Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Dieser philosophischer Ratgeber steht seit Wochen auf den Bestsellerlisten und beschäftigt die Leute. Es ist nicht selbstverständlich, daß und wie sich unsere Identität bildet. Es ist nicht selbstverständlich, daß sich unsere Täuflinge, unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden zu jungen Leuten entwicken, die ihren eigenen Weg durchs Leben finden, sich Neugier und Freude bewahren und mit Krisen und Schwierigkeiten umgehen können. Wer bin ich? Weiterlesen

Tischdienst in Korinth – Diakonie

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Aber wie ging es weiter? Wir wandern zurück in das Jahr 50. Die 1. Gemeinde in Jerusalem ist gewachsen. Da sind die, die schon immer da waren, jüdische Männer und Frauen, die in Jesus den Retter erkannt haben – manche von ihnen haben Jesus noch selbst erlebt. Es gibt auch Zugezogene. Sie kommen aus jüdischen Gemeinden im ganzen römischen Reich, aus Rom, aus Korinth, aus Städten überall dort, wo es jüdische Auslandsgemeinden gibt. Dort, in nichtjüdischer Umgebung, haben sie auch anders gelebt als die Leute hier in Jerusalem. Hier sind sie zu der Gemeinde gestoßen und bilden eine eigene Gruppe mit eigener Prägung. Weil sie griechisch sprechen, werden sie Griechen genannt und die Eingesessenen, die nur Hebräisch können, Hebräer. Nach der Arbeit treffen sich abends alle in Hausgemeinden, essen gemeinsam, beten und singen. Weiterlesen

Kinder loslassen – Hanna und Samuel

Kinder loslassen: Hanna und Samuel (1. Samuel 1 – 3)

Hanna bringt ihren Sohn Samuel in den Tempel. Er wächst dort auf, bekommt Unterricht und zugleich die Grundlagen für seine spätere berufliche Existenz. Zu allen Zeiten haben Eltern ihre Kinder zu Heiligtümern und Kirchen gebracht. Mütter haben ihre Kinder dort abgelegt als Findelkinder, weil sie nicht weiterwussten. Besonders für unverheiratete Mütter war das oft der letzte Ausweg. Die ersten Babyklappen entstanden an Kirchen und Klöstern. Weiterlesen

Wie werden Menschen mutig? Predigt zu Invocavit über 2 Kor 6,1-10

Im August 1995 erscheint in Malaysia ein Bericht, der die Regierung in Angst und Schrecken versetzt. Er trägt den sperrigen Titel “Missbrauch, Folter und entwürdigende Behandlung von Gastarbeitern in Internierungslagern”. Was die Regierung so in Rage bringt: Der Bericht der Frauenrechtsorganisation Tenaganita ist wahr. Es hat sogar Todesfälle in Abschiebelagern gegeben, 42 an der Zahl. Weiterlesen

Ich wollt, ich wär ein Huhn

Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn…
… ich hätt‘ nicht viel zu tun, ich legte vormittags ein Ei und abends wär‘ ich frei. Das war 1936. Die Hühner von damals hätten heute wohl wenig Freude. Auf 800 cmwäre dazu kaum Platz – etwa 1 A4-Blatt und eine Postkarte. Auch der Ausblick zum Hühnerhimmel kann nicht trösten: Fenster sind erst seit 2002 in neugebauten Ställen vorgeschrieben. Und statt Getreide und Würmchen zu picken wird ihnen Altöl vorgesetzt. Nach 12 bis 15 Monaten Massentierhaltung werden sie als Suppenhuhn für 1,99 in der Tiefkühltruhe verramscht. Oder sie landen gleich in der Tierkörperverwertung. Ein freudloses Leben und ein trostloser Tod. Weiterlesen

Geburt und Gebären

Damals
  als Gott
  im Schrei der Geburt
  die Gottesbilder zerschlug
  und
  zwischen Marias Schenkeln
  runzlig rot
  das Kind lag.“                       
  (Kurt Marti, Gedichte am Rand)
Da feiern wir also heute Geburtstag – und wissen doch herzlich wenig über die Umstände dieser Geburt. Selbst wo sie stattfand, in Bethlehem oder doch anderswo, in Nazareth oder unterwegs, ist nicht sicher. Doch bei uns ist es ähnlich. An das Ereignis selbst können wir uns nicht erinnern. Niemand kann sich an die eigene Geburt erinnern. Das ist Sache der Mütter. Und für die Mütter ist jede Geburt ein Einschnitt und so eigen und unverwechselbar wie das Kind, das da zur Welt kommt. Die Mütter tragen das Wissen um die Geburt und den Schmerz eines jeden Kindes in sich. Weiterlesen

Barbara – Turm und Kelch

Die Legende von Barbara ist schnell erzählt, von Dioskurus, ihrem Vater, und Diotyma, ihrer christlichen Dienerin.
[Hier könnte die Barbara-Legende erzählt werden: Es war einmal ein reicher und einflussreicher Mann, Dioskurus von Nikomedien. Der hatte eine wunderschöne Tochter namens Barbara. Barbara war das schönste Mädchen unter der Sonne, sie war ihres Vaters Freude und ganzer Stolz. Alle Bewerber, die um ihre Hand anhielten, ließ er abweisen.
Es begab sich nun, dass Dioskurus auf Reisen gehen wollte. Weiterlesen

Zwei oder drei in Jesu Namen

Der Genosse drohte: „Herr Pfarrer, kümmern Sie sich in der Kirche um Ihre Religion und stellen nicht die Politik der Partei– und Staatsführung in Frage. Konzentrieren Sie sich in Ihrer Kirche auf das Beten. Für die sozialistische Gesellschaftsordnung sind wir zuständig. Dann werden wir uns besser verstehen und Sie bekommen auch Material für Ihr Kirchendach.“ Nicht nur der Pfarrer bekam das zu hören. Auch Gemeindemitgliedern wurde immer wieder vorgeworfen, sie mißbrauchten ihren Glauben, wenn sie sich einmischten. Doch Beten und im Namen Jesu zusammen sein beschränkt sich nicht auf eine Stunde am Sonntag Morgen.
Jugendliche trugen den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ am Ärmel und lösten in der Schule Diskussionen aus. Weiterlesen

Über den Mut, Nein zu sagen. Predigt zu Mt 21,28-31

Liebe Gemeinde, so etwas ist Ihnen allen sicher schon passiert: Sie haben mit jemandem etwas verabredet und dann werden Sie versetzt. Das ist ärgerlich. Da hat Ihnen jemand versprochen, in der Wohnung etwas zu reparieren: „das kriegen wir schon hin“, oder Sie in einer kniffligen Angelegenheit bei einem Amt zu unterstützen: „Ja, ja, das machen wir“, hat großspurig alle Zweifel vom Tisch gewischt. Und wer war nicht da, als es konkret wurde?? Aber vielleicht haben Sie’s auch schon andersherum erlebt: Sie haben um Hilfe gebeten und eine glatte Absage geerntet: Nein, da führt kein Weg hinein, auf keinen Fall. Und als Sie sich schon damit abgefunden hatten – was bleibt anderes übrig – kommt genau dieser Mensch und sagt: ich hab was für Sie. Oder: füllen Sie mal den Antrag aus. Das gibt’s auch, zugegebenermaßen seltener. Weiterlesen