Nein sagen

„Ich hatte mich freiwillig an die Front gemeldet“, erzählte mir vor Jahren ein alter Mann. „Aber dann sollte ich bei einem Erschießungskommando mitmachen. Da habe ich nein gesagt. Mein Offizier wurde wütend und drohte mir Konsequenzen an. Doch ich blieb bei meinem Nein. Natürlich hatte ich Angst. Aber mir ist nichts passiert.“
Dieser Mann ist ausgestiegen aus seiner Mitläuferrolle. Es war also sogar unter den Nazis möglich, sich zu verweigern. Weiterlesen

Goldene Konfirmation: Last und Chance der Kriegskinder

Predigt zur Goldenen und Diamantenen Konfirmation über Ezechiel 18: Die Eltern haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden

Zehn Jahre Unterschied trennen Sie, aber im Grunde gehören Sie zwei Generationen an. Die einen sind die Kriegskinder, die anderen die Nachkriegskinder. Die Diamantenen Konfirmand_innen sind um 1940, 1941 geboren. Als kleine Kinder, also in den prägenden ersten Lebensjahren, kannten sie nichts anderes als den Krieg. Abends wird verdunkelt. Wenn die Sirenen heulen, geht es schnell in den Keller. Viele wuchsen ohne Väter auf. Sie stützten ihre Mütter in der Nachkriegszeit und trugen Verantwortung für die kleineren Geschwister.
Die Goldenen Konfirmand_innen gehören zur ersten Generation, die im Frieden aufgewachsen ist. Weiterlesen

Abigail: Frieden geht durch den Magen

Abigail erschrak zu Tode, als die Leute ihr erzählten, wie ihr Mann Nabal sich wieder einmal aufgeführt hatte. Nabal mit seinem Dickkopf war unberechenbar. Oft schon hatte Abigail hinter den Kulissen ausbügeln müssen, wenn er die Leute vor den Kopf gestoßen hatte. Aber diesmal hatte er das ganze Dorf in Gefahr gebracht. Als Davids Schutztruppen den jährlichen Tribut abholen wollten, hatte Nabal einfach nicht gezahlt. Aus purem Geiz und weil er der Herr im Haus war. Das war gefährlich. Weiterlesen

Kantate: Singen gegen die Angst – Paulus und Silas im Gefängnis

Im Keller ist es duster, da wohnt ein alter Schuster, wurde bei uns früher gesungen. Vielleicht war es bei Ihnen etwas anderes. Jedenfalls: Singen vertreibt die Angst. Wenn die Kinder in den Keller gehen, singen sie.
Dunkle, unheimliche Keller gibt es bei uns kaum noch. Die Häuser heutzutage sind modern und aufgeräumt und sehen leider ziemlich gleich aus. Angst haben wir trotzdem. Weiterlesen

Aufstehen zu Ostern

Aufstehen, auferstehen, das ist im Neuen Testament dasselbe Wort (anhistemi).* Menschen stehen auf, nachdem sie gegessen haben, wenn sie krank waren oder wenn sie zu einer Reise aufbrechen. Aufstehen, das ist ein Alltagswort.
Mit diesem Wort beschreibt die Bibel, wie Menschen heil werden. Die kranke Schwiegermutter des Petrus steht auf oder der Gelähmte, die Tochter des Jairus oder Maria, die um ihren toten Bruder Lazarus trauert und hört, daß Jesus kommt: Sie steht schnell auf und geht ihm entgegen. Und mit diesem Wort erzählt die Bibel, was zu Ostern passiert: Jesus steht auf.
Wir sagen meistens „auferstehen“. In der Kirche schieben wir eine Silbe in das Alltagswort und trennen es von dem, was wir täglich erleben. Aus „aufstehen“ wird „auferstehen“ und aus „aufwecken“ „auferweckt“.

Aber in der Bibel gehört es zusammen. Weiterlesen

Alles ist erlaubt

Alles ist erlaubt -aber nicht alles nützt.
Alles ist erlaubt -aber nicht alles baut auf.
Denkt dabei nicht an euch selbst,sondern an die anderen.  (1. Korinther 10, 23-24)
Diese Worte von Paulus sind die vorweggenommene Grundlage einer multikulturellen, demokratischen Gesellschaft. Weiterlesen

Entwaffnende Ostern: Soldaten fallen einfach um.

Wann passiert es schon einmal, daß Soldaten vor Schreck umfallen? Sie schlottern, bis die Rüstung scheppert, das Visier klappt herunter und die Schwerter poltern zu Boden. Ein Bild zum Lachen, dabei sollen sie doch Angst und Schrecken verbreiten. Das ist doch ihre Aufgabe als Soldaten. Weiterlesen

Elisabeth: Gerecht essen

Wie sollen wir essen?
Es war einmal eine Königstochter, die lebte mit ihrem Prinzen auf einer hohen Burg. Sie liebten sich inniglich, und wenn sie zum Essen in den Saal schritten, hielten sie sich bei der Hand.
Als alle bei Tisch saßen, sprach der Graf das Dankgebet, und die Schüsseln wurde aufgetragen: Gerstenmus, dampfende Gemüsesuppe und süßer Hirsebrei. Weiterlesen

Ungehorsam. Predigt zur Ausstellung „Jugendopposition in der DDR“

Liebe Gemeinde, Ungehorsam hat einen schlechten Ruf. Kinder, die in der Schule zu viel hinterfragen, gelten schnell als aufsässig oder schwierig. Eltern, die nicht durchgreifen, sondern mit den Sprößlingen lange diskutieren, ob es zu Oma geht oder wie sie sich zu benehmen haben, riskieren herablassende oder mitleidige Blicke. Natürlich wollen wir mit der Rohrstock-Pädagogik vergangener Generationen nichts zu tun haben. Aber gehorchen sollen Kinder trotzdem können. Weiterlesen