Von Herrn K. – Zum Reformationstag

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte. *
Wer sich verändert, lebt. Wenn es keine Bewegung mehr gibt, zieht Stillstand ein und am Ende der Tod. Solange wir uns wandeln, leben wir.
Wir reifen als Menschen, indem wir unseren Horizont immer wieder erweitern und uns verändern.Wer nie fragt und wer sich nicht selbst hinterfragt, wer nie irrt und neu beginnt, tritt auf der Stelle. Weiterlesen

Erntedankfest: Über die Dankbarkeit

Jedes Fest im Kirchenjahr greift einen wesentlichen Aspekt unseres Lebens heraus, etwa Sterben und Tod zum Totensonntag, Geburt zu Weihnachten, Aufstehen zu Ostern. Das Erntedankfest regt uns an, dass wir darüber nachdenken, welche Rolle Dankbarkeit in unserem Leben spielt. Weiterlesen

Easy Rider – Auf dem Rummel

Wir waren schon mal gucken. In Eisleben. Auf der „Wiese“, dem großen Rummel. Vor ein paar Tagen, als die Geisterbahn gerade aufgebaut wurde. Denn heute nachmittag wird, wenn das Wetter mitspielt, kein Durchkommen mehr sein. Vom Kleinkind bis zur Großmutter drängt sich alles zwischen Karussells und Buden hindurch.
Aber abends, wenn es etwas ruhiger wird und eher die jüngeren Leute zurückbleiben und die Betrunkenen, gehe ich gern auf den Rummel. Mich zieht es zu den Karussells, den superschnellen, die mich richtig durchwirbeln. Da hüpfen Herz und Körper, und es kribbelt mächtig im Bauch. Weiterlesen

Schwarz bin ich und schön – Predigt zum Valentinstag

Schwarz bin ich und schön. Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das Lied der Lieder ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen

Silvester: Dornröschen oder Die Wahrheit macht euch frei

An Dornröschen wurden die Gaben der zwölf weisen Frauen erfüllt, denn es ward so schön, sittsam, freundlich und verständig, dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste. … Es geschah, dass an dem Tage, wo es gerade fünfzehn Jahr alt ward, der König und die Königin nicht zu Hause waren und das Mädchen ganz allein im Schloss zurückblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel, und als es ihn umdrehte, sprang die Türe auf, und saß da in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig Flachs.
Die Wahrheit wird euch befreien.
In diesen Tagen ziehen wir Bilanz. In den Zeitungen wird Rückblick gehalten auf die Ereignisse und Skandale des Jahres. Alles wird noch einmal durchgekaut, und auch wir halten Rückschau auf die letzten zwölf Monate, auf die Höhepunkte und die Tiefpunkte, auf die Freuden und die Enttäuschungen. Schnell ist es vergangen, zu schnell, finden die meisten. Schon wieder Silvester, schon wieder ein Jahr vorbei, schon wieder ein Jahr älter geworden. Eine Wahrheit, die wehmütig machen kann. Die Wahrheit macht frei? Eher macht sie uns unsicher. Manchmal möchten wir’s lieber nicht zu genau wissen. Die Wahrheit befreit, sagt Jesus, aber sie kann uns auch erschlagen. Oder bedrohen. Weiterlesen

Traumhaus und Diensthaus – Konfirmationspredigt 2013

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Angehörige, liebe Gemeinde! Auf einem der letzten Konfirmandentage haben wir darüber nachgedacht, wie ein Haus aussehen könnte, in dem ihr gern wohnen würdet. Deshalb lade ich alle ein, daß sie sich jetzt einmal ein Haus vorstellen, das gut zu ihnen paßt, ein Haus, in dem sie sich wohlfühlen und in das sie gern einziehen würden. Wie sieht Ihr Traumhaus aus? Ist es ein altes Haus, mit dicken Wänden oder Fachwerk, mit Ziegelsteinen und Stuckdecken? Ist es ein ganz modernes? Weiterlesen

Unser Körper – ein Tempel

Früher wurde den kleinen Jungs und Mädchen die Hände über der Bettdecke festgebunden, damit sie nicht onanierten. Es wurde ihnen verboten. Sie würden blödsinnig werden. Gott würde auch im Dunkel alles sehen, was sie machen. Alles, was „unten“ war, war schmutzig. Es gab keine Worte dafür.
Seit Siegmund Freud wissen wir, dass Sexualität zum Leben dazugehört. Sie ist eine der großen Triebkräfte. Sie wegzudrängen und nicht darüber zu reden, kann Menschen krank machen. Weiterlesen