Catharina Schillingstedt und Caspar Tryller

Spielszene mit   1 Catharina Schillingstedt   und   2 Caspar Tryller

(Caspar Tryller sitzt und schreibt:)
Was meinen Ehestand anbelangt, hat sich begeben, dass 1565, als ich auf der Leuchtenburg noch Amtsschreiber gewesen bin, auf einer Feier bei Magister Schillingstädt in Merseburg zu seiner Tochter, Jungfrau Catharinen, die ich doch zuvor mit Augen nicht gesehen, nach Anrufung Gottes eine sonderliche Zuneigung genommen.

1566 hat Magister Schillingstädt mit Frau und Kind seinen Bruder in Kölleda besucht. Dort habe ich am 9. November um 5 Uhr am Abend seiner Tochter, Jungfrau Catharina bis auf ihrer Eltern Einwilligung im Namen der heiligen Dreifaltigkeit eine christliche Ehe und sie mir hinwieder zugesagt.
1567, den 2. April habe ich Magister Heinrich Schillingstädt in Merseburg in seiner Oberstube, wo er krank gelegen, mein Vorhaben mitgeteilt und meine Ehewerbung um seine Tochter angebracht. Er hat vier Wochen Bedenkzeit genommen, ist aber in dieser Zeit gestorben. Am 26. Juni um 2 Uhr nachmittags hat mir Magister Schillingstädts Witwe ihre Tochter in der grossen Wohnstube auf der Leuchtenburg zur Ehe zugesagt und versprochen. Anno 1568 den 2. März habe solcher Zusage zufolge ich meinen christlichen Kirchgang und ehelich Beilager mit Jungfrau Catharinen Schillingstädt in Kahla an der Saale vollzogen und zu Werk gerichtet
.

Catharina Schillingstedt
Catharina Schillingstedt

1 Caspar Tryller, Schreibst du auf, wie wir uns kennengelernt haben? Motto: Zwei Thüringer treffen sich in Merseburg. Deine Familie hat in Saalfeld gewohnt und ich bin in Arnstadt geboren.

2 Aber aufgewachsen bist du in Merseburg. Damals warst du gerade mal 20 und ich 23.

1 Und du steuertest schon auf deine steile Karriere zu.

2 Die begann eher als Tippel-Tappel-Tour: Schreiber in Weimar, Amtsschreiber auf der Leuchtenburg, Stadtschreiber in Neustadt / Orla. Damals sind wir noch mit einem Karren umgezogen, Catharina, weißt du es nicht mehr?

1 Caspar lernte gerade sprechen und Heinrich habe ich noch gestillt. Da bist du richtig durchgestartet. Mit 29 wurdest du Amtsschösser in Sangerhausen, wichtigster Mann im Landkreis! Der Herr Landesrentmeister in Dresden persönlich hat dich für den Posten vorgeschlagen.

2 Hätte ich damals ahnen können, daß ich 15 Jahre später selbst auf seinem Stuhl sitzen und Herr über das sächsische Staatssäckel sein würde? „Landesrentmeister Caspar Tryller.“ Damals steckten die Sachsen viel Geld in ehrgeizige Bauvorhaben. Königstein etwa wurde zur Festung ausgebaut. Ich war für die Finanzen zuständig. Und Sachsen wurde zu meiner Zeit komplett vermessen und kartographiert, jeder Berg und jeder Weg.

1 Währenddessen hast du weiter Seilschaften in Sangerhausen geknüpft. Wen hast du nicht alles mit Posten versorgt! Mehr als 50 Jahre lang war das Schösseramt in Sangerhausen fest in den Händen der Familie Tryller.

2 (spöttisch) Die Queen ist noch viel länger im Amt!

1 Immobilien im großen Stil hast du aufgekauft, das halbe Umland von Sangerhausen. Mühlen, Wiesen, Äcker, Weiden, das komplette Gut Emseloh.

2 Alles für unsere Kinder – und für die von Michael, die Kinder meines Bruders.

1 Und nun haben wir nicht einmal Enkel. Caspar und Heinrich sind kinderlos gestorben.

Hast du über sie geschrieben? Zu Caspars Geburt bin ich nach Hause nach Merseburg gefahren, damit mir meine Mutter beisteht. Trotzdem bin ich fast gestorben bei der Geburt.

(Caspar zeigt Catharina sein Manuskript und liest:)
1569 am 4. Januar 8 Uhr am Abend hat sie in Merseburg in ihrer Mutter Wohnung unsern ersten Sohn, nachdem sie zuvor mehrere Tage in der Geburt gelegen, beschwerlich und so, dass man ihr Überleben nicht mehr vermutet, endlich zu Welt gebracht,
welcher am Dreikönigstag durch das gnadenreiche Wasserbad der heiligen Taufe der Christenheit einverleibt und Caspar genannt worden [ist].
Seine Taufzeugen und Paten [sind] gewesen: Paulus Cretzschmar, Kanzler des Stifts Merseburg, Dr. Christoph Dürrfeld, Syndicus der Stadt Halle…
1570 am 5. September zwischen 5 und 6 Uhr am Abend ist mein anderer Sohn in Neustadt a.d. Orla geboren und Heinrich genannt worden.
Caspar und auch Heinrich habe ich als Kinder nach Leipzig geschickt und ihnen mehrere Jahre einen Privatlehrer auf eigene Kosten gehalten, danach für sie eine Freistelle in Schulpforta erlangt, wo Caspar fünf Jahren gelernt; danach habe ich ihn wieder nach Leipzig geschickt, wo er etliche Jahre Jura studieret.

(Catharina zeigt auf das Grabmal von Caspar Tryller junior:)
1 Auf Caspar waren wir so stolz, als er in Leipzig promoviert hat: Doktor beider Rechte, Kirchenrecht und weltliches Recht. Und Heinrich – nun ja, er hat immerhin das Gut Emseloh verwaltet. Wir sind die reichsten Leute weit und breit geworden. Unsere Söhne haben wir mit Frauen aus einflußreichen Familien verheiratet. Aber wir haben an vielen Totenbetten gestanden.
Caspars erste Frau, die Leipziger Bürgermeisterstochter: vier Wochen nach der Hochzeit haben wir sie zu Grab getragen. Die fünf kleinen Kinder von Michael, deinem Bruder. Und Michael selbst, 1610.

2 Dann begann die schwerste Zeit in meinem Leben. Jedes Jahr ein neuer Schlag. (zeigt die Figuren:) 1612 starb Caspar, 1613 du, 1614 Heinrich, 1615 Caspars zweite Frau. Alle ohne Kinder. Die einzigen, die übrigblieben, waren Heinrichs Witwe und ich. Mit 71 stand ich ohne Nachkommen, ohne Hoffnung da.

1 Im Psalm vorhin hieß es, daß Gott „die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird.“ Darüber habe ich immer wieder nachgedacht. Die Worte haben mir oft Mut gemacht.

2 Ich habe versucht, dem Tod zu trotzen. Ein würdiges Grabmal habe ich für die Kinder anfertigen lassen. Und das Grabmal gegenüber stellt uns beide dar. (gehen zum Grabmal) Schau dir den kostbaren Stein an, weißer Alabaster!

1 Die Figuren erinnern mich an den Stil des berühmten Schweizer Bildhauer, der auch die Begräbniskapelle der sächsischen Kurfürsten im Freiberger Dom gestaltet hat…

2 … Giovanni Nosseni …

1 Richtig. Die Tafel in der Mitte ist ein Weihnachtsbild, die Anbetung der Könige! Die Weisen aus dem Morgenland bringen ihre Schätze zur Krippe. Sie knien vor dem Jesus-Kind, so wie wir beide rechts und links knien – hast du dir das dabei gedacht? Unsere „Schätze“ haben wir auch immer wieder reichlich gegeben. Du hast damals den Chorraum ausmalen lassen und die Altarfiguren neu bemalen.

2 1621 habe ich mein Testament erweitert. Im Großen Tryllerschen Legat habe ich der Jacobikirche zusätzlich zu allem anderen 5000 Gulden hinterlassen, damit das Schiff endlich eingewölbt werden kann. Die Rippenansätze waren ja immer vorhanden. Und Geld für die Fußbodenreinigung, für die Pfarrbesoldung, für die Stadt, für Stipendien für junge Leute…

1 Ob sie es wohl so ordentlich verwaltet haben wie Du oder ob das Geld in alle Winde verflogen ist? Ein Gewölbe sehe ich immer noch nicht.

2 Dafür einen neuen Fußboden. Aber wichtiger war mir wirklich die Hoffnung.

1 Im Grabmal ist oben die Auferstehung zu sehen. Jesus steigt aus dem Grab, eine Siegesfahne in der Hand. Das hast du auch über das Epitaph von den Kindern setzen lassen, direkt unter dein Wappen. An der Seite weisen Engel auf Bibelsprüche hin.

2 Die habe ich sorgefältig überlegt. Links aus dem Hiobbuch, denn Hiob mußte auch so viele Schicksalssschläge einstecken und ungerecht leiden. Die Worte rechts hat Jesus zu Marta gesagt, als sie um ihren Bruder Lazarus trauerte.

1 (liest:) Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Und: Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Davon hat der Pfarrer auch gepredigt, als Caspars junge Frau in Leipzig starb. Cornelius Becker hieß er.

2 Wir haben vorhin ein Lied von ihm gesungen (EG 288 Nun jauchzt dem Herren, alle Welt)

1 Was hast du eigentlich nach diesen ganzen Schicksalsschlägen gemacht, 1612, 1613, 1614, 1615? (gehen langsam in Richtung Grünthal-Grab)

2 Ich habe ein Bauprojekt begonnen. Die drei Grundstücke gegenüber vom Rathaus hatte ich schon vor Jahren aufgekauft. 1616 habe ich die Häuser an der Ecke abgerissen und das Neue Schloß gebaut. Zu meinem 80. Geburtstag war es fertig, 1622.

1 Ganz schön verrückt, sich mit 74 in solch ein Projekt stürzen. Das war wohl eine Art Trauerarbeit. Hast du noch einmal geheiratet?

2 Ja, im Jahr nach deinem Tod. Drei Wochen später starb Heinrich… (Pause) Sie hieß Margarete Küchenmeister, war verwitwet und zog von Merseburg hierher. Ihre Schwester ist hier begraben, hier hängt ihre Tafel: Catharina Petschmann.

1 Weiche nicht aus . was war mit Margarete Küchenmeister, deiner zweiten Frau?

2 Sie hatte es sicher nicht einfach mit mir, und jedes Mal, wenn wir in die Kirche gingen, hatte sie dein Bild vor Augen. Sie ist noch ein drittes Mal verwitwet und ist in der Ulrichkirche begraben.

1 Caspar, komm, wir setzen uns zu unseren Kindern. Da gehören wir hin. Und laß uns noch so ein tröstliches Lied von Cornelius Becker singen!

Lied EG 276 Ich will, so lang ich lebe

Den vollständigen Gottesdienst am 11. August 2013 finden Sie hier.

Catharina Schillingstedt und Caspar Tryller
Catharina Schillingstedt und Caspar Tryller
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