Das andere Betlehem – Veränderung beginnt an der Peripherie

Spinne Erzgebirge

Es war viel los an diesem ersten Heiligabend in Bethlehem. Die Beamten schwitzen über Steuerlisten und Statistiken. Überall mussten die Abrechnungen noch fertig werden. Viele hatten Freunde und Verwandte zu Besuch, und die Gäste wollten alle versorgt sein. Die Kinder freuten sich über die Abwechslung und die Alten über Gesichter, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hatten. Die Frauen backten Brot, die Kinder wurden ausgeschickt, Feuerholz zu suchen. Ein kleiner Junge hatte sich das Knie aufgeschürft und weinte. Weiterlesen

Fünf Häute und zehn Prozent – die Heilung der Aussätzigen

Hautkrankheiten zählen zu den langwierigen. Ihre Behandlung braucht viel Geduld. Wer sich jemals mit Akne oder Schuppen, Ekzem oder einer Flechte herumgeschlagen hat, weiß: es lässt sich nicht schnell wegzaubern. Als in den 80-er Jahren in Halle mehrfach Kinder an Neurodermitis erkrankten, haben sich Eltern gefragt, ob dabei nicht auch die verpestete Umwelt in der DDR eine Rolle spielt, die dreckige Luft, die Schaukronen auf der Saale, die aus Richtung Leuna geschwommen kamen. Inzwischen ist erwiesen, dass die Zunahme von Allergien mit den Giften zu tun hat, die uns umgeben. Unsere Haut reagiert sensibel. Mindestens bei den Ärzt:innen gilt der erste Blick auch der Haut. Sieht sie rosig aus, verfallen, stumpf? Das können wichtige Hinweise auf unseren Zustand sein. Weiterlesen

Maria von Magdala und das Tabu, psychisch krank zu sein

Eine Frau, die sich im Internet Susanne nennt, schreibt über ihre Depressionen:
„Manchmal wird meine Krankheit zum Gefängnis. Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Seit Jahren mache ich Therapie, nehme ich Medikamente, arbeite an meinem Verhalten und an meiner Symptomatik ändert sich doch nichts. Noch immer muss ich die Auslöser für meine Depression meiden wie der Teufel das Weihwasser, noch immer bin ich nicht in der Lage, mich an einen Arbeitsplatz zu binden, noch immer leide ich unter massiver Angst vor Nähe. Es gibt Momente, in denen mir mein Leben nicht mehr als lebenswert erscheint. Dann kommen sie, die Gedanken an den Tod. Weiterlesen

Die verlorene Tochter – zu Lukas 15

Ob  i c h  noch F a m i l i e habe?? Also mein kleiner Bruder, der hat’s zuhause nicht mehr ausgehalten. Der ist eines Tages ausgezogen. Er war aufmüpfiger als mein großer Bruder, und irgendwann war Schluss für ihn. Er hat seine Sachen gepackt und ist abgehauen. Kurios: Mein Vater hat ihm sogar noch Geld mitgegeben.
Tja, da war’s vorbei mit der Vorzeigefamilie, voller Eintracht, mit guterzogenen Kindern. Das ist doch sowieso oft nur Fassade. Selbst wenn die Kinder grün und blau geschlagen werden, interessiert es niemanden. Hauptsache die Fassade stimmt. Weiterlesen

David und Batseba – Frauen als Objekte? Predigt über 2 Samuel 12

Die Bibel erzählt ziemlich offen über König David und seine Beziehungen. Da war nicht nur die Verbindung mit Batseba, um die es heute im Predigttext geht. David hat nicht monogam gelebt. Das wird in der Bibel im übrigen an keiner Stelle kritisiert. Auch die Bibel akzeptiert, dass ein Mann mehrere Frauen haben konnte. Wir wissen von Michal, der Tochter seines Vorgängerkönigs Saul, von Abigail, Ahinoam, Maacha, Haggit, Abital, Egla und eben Batseba (2 Sam 3,2-5); außerdem hatte er noch „Nebenfrauen“. Und dann war da noch Jonatan, Sauls Sohn. Die beiden schließen einen Freundschaftsbund und bekräftigen ihn; Jonathan rettet seinem Freund mehrmals das Leben. Weiterlesen

Begegnung – Maria und Elisabeth

Wann sehen wir uns wieder, heißt es am Ende von Familientreffen. Dann werden die Kalender hervorgeholt und der Termin dick angestrichen. Wenn sich beim nächsten Mal alle in die Arme fallen, ist die Freude groß. spannend ist es, wenn sich alte Freunde nach langen Jahren wiedertreffen oder eine Schulklasse bei der Goldenen Konfirmation. Wiedersehen macht Freude.
Aber nicht alle Leute möchten wir wiedersehen. Weiterlesen

Tiridat – ein neuer Stern am Polithimmel

Krippe Erzgebirge

Liebe Gemeinde! Ein Stern am Polithimmel! Seit Zeiten des Kaisers Nero gab es einen neuen Stern am Polithimmel des römischen Reiches: den Armenier Trdat oder Tiridat. Mit Tiridat hatten die widerspenstigen Armenier die Oberhoheit der Römer anerkannt. Das einst glanzvolle Armenien war endgültig als Provinz in das römische Imperium eingegliedert worden, war Vasall, Rohstofflieferant und Aufmarschbasis geworden. Die Römer hatten das Ganze als effektvollen Public-Relation-Aktion für ihre Zwecke eingefädelt. Zunächst legte Tiridat seine armenische Königskrone nieder. Dann zog er im Jahr 66 mit großem Gefolge nach Rom, begleitet von Magiern, von Astrologen, mit Prunk. Er huldigte dem Kaiser Nero. Aus seiner Hand empfing er die Krone von neuem. Der Kaiser selbst krönte ihn zum Herrscher über Armenien. Weiterlesen

Günther Dehn: „Gefallen für Volk und Vaterland“ – höchstes Zeichen christlicher Liebe?

Ein Vers aus dem Johannesevangelium hat vor  fast 100 Jahren deutschlandweit für Aufregung gesorgt, und der Ausgangspunkt war ganz in unserer Nähe, in Magdeburg. Es war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in der Gefallenendenkmäler errichtet wurden. Auch in unserer Kirche hingen Tafeln mit Soldatenbildern. Erst beim Kirchenbrand 1971 sind sie verschwunden. Unseren Großeltern und Urgroßeltern wurde beigebracht, Kirche, Volk und Vaterland in einem Atemzug zu nennen. Sterben im Krieg wurde als christliche Pflicht und Ausdruck von Nächstenliebe gedeutet. Und der Bibelvers dazu lautete: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“. (Johannes 15,13) Weiterlesen

Steinigung heute

Liebe Gemeinde, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat auf ihrer Website den Bericht eines Schülers veröffentlicht über ein Ereignis im Iran, wahrscheinlich im Jahr 1992:
„Eines Tages musste ich mit meiner Schulklasse ins Stadion kommen. Es sollte eine Steinigung vollzogen werden, bei der wir zuschauen mussten. Wir saßen auf den Tribünen und warteten. Sandwich-Verkäufer gingen durch die Reihen und boten ihre Waren an. Dann endlich wurde ein Mädchen ins Stadion geführt. Ich erschrak, denn ich erkannte dieses siebzehnjährige Mädchen. Sie wohnte in unserer Straße, und als Kinder hatten wir miteinander gespielt. Ein Mullah las ihr das Urteil vor: „Im Namen Allahs, des Barmherzigen, wirst du zum Tode verurteilt durch Steinigung.“ Weiterlesen