Segen und Verantwortung über Generationen

„Gott ist barmherzig und gnädig, der Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft läßt er niemand, sondern sucht die Missetat der Eltern heim an Kindern und Enkeln bis in die dritte und vierte Generation.“ (Ex 34. 6b-7) Gnade über tausende Generationen: solche Worte tun gut und sind tröstlich. Es gibt eine Tradition des Guten, und sie ist stärker als das Kaputte und Böse. Der Segen des Guten pflanzt sich fort. Er reicht weit hinaus über unser eigenes Leben. Wir wissen ebenso, daß sich Verletzungen über Generationen weitergeben.  Weiterlesen

Gottes Bau, Haus Europa und Billigbauten für Arme. Predigt über 1 Kor 3,9-15

Niemand wollte mehr in das Haus hineingehen an jenem Dienstag. Im antiken Griechenland hätten die Schlangen, die Hunde und die Katzen wahrscheinlich schon längst das Weite gesucht, und die Leute hätten den Instinkt der Tiere als warnendes Omen gedeutet. Das antike Griechenland mit seinen heiligen Schlangen gab es schon längst nicht mehr. Doch das ungute Gefühl der Menschen war auch so stark und sie weigerten sich hineinzugehen. Es nützte ihnen nichts. Sie wurden gezwungen. Um 9 Uhr brach das Haus zusammen und begrub Tausende unter sich. Es war der 24. April 2013 in Bangladesh. 1127 Menschen starben, mehr als doppelt so viel wurden verletzt. Nicht nur das Fundament, das ganze Haus war marode. Ein Bau, errichtet aus Geiz und Geschäftemacherei. Weiterlesen

Der Tod tröstet. Predigt zum Totensonntag mit einem Bild von Käthe Kollwitz

Eine junge Frau geht nach Berlin, in die Hauptstadt, wo etwas los ist. Sie heiratet dort. Ihr Mann hat Medizin studiert. Nach einem Jahr kommt ein Kind, ein Sohn, vier Jahre später ein Geschwisterchen. Die junge Familie zieht in den Prenzlauer Berg. Ihr Mann eröffnet eine Arztpraxis. So lernt auch sie die Leute kennen, einfache Leute. Sie sieht auch viel Elend. Das prägt sie. Sozialkritisch sei sie, wird ihr nachgesagt. Als sie mit 31 Jahren für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurde, verhindert das die Regierung: zu unangepasst sei sie, nicht gesellschaftsfähig. Weiterlesen

Sangerhäuser Trinitatislager und Trinität heute

Trinitatis und Trinität, was ist das eigentlich? Das fragen nicht nur Leute, die wenig Verbindung zu Kirche haben. Auch Gemeindemitglieder haben damit ihre Schwierigkeiten. Weihnachten feiern wir, daß Jesus geboren wird. Am Karfreitag wurde er umgebracht. Zu Ostern feiern wir Auferstehung und Pfingsten ,daß Gottes Geistkraft zu den Menschen kam. Aber Trinitatis?
Dabei ist es gar nicht so schwierig. Trinitatis ist lateinisch und heißt Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Die Trinität, das ist Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, so sagen viele. Gott besteht sozusagen aus drei Personen. Dabei gab es die Trinitätslehre nicht schon immer. Sie hat sich erst ab dem 2. Jahrhundert entwickelt. Selbst Jesus hat sie nicht gekannt. Weiterlesen

Unser Körper – ein Tempel

Früher wurde den kleinen Jungs und Mädchen die Hände über der Bettdecke festgebunden, damit sie nicht onanierten. Es wurde ihnen verboten. Sie würden blödsinnig werden. Gott würde auch im Dunkel alles sehen, was sie machen. Alles, was „unten“ war, war schmutzig. Es gab keine Worte dafür.
Seit Siegmund Freud wissen wir, dass Sexualität zum Leben dazugehört. Sie ist eine der großen Triebkräfte. Sie wegzudrängen und nicht darüber zu reden, kann Menschen krank machen. Weiterlesen

Mission queer – der äthiopische Finanzminister. Predigt über Apg 8,26-39

Das ist eine eigenartige Geschichte vom Finanzminister aus Äthiopien, der sich taufen lässt. die Geschichte davon, wie das Evangelium nach Afrika gelangt ist, ein anderer Kontinent, eine andere Welt, eine andere Kultur und Lebensweise.

Da ist der äthiopische Finanzminister. „Er war Nubier aus dem südlich von Ägypten gelegenen Gebiet am oberen Nil, zwischen Assuan und Khartum, dem heutigen Sudan. Das äthiopische Königreich war nämlich weder bevölkerungsmäßig noch geographisch mit dem heutigen Äthiopien (dem Gebiet im bergland östlich des oberen Nils) identisch. Es wurde stets von der Königin(mutter) regiert, die den Titel Kandake trug.“ (nach Roloff, Apg, 140) Weiterlesen

Trinität – Vielfalt bei Gott und den Menschen

Drei Ärzte – vier Meinungen. Oder zehn Theolog_innen – elf Meinungen. Anderswo ist es ähnlich. Das ist manchmal beschwerlich, wenn wir nach einer klaren Antwort suchen. Kein Wunder, daß manche sich wünschen, daß endlich mal Schluß sei mit dem Wirrwarr. Eine klare Meinung muß her, ein Führer, und es soll endlich mal gesagt werden, was richtig ist und was falsch.
Doch im Leben läuft es nicht so. Es gibt nicht nur eine Ursache und eine Wirkung, sondern oftmals ein Bündel von Ursachen und eine Fülle von Auswirkungen. Wir leben in einer vernetzten Welt und merken immer mehr, wie alles voneinander abhängt und vieles sich bedingt. Weiterlesen

Geburt und Gebären

Damals
  als Gott
  im Schrei der Geburt
  die Gottesbilder zerschlug
  und
  zwischen Marias Schenkeln
  runzlig rot
  das Kind lag.“                       
  (Kurt Marti, Gedichte am Rand)
Da feiern wir also heute Geburtstag – und wissen doch herzlich wenig über die Umstände dieser Geburt. Selbst wo sie stattfand, in Bethlehem oder doch anderswo, in Nazareth oder unterwegs, ist nicht sicher. Doch bei uns ist es ähnlich. An das Ereignis selbst können wir uns nicht erinnern. Niemand kann sich an die eigene Geburt erinnern. Das ist Sache der Mütter. Und für die Mütter ist jede Geburt ein Einschnitt und so eigen und unverwechselbar wie das Kind, das da zur Welt kommt. Die Mütter tragen das Wissen um die Geburt und den Schmerz eines jeden Kindes in sich. Weiterlesen

Beten: die unverschämten Forderungen der Armen

Jesus erzählt aus der Welt der Armen. Von ihrer Not, von ihrer Freundschaft und von ihrer Solidarität.
Nichts zu essen im Haus, kein Krümelchen Brot, nicht für die Familie und schon gar nicht für unerwarteten Besuch. Für einen Freund, der mitten in der Nacht vor der Tür steht.
Kein Bett bei den anderen. Abends werden Matten auf den Fußboden gebreitet. Und die Wohnung ist ein enges Loch, so dicht liegen alle nebeneinander. Selbst die Erwachsenen können sich nicht zur Tür tasten und sie öffnen, ohne alle aus dem Schlaf zu reißen. Wer nachts mal raus muß, hat schlechte Karten und muß bis zum Morgen aushalten. Weiterlesen