Nein sagen

„Ich hatte mich freiwillig an die Front gemeldet“, erzählte mir vor Jahren ein alter Mann. „Aber dann sollte ich bei einem Erschießungskommando mitmachen. Da habe ich nein gesagt. Mein Offizier wurde wütend und drohte mir Konsequenzen an. Doch ich blieb bei meinem Nein. Natürlich hatte ich Angst. Aber mir ist nichts passiert.“
Dieser Mann ist ausgestiegen aus seiner Mitläuferrolle. Es war also sogar unter den Nazis möglich, sich zu verweigern. Weiterlesen

Neue Menschen bei August Hermann Francke?? Francke und Wichern

Der 29-jährige Pfarrer August Hermann Francke war erschüttert, als er von Erfurt an den Stadtrand von Halle zog. In den Kneipen betranken sich die Männer fürchterlich, verwahrloste Kinder drückten sich in den Gassen herum. Weiterlesen

Thomas nimmt nicht alles hin

Da ist einer, der eine Geschichte mit Jesus hat. Thomas. Sein Vater hieß Alphäus. Er wird in allen Apostel-Listen erwähnt. Er ist mit Jesus durch’s Land gezogen. Er hat gehört, wie Jesus gepredigt hat. Er hat gesehen, wie Jesus Menschen froh und heil gemacht hat. Er war dabei, als Jesus den Lazarus auferweckt hat. Er hat sich mit Jesus auseinandergesetzt, hat gefragt, hat auf seine Fragen Antwort bekommen. Weiterlesen

Blinder Fleck

Ich sehe was, was du nicht siehst
Wir alle haben einen blinden Fleck. Mitten im Auge. Dort, wo der Sehnerv auf die Netzhaut trifft, sehen wir nichts. An allen anderen Stellen der Netzhaut nehmen wir (hoffentlich) optische Reize wahr. Aber an dieser einen Stelle sind wir buchstäblich blind. Interessanterweise ist dieser blinde Fleck die Voraussetzung, daß wir überhaupt etwas sehen. Weiterlesen

Menschen sind wie Brot

Menschen sind wie Brot. Meine Schwiegermutter zum Beispiel. Bei ihr gab es immer zu essen.
Wenn wir mit Sack und Pack vom Bahnhof hereinstolperten, brutzelte und köchelte schon allerlei Liebliches in den Töpfen. Wir durften zugreifen und der Tisch war reich gedeckt. Nicht nur das Kind, das Enkelkind wurde verwöhnt und umsorgt, sondern auch die geplagte Mutter; sie konnte sich ausruhen und pflegen. Überhaupt ging es bei ihr anders zu. Locker. Weiterlesen

Silvester: Abschied als Herausforderung

Wir verabschieden uns heute vom alten Jahr. Das Jahr endet im Dunkeln und zugleich im Licht. Ist es auch sonst so mit den Abschieden im Leben? Seit uns die Nabelschnur abgeschnitten wurde, gehören sie dazu, immer wieder. Abschied vom Kindergarten, von der Schule, aus einem beruflichen Umfeld. Abschied von Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind oder die es uns schwer gemacht haben. Abschied von einer Lebensphase, von Vertrautem, von Belastendem und Zermürbenden. Abschied von liebgewordenen Vorstellungen, von Lebenseinstellungen, vom Bild, das ich von mir selbst habe oder von anderen. Wir müssen uns immer wieder abnabeln. Abschied mit lachendem und weinendem Auge, als Schmerz und als Befreiung. Solange wir leben, verändern und wandeln wir uns, gehen auf Neues zu und begrüßen es. Solange wir leben, müssen wir uns auch verabschieden. Weiterlesen

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Dieser philosophischer Ratgeber steht seit Wochen auf den Bestsellerlisten und beschäftigt die Leute. Es ist nicht selbstverständlich, daß und wie sich unsere Identität bildet. Es ist nicht selbstverständlich, daß sich unsere Täuflinge, unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden zu jungen Leuten entwicken, die ihren eigenen Weg durchs Leben finden, sich Neugier und Freude bewahren und mit Krisen und Schwierigkeiten umgehen können. Wer bin ich? Weiterlesen

Über den Mut, Nein zu sagen. Predigt zu Mt 21,28-31

Liebe Gemeinde, so etwas ist Ihnen allen sicher schon passiert: Sie haben mit jemandem etwas verabredet und dann werden Sie versetzt. Das ist ärgerlich. Da hat Ihnen jemand versprochen, in der Wohnung etwas zu reparieren: „das kriegen wir schon hin“, oder Sie in einer kniffligen Angelegenheit bei einem Amt zu unterstützen: „Ja, ja, das machen wir“, hat großspurig alle Zweifel vom Tisch gewischt. Und wer war nicht da, als es konkret wurde?? Aber vielleicht haben Sie’s auch schon andersherum erlebt: Sie haben um Hilfe gebeten und eine glatte Absage geerntet: Nein, da führt kein Weg hinein, auf keinen Fall. Und als Sie sich schon damit abgefunden hatten – was bleibt anderes übrig – kommt genau dieser Mensch und sagt: ich hab was für Sie. Oder: füllen Sie mal den Antrag aus. Das gibt’s auch, zugegebenermaßen seltener. Weiterlesen

Glück. Predigt zu Philipper 3,12

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, um es zu ergreifen (Phil. 3, 12)
Ja, renn nur nach dem Glück / doch renne nicht zu sehr / denn alle rennen nach dem Glück / das Glück rennt hinterher. (Bertolt Brecht, Dreigroschenoper)
Sind Sie glücklich? Was für eine persönliche Frage, eine indiskrete dazu! Glück gilt als etwas Privates. Im Politik- und Wirtschaftsteil taucht es in der Zeitung kaum je auf, eher auf den hinteren Seiten, wo vom häuslichen Glück berichtet und geklatscht wird. Da ist vom wilden Glück die Rede und manchmal auch vom stillen oder vom dem der späten Jahre. Trautes Heim, Glück allein, quasi als Trutzburg gegen die rauen Winde der Welt? In der Öffentlichkeit regieren die Statistiken mit Zahlen und Diagrammen. Jedes Prozent Wachstum versüßt die Bilanz. Wirtschaftswachstum, Zunahme von Mobilität, Außenhandelsbilanz. Weiterlesen