Pfingsten: Guter Geist statt Populismus

Am 2. November 1989 versammeln sich 4000 Menschen in und vor der Jacobikirche. Sie reden. Am Dienstag darauf ziehen sie aus der Kirche mit Kerzen durch die Stadt. Da sind es 20.000. Keine Gewalt! 30 Jahre ist das jetzt her. Auch heute kommen Menschen friedlich zusammen. Sie demonstrieren, sie reden, sie feiern. Bei Klimaschutzdemonstrationen. Beim Christopher Street Day. Beim Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Februar vor der Marienkirche. Bei Gottesdiensten zu Kirchentagen wie in Dortmund. Weiterlesen

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Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Rezka wollte immer nur eins: malen. Aber als Kind in einer Bauernfamilie blieb dafür nicht viel Zeit. Sie waren sieben Geschwister. Rezka sah zu, daß sie einen guten Schulabschluß schaffte. Sie wurde Physiotherapeutin, heiratete, bekam zwei Söhne. Und dann wurde sie krank. Ihre Augen wurden immer schwächer. Sie konnte nicht mehr allein Fahrrad fahren. Sie sah die Buchstaben in der Zeitung nicht mehr. Mit 46 war sie arbeitsunfähig. Ihr Leben war aus den Fugen geraten. Da kam ein heftiger Sturmwind auf, und die Wellen schlugen ins Boot, so dass es voll Wasser lief (Markus 4,37).

Oder Friedrich. Weiterlesen

Kirche in der Stadt

Im September war unser Pfarrkonvent in Berlin zur Weiterbildung „Kirche in der säkularen Gesellschaft“. Wir waren zu Besuch bei Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, die in unserem Kirchenblättchen von August / September 2018 auf der Titelseite abgebildet war (jacobigemeinde-sangerhausen.de). Kirche in Berlin – das sind 15 % Evangelische, doch es schwankt stark. 24 % sind es in Charlottenburg-Wilmersdorf, kaum mehr als 7 % in östlichen Bezirken Marzahn, Hellersdorf oder  Lichtenberg. Kirche bewegt sich – genau wie bei uns – in einem säkularen Umfeld, für das Religion eine geringe Rolle spielt.
Und dann hat Ulrike Trautwein erzählt, was Kirche in Berlin alles macht: Gemeinden sind bei Nachbarschaftsinitiativen dabei, unterstützen Stolperstein-Initiativen, bringen sich an Erinnerungsorten ein, unterhalten ein Friedenszentrum im ehemaligen Pfarrhaus von Martin Niemöller in Dahlem. Weiterlesen

17. Juni 1953 und die Normerhöhungen in Ägypten

Ein 9-jähriger Junge schreibt auf, was er am 17. Juni 1953 in Sangerhausen erlebt hat.* Der Junge heißt Einar Schleef. Er wird malen, fotografieren, Stücke schreiben, inszenieren, anecken, die DDR verlassen und doch zeitlebens an Sangerhausen kleben. Mit dem 17. Juni 1953 beginnt er, Tagebuch zu schreiben. Der 17. Juni gräbt sich tief in den 9-jährigen ein und wird zum Schlüsselerlebnis, das er mehrfach wiederholt und noch Jahrzehnte später ergänzt, umarbeitet, nebeneinanderstellt.
Wer später im Osten „1953“ sagte, dachte vieles mit, was in den Monaten und Wochen drumherum passierte. Weiterlesen

Jutta verläßt die Familie

Hier in der Ulrichkirche fing alles an mit Jutta von Sangerhausen. 800 Jahre ist das jetzt her. Ich stelle mir vor, wie die Kirche damals aussah. 100 Jahre stand sie ja schon. Die mächtigen Mauern überragten die Holzhütten und Lehmhäuser, aus denen Sangerhausen damals bestand. Dicke steinerne Mauern hatten Bestand für die Ewigkeit. Sie versprachen den Menschen Schutz und Stärke in Zeiten, in denen ein Funke leicht die strohernen Dächer wie Zunder entflammen und die ganze Stadt in Schutt und Asche legen konnte. Weiterlesen

Heiligabend: Der erfundene Wirt.

Wenn Maria und Josef in Bethlehem angekommen sind, hat der Wirt im Krippenspiel seinen Auftritt. Er steckt seinen Kopf aus der Tür. Kein Platz bei uns, weist er die beiden ab, trotz flehentlicher Bitten. Erst in der letzten Herberge finden sie Aufnahme. Manchmal ist es die Wirtsfrau, die ihrem Mann gut zuredet und den beiden einen Platz im Stall zuweist. So wird Jesus geboren. Weiterlesen

Josef, ein Flüchtling. Erntedankfest und Tag des Flüchtlings

Familiengottesdienst zum Erntedankfest und zum Tag des Flüchtlings

Kennt ihr die Geschichte von Josef, dem Jungen, den seine Geschwister halbtot geschlagen, verkauft und abgeschoben haben? Josef hatte eine große Familie: Jacob, der Vater, 3 Stiefmütter, 10 Stiefbrüder und der kleine Benjamin. 12 Jungs waren sie, wenn alle Geschwister an einem Tisch saßen. Josef träumte davon, im Mittelpunkt zu stehen. Er war etwas Besonderes. Josefs richtige Mutter war gestorben. Der Vater Jacob hing immer noch sehr an ihr und hatte ihr Bild vor Augen, wenn er Josef sah und den kleinen Benjamin. Alle wußten das. Weiterlesen