Samuel Müller, Superintendent und Stadtchronist (Spielszene)

Spielszene: Samuel Müller (S) und seine Frau Anna-Maria Müller (A)
Lied: EG 321,1-3 Nun danket alle Gott

S (bewegt und erfreut): Bekannte Klänge ! Und bekannte Worte!  (schaut sich um, staunt) Es hat sich fast nichts verändert!!
A Jetzt übertreibst du aber! Wenigstens diese Leute sind doch völlig unbekannt!! Stelle dich doch wenigstens einmal vor!
S: Samuel Müller. 1592 geboren. Seit 1625 Superintendent von Sangerhausen, 37 Jahre lang. Am 22. Juli 1662 gestorben.
A Anna Maria Müller. Geboren um 1600. Ich habe 27 Jahre länger als du gelebt und kann dir noch einige Neuigkeiten erzählen. Ich war es auch, die deinen Grabstein gesetzt hat. Siehst du, dort drüben. Der ist neu. Den kennst du noch nicht. Weiterlesen

Simon Mosbach (gest. 1573) mit Bibel und Kelch – was sind unsere Zeichen heute?

„Anno 1573 am 18. Tage Junii umb 8 Uhr vor Mittage ist sehliglich in Christo entschlaffen der ehrwirdige achtbare und wohlgelarte Magister Simon Mosbach Pfarher und Superintendens alhier zu Sangerhausen. Seines Alters im 49. Jahr. Got der barmheertzige wolle ihm eine froliche auferstehung vorleihen Amen.“

Simon Mosbach ist der vierte Superintendent nach der Reformation in Sangerhausen. Sein Grabstein ist der älteste in der Jacobikirche. Nicht einmal drei Wochen vorher war Hochzeit. Simon und seine Frau Catharina richteten am 1. Juni die Hochzeit ihrer Tochter aus. Mit dabei waren Samuel, ein 16-jähriger Teenager, der schon seit 5 Jahren in Schulpforte lernte, und Salomon. Johann Metze, der Küster, läutete die Glocken und sperrte mit seinem großen Schlüssel die Kirchentüren weit auf. Die Orgel gab ihr Bestes, aber die Reparatur war erst zwei Jahre später geplant. Dann wurde gefeiert. Weiterlesen

Friedenstaube und Pfingstfenster von Wilhelm Schmied

Die Taube ist das erste Hoffnungszeichen für Noah und die Seinen in der Arche. Sie ist das Hoffnungszeichen nach einer furchtbaren Naturkatastrophe, nach einer langen Irrfahrt, einer unsanften Landung und nach Wochen des Wartens. Sie haben überlebt, als einzige, ja. Aber werden sie auch weiterleben können? Denn noch ist nicht sicher, ob die verwüstete Erde überhaupt noch Lebensraum bietet oder ob sie nicht unwirtlich bleibt, ob sie so zerstört und verpestet ist wie Flüsse und Küsten, wenn Öl aus Bohrlöchern austritt oder Tanker leck schlagen. Weiterlesen

O Haupt voll Blut und Wunden: Einar Schleef und Sangerhausen

Karfreitage gibt es auch heute genug. Manchmal schreit die Ungerechtigkeit zum Himmel. Öfter noch wohnt das Leid im Verborgenen, zum Beispiel hinter der Klinkerfassade des Reihenhauses Mogkstraße 24. Hier wächst Einar Schleef (1944 – 2001) auf, der Maler und Theaterregisseur aus Sangerhausen. Ich glaube, seine Kindheit gleicht einem langen Karfreitag.
„… meinem Vater war es manchmal unmöglich, mich zu schlagen, obwohl er mich noch mit 20 schlug, ihm war es wurscht, er drosch und wurde nur so ruhig, ich stand einfach da, bewegte mich nicht vom Fleck, biß nicht meine Zähne zusammen, nein ich tat nichts, ich ertrug ihn, er würde schon erlahmen, so hatte ich Ruhe, der Rohrstock, der Ausklopper sank, ihn schmerzte es zuzuschlagen, keine Kraft mehr, ich war ihm gewachsen, das erlebte ich wie einen Sieg, ich empfand weder Demütigung noch Schmerz.“ Weiterlesen

Friedenstaube und Mauerfall: Lebenszeichen, Friedensbotin, Vogel der Verheißung

Schon als Kind liebte der spanische Maler Pablo Picasso weiße Tauben. Er sah sie in den Gehegen seines Vaters, der fast nur diese gurrenden und zutraulichen Tiere malte. Aber irgendwann wurde es dem Vater zu viel, die Füße der Tauben sorgfältig auszumalen. Und so wurde Pablo ein kleiner Taubenfußmaler. Weiterlesen

550 Jahre Jacobikirche

Spielszene am 1. April 2007

Rat, Meister Heinrich, Altarleute

Rat: Meister Heinrich! Wir, der Rat von Sangerhausen und die Altarleute von St. Jacobi, haben euch rufen lassen. Wir wollen die Jacobikirche neu errichten. Ihr seht selbst (zeigt mit dem Arm auf den Altarraum), dieses alte Gebäude ist von 1271, manche sagen, es ist noch älter. Das Rathaus haben wir schon erneuert; das alte ist, wie ihr wisst, abgebrannt. Nun soll endlich die Jacobikirche drankommen. Dann kann sich Sangerhausen sehen lassen. (Als Kreisstadt!!) Weiterlesen

Michael, der Seelenwäger. Predigt am Totensonntag

Sehen Sie links oben sehen die Reste des Wandgemäldes? Es ist ein Engel im wallenden Gewand. Doch er ist anders als die Engel auf Weihnachtsbildern dargestellt, auf unserer Kanzel oder an der Orgel. Er trägt eine Waage in der Hand und ein Schwert ist zu sehen. Er ist nicht lieblich, sondern zeigt ein anderes Gesicht. Es ist Michael, der Erzengel, oder auch Michael, der Seelenwäger. Waage und Schwert sind meist das Attribut der Gerechtigkeit, die nicht nach dem Ansehen urteilt. Hier, bei Michael, erinnert es an den Tod. Weiterlesen

Kirchenbücher – der Name bleibt

Joh. Metz, Kirchendiener, 11.Dec. 1601. Ich hatte seinen Sterbeeintrag gefunden! Unser Johannes Metze, der Kanzelträger in der Jacobikirche! Es hatte sich gelohnt, nach ihm zu suchen, sein Name steht in unserem Kirchenbuch. Er war vor 400 Jahren unser Küster; seine farbige Holzfigur steht mit einem riesigen Kirchenschlüssel in der Hand unter der Kanzel. Nach und nach fand ich noch mehr: dass er verwitwet war und seine Frau 5 Jahre vor ihm starb. Dass er eine Tochter Barbara hatte, die ihren Liebsten Hieronymus Kühne 1579 heiratete. Dass 1581 ein Enkelchen geboren wurde, Maria. Ich bekam sogar heraus, mit wem die jungen Leute befreundet waren, nämlich wenn sie bei anderen Familien Pate standen. Weiterlesen

Heilige – der Kaufmann Johann Grötzinger

Der Kaufmann Johann Grötzinger in der Grauengasse wunderte sich, als er eine Mahnung von der Kirchenkasse im Briefkasten  vorfand. Er sei, las er, mit der Kirchensteuer im Rückstand und solle sie binnen 8 Tagen überweisen, sonst würde sie durch’s Finanzamt eingezogen werden. Der Kaufmann Johann Grötzinger schüttelte den Kopf, denn er war ein korrekter und ehrlicher Mann und keineswegs ein säumiger Zahler. Seine kaufmännische Ehre bedeutete ihm viel. So setzte er sich an sein Pult, schraubte seinen Federhalter auf und schrieb. „Als Glied der Bekennenden Kirche habe ich den Betrag ordnungsgemäß an die Treuhandstelle Gerth eingezahlt.“ Unten setzte er noch seine Unterschrift und das Datum: 30.9.36. So schickte er den Vordruck an die Gemeinde zurück. Weiterlesen