und loben und dankbar sein können, ist nicht nur eine Frage der Mentalität oder der Lebensumstände. Schwierigkeiten und Probleme gehören zu jedem Leben dazu. Es ist auch die Frage, wie wir damit umgehen. Weiterlesen