Du siehst mich

(Jahreslosung 2023) Niemand hat sich jemals für Hagar interessiert. Hagar musste nur ständig zu Diensten sein. Sieben Tage in der Woche, von frühmorgens bis zum späten Abend. Und auch nachts. Dem Hausherrn. Mit Billigung der Hausherrin. Oder sogar auf deren Anregung hin. Hagar sollte schwanger werden, und dieser Sohn sollte den Stammbaum der Familie begründen. Die Hausherrin war schon zu alt dafür. Hagar musste ein Kind zur Welt bringen, aber es würde ihr nicht gehören. Was sie dazu dachte, ihre Schmerzen und Träume – danach fragte niemand. Sie war eine Sklavin, eine ausländische noch dazu. Die Geschichte des Gottesvolkes beginnt mit Abraham, Sara und einer ägyptischen Sklavin als Leihmutter.
Gleich dreifach war Hagar abgehängt und unfrei: als Frau, als Ausländerin, als Sklavin. Weiterlesen

#offengeht: Suchet der Stadt Bestes. Interkulturelle Woche

#offengeht lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2021. Um Offenheit geht es, dass sie möglich ist, dass wir eine offene Stadt, ein offener Landkreis, eine offene Gesellschaft sind. Und zugleich: dass wir es werden. Es geht. Es geht voran. Wir treiben es voran. #offengeht, das ist ein Prozess, in den wir hineingezogen werden und bei dem wir mitmachen. Eine offene Stadt, ein offener Landkreis werden wir nicht von alleine. Es sind immer wieder Leute nötig, die Impulse weitergeben. anstoßen und nachstoßen. #offengeht, so hat Gott sich auch die Welt gedacht, als offene Welt, als Lebens-Raum, in dem für alle Platz ist und alle gut leben können, auch die, die im Schatten stehen.

Flucht und Vertreibung sind kein neues Thema. Durch die Geschichte hindurch wurden immer wieder Menschen und ganze Völker vertrieben und versklavt. Die Bibel erzählt, wie das dem jüdischen Volk um 600 v.u.Z, geschah, also vor mehr als 2500 Jahren. Die Babylonier unter König Nebukadnezar eroberten die Hauptstadt Jerusalem und zerstörten alles. Weiterlesen

Pfingsten: Guter Geist statt Populismus

Am 2. November 1989 versammeln sich 4000 Menschen in und vor der unserer KIrche. Sie reden. Am Dienstag darauf ziehen sie aus der Kirche mit Kerzen durch die Stadt. Da sind es 20.000. Keine Gewalt! 35 Jahre ist das jetzt her. Auch heute kommen Menschen friedlich zusammen. Sie demonstrieren, sie reden, sie feiern. Bei Klimaschutzdemonstrationen. Beim Christopher Street Day. Beim Holocaustgedenken Ende Januar vor dem Rathaus. Bei Gottesdiensten zu Kirchentagen wie in 2025 in Hannover. Weiterlesen

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Rezka wollte immer nur eins: malen. Aber als Kind in einer Bauernfamilie blieb dafür nicht viel Zeit. Sie waren sieben Geschwister. Rezka sah zu, daß sie einen guten Schulabschluß schaffte. Sie wurde Physiotherapeutin, heiratete, bekam zwei Söhne. Und dann wurde sie krank. Ihre Augen wurden immer schwächer. Sie konnte nicht mehr allein Fahrrad fahren. Sie sah die Buchstaben in der Zeitung nicht mehr. Mit 46 war sie arbeitsunfähig. Ihr Leben war aus den Fugen geraten. Da kam ein heftiger Sturmwind auf, und die Wellen schlugen ins Boot, so dass es voll Wasser lief (Markus 4,37).

Oder Friedrich. Weiterlesen

Kirche in der Stadt

Vor ein paar Jahren war unser Pfarrkonvent in Berlin zur Weiterbildung „Kirche in der säkularen Gesellschaft“. Wir waren zu Besuch bei Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, die in unserem Kirchenblättchen von August / September 2018 auf der Titelseite abgebildet war (jacobigemeinde-sangerhausen.de). Kirche in Berlin – das sind 15 % Evangelische, doch es schwankt stark. 24 % sind es in Charlottenburg-Wilmersdorf, kaum mehr als 7 % in östlichen Bezirken Marzahn, Hellersdorf oder  Lichtenberg. Kirche bewegt sich – genau wie bei uns – in einem säkularen Umfeld, für das Religion eine geringe Rolle spielt.
Und dann hat Ulrike Trautwein erzählt, was Kirche in Berlin alles macht: Gemeinden sind bei Nachbarschaftsinitiativen dabei, unterstützen Stolperstein-Initiativen, bringen sich an Erinnerungsorten ein, unterhalten ein Friedenszentrum im ehemaligen Pfarrhaus von Martin Niemöller in Dahlem. Weiterlesen

Marias Hausgemeinde hilft Ausbrecher zur Flucht

Die Macht rasselt mit dem Säbel. Das tut sie gern. Und so lange, wie sich kein Widerstand regt. Sie testet aus, wie weit sie gehen kann. Herodes Agrippa I, Enkel von König Herodes, statuiert ein Exempel. Er greift sich Jacobus heraus, unseren Kirchenpatron. Weiterlesen

17. Juni 1953 und die Normerhöhungen in Ägypten

Ein 9-jähriger Junge schreibt auf, was er am 17. Juni 1953 in Sangerhausen erlebt hat.* Der Junge heißt Einar Schleef. Er wird malen, fotografieren, Stücke schreiben, inszenieren, anecken, die DDR verlassen und doch zeitlebens an Sangerhausen kleben. Mit dem 17. Juni 1953 beginnt er, Tagebuch zu schreiben. Der 17. Juni gräbt sich tief in den 9-jährigen ein und wird zum Schlüsselerlebnis, das er mehrfach wiederholt und noch Jahrzehnte später ergänzt, umarbeitet, nebeneinanderstellt.
Wer später im Osten „1953“ sagte, dachte vieles mit, was in den Monaten und Wochen drumherum passierte. Weiterlesen

Jutta verläßt die Familie

In der Ulrichkirche fing alles an mit Jutta von Sangerhausen. 800 Jahre ist das jetzt her. Ich stelle mir vor, wie die Kirche damals aussah. 100 Jahre stand sie ja schon. Die mächtigen Mauern überragten die Holzhütten und Lehmhäuser, aus denen Sangerhausen damals bestand. Dicke steinerne Mauern hatten Bestand für die Ewigkeit. Sie versprachen den Menschen Schutz und Stärke in Zeiten, in denen ein Funke leicht die strohernen Dächer wie Zunder entflammen und die ganze Stadt in Schutt und Asche legen konnte. Weiterlesen

Strohhalm und Strohstern

Ich habe einen Strohhalm mitgebracht, wie er in der Krippe gelegen haben könnte, auch wenn das so gar nicht in der Bibel steht. Dieser Halm ist besonders schön, denn ich habe ihn gehütet. Das Stroh in der Krippe war bestimmt zerknickt und stachelig. Ein Bettchen für ein neugeborenes Baby sieht anders aus. Weiterlesen