Totensonntag: Stadt der Träume (Offb 21,1-7)

Liebe Gemeinde, wo ist der Nabel der Welt? Wenn wir einen Juden oder eine Jüdin fragen würden, was die Stadt der Städte ist, würde sie antworten: Jerusalem. Nicht New York, nicht London, Paris oder Berlin, sondern Jerusalem. Dorthin hat Gott sie geführt, dort ist der Berg Zion, der Gottesberg, dort regierten David und Salomo, sind die Zinnen des Tempels und heute noch die berühmte Westmauer. Dort, im Tal Kidron, wird die Auferstehung der Toten beginnen. Abraham opferte Isaak auf dem Felsen Moria. An dieser Stelle stand einst der Tempel und heute der Felsendom, die Omar-Moschee. Nach einer Vision fuhr von dort der Prophet Mohammed gen Himmel. Weiterlesen

Ich lebe und ihr sollt auch leben (Johannes 14,19)

Welch merkwürdige letzte Worte! Auf dem Totenbett sollen Goethes letzte Worte gewesen sein: Mehr Licht. Im Volkslied heißt es: Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.
Wie werden wir uns einmal aus diesem Leben verabschieden? Noch nicht! oder Warum?! – weil so vieles ungelebt und liegengeblieben ist und wir uns zu viel mit Nebensächlichem abgegeben haben? Wenn es doch endlich zu Ende wäre! – weil das Leben nicht mehr auszuhalten war? Oder gar nicht, weil Tod und Sterben ein zu großes Tabu sind und weder wir noch unsere Nächsten es wagen, über den Abschied zu sprechen, der unweigerlich kommt? Weiterlesen

In den Spiegel schauen

Im Jahr 2006 haben wir den 150. Geburtstag von Sigmund Freud, dem Vater der Psychoanalyse, begangen. Freud hat sich der Erforschung dessen gewidmet, was wir als das Unbewusste bezeichnen. Denn was wir denken und wollen, bestimmt uns nur zum Teil. Unser Verstand und unser Wille ist nur ein Teil unserer Persönlichkeit. Eine Fülle von Gefühlen, Sehnsüchten, Trieben, Enttäuschungen und Erfahrung wohnt in uns – und prägt uns. Wie gut kennen wir uns eigentlich? Weiterlesen

Michael, der Seelenwäger. Predigt am Totensonntag

Liebe Gemeinde, sehen Sie links oben sehen die Reste des Wandgemäldes? Es ist ein Engel im wallenden Gewand. Doch er ist anders als die Engel auf Weihnachtsbildern dargestellt, auf unserer Kanzel oder an der Orgel. Er trägt eine Waage in der Hand und ein Schwert ist zu sehen. Er ist nicht lieblich, sondern zeigt ein anderes Gesicht. Es ist Michael, der Erzengel, oder auch Michael, der Seelenwäger. Waage und Schwert sind meist das Attribut der Gerechtigkeit, die nicht nach dem Ansehen urteilt. Hier, bei Michael, erinnert es an den Tod. Weiterlesen

Kirchenbücher – der Name bleibt

Joh. Metz, Kirchendiener, 11.Dec. 1601. Ich hatte seinen Sterbeeintrag gefunden! Unser Johannes Metze, der Kanzelträger in der Jacobikirche! Es hatte sich gelohnt, nach ihm zu suchen, sein Name steht in unserem Kirchenbuch. Er war vor 400 Jahren unser Küster; seine farbige Holzfigur steht mit einem riesigen Kirchenschlüssel in der Hand unter der Kanzel. Nach und nach fand ich noch mehr: dass er verwitwet war und seine Frau 5 Jahre vor ihm starb. Dass er eine Tochter Barbara hatte, die ihren Liebsten Hieronymus Kühne 1579 heiratete. Dass 1581 ein Enkelchen geboren wurde, Maria. Ich bekam sogar heraus, mit wem die jungen Leute befreundet waren, nämlich wenn sie bei anderen Familien Pate standen. Weiterlesen

Rose und Hagebutte – Andacht zum Hagebuttenfest

Die Rose steht für die Liebe, für Schönheit, für Unberührtheit und das Unberührbare. Eine Rosenknospe ist ein Symbol für das Leben, das noch am Anfang steht und unverbraucht ist, sie steht für das Leben, das sich erst entfalten will und noch alle Möglichkeiten in sich trägt. Manchmal ist sie auch auf Grabsteinen zu sehen, wie ein leiser Protest, so als würde sie einwenden: Der Tod ist bitter, aber die Liebe ist stärker als der Tod. Die Rose – ein Sinnbild für Schönheit und Liebe.

Was aber kommt danach? Nur die Werbezeitungen machen uns glauben, dass die Jugend ewig währt. Was wird mit uns, wenn die Rose verwelkt und die Jahre vergehen? Was bleibt, wenn der Duft sich verflüchtigt, wenn die Blütenblätter ausfallen und die Haare licht werden? Dann wird die Rose zur Hagebutte. Die Blüte der Jahre trägt Frucht, leuchtend rot und voller Samen. Weiterlesen

Berge besteigen – Predigt zu Matthäus 28,18-20

8000 ist die magische Zahl des Bergsteigens. Ab hier beginnt die Todeszone. Die Zahl ist das Achttausendfache des Urmeters. Das Himalaja-Gebirge hat 14 Achttausender. Der Mount Everest ist der höchste, 8848 m. 1953 gelang die Erstbesteigung, 1978 erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler zum ersten Mal den Gipfel des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff. An manchen Tagen belagern 300 Zelte den Everest. Nicht nur die Menschen leiden unter diesem Andrang, auch die Natur. Der Everest verwandelte sich zunehmend zu einer Müllkippe. Verpackungen, Fäkalien und vor allem leere Sauerstoffflaschen. Weiterlesen

Häuser. Predigt zu 2 Kor 5, 1-4

Wenn das irdische Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut…                 (2 Kor 5,1)
„Und da stand ich wieder, nach 14 Jahren, vor unserem Haus, meine Mutter oben hinter der Gardine, ich mußte lange klingeln, da stand ich wieder. 20 Jahre bist du nicht zu Hause gewesen, unterbrach mich meine Mutter, wie du aussiehst, steck dein Hemd rein, so stehst du unten vor der Haustür, wenn das einer sieht, (…) unterbrich mich nicht, 20 Jahre, das reicht nicht, wann bist du hier gewesen, ich habe nicht nach dir gerufen, was willst du hier, dein Bruder aus dem Westen ist dagewesen und will endlich einen Zaun machen. (…) Weiterlesen

Als Jesus einfach weg ging – Konfirmationspredigt zum 12-jährigen Jesus im Tempel

[Anmerkung: Der Predigttext wird NICHT vorgelesen!]
Liebe Gemeinde,Konfirmation ist nur einmal. In jeder Familie gibt’s Traditionen, wie solche in Tag begangen wird. Aber es ist auch immer interessant zu gucken, wie es andere machen. Es ist ja nicht von vornherein gesagt, dass alle sich wohlfühlen und dass es ein gelungener Tag wird. Auch Feiern will gelernt sein.

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