Franziskus: Evangelium für die gesamte Schöpfung

Er hat es gemacht. Franz hat den Tieren gepredigt, den Vögeln auf den Bäumen und auch dem räuberischen Wolf. Die ganze Schöpfung um ihn herum ist belebt. Die Gestirne sind Geschwister für ihn. Er lauscht dem Murmeln von Schwester Quelle, bestaunt die Kraft von Bruder Feuer und sogar der Tod kann ihm Schwester sein.
Franz ist verrückt, sagten die einen. Doch andere ließen sich von ihm verzaubern. In mancher Stadt läuteten sogar die Glocken, wenn er kam, und Alt und Jung zog ihm entgegen und jubelte. Franziskus († 1226) hat Freude gebracht. Evangelium heißt frohe Botschaft. In Franz’ Nähe spürten das die Menschen endlich. Und die Tiere auch.
Mensch und Tier haben bis ins 19. Jahrhundert auf engem Raum zusammen gelebt. Weiterlesen

Gott Weingärtnerin

Die Sonne steht schon ziemlich hoch. Die Bäuerin richtet sich auf, wischt sich den Schweiß von der Stirn und streckt den Rücken aus. Die Arbeit im Weinberg ist anstrengend. Und Arbeit gibt es das ganze Jahr über genügend. Zweige hochbiegen, damit die Sonne an alle Triebe kommt. Hacken. Düngen. Die Reben festbinden und Blätter entfernen, so daß die Luft in den Reihen zirkulieren kann. Verfaulte Beeren ausschneiden. Und immer wieder hacken und düngen. Nur im Herbst, bei der Ernte, helfen Saisonkräfte, tageweise. Manchmal kommen sogar noch am Nachmittag, kurz vor Feierabend, zusätzliche Leute zum Lesen. Sonst würden sie es gar nicht schaffen. Sie sind ja nur eine Handvoll Sklavinnen und Sklaven. Aber sie macht es schon seit vielen Jahren. Weiterlesen

Tschernobyl: Gräber für die Ewigkeit

Die ägyptischen Pharaonen wollten auch im Tod ungestört ruhen. Schließlich gab es schon im Altertum Grabräuber. Selbst die Pyramiden blieben davon nicht verschont. Im Tal der Könige tüftelten die geschicktesten Konstrukteure, damit die Gräber am Nil zu Festungen für die Ewigkeit werden. Als Tutanchamun 1325 v.u.Z. starb, wurde sogar ein Fluch eingesetzt. Auf einer Tontafel warnte er jene Grabräuber, die schon vor dem Ziel standen.
Die Vorsorge hat sich gelohnt. 1922 fand man Tutanchamuns Mumie unversehrt – und die Welt staunte über die unermeßlichen Schätze, die den dreifachen Sarg umgaben. Freilich starben kurz hintereinander mehrere am Fund beteiligte MenschenBis heute spekulieren manche über den Fluch des Pharao.
Was werden unsere eigenen Nachfahren in 3000 Jahren finden, wenn sie nach der heutigen Kultur graben? Pyramiden bauen wir nicht mehr, aber Gräber haben wir auch. In Salzstöcken vergraben wir strahlenden Wohlstandsmüll. In einem Betonsarkopharg haben wir den Reaktor von Tschernobyl versiegelt. Weiterlesen

Oh, ein Spatz!

Oh, ein Spatz! So freute sich meine Tante vor ein paar Jahren, als wir über den Marktplatz gingen. Ich habe lange keinen mehr gesehen, erklärte sie, als sie meine verwirrten Blicke sah.
Ich stutzte und überlegte. Tauben, murmelte ich, Tauben gibt’s zuhauf. Im Kirchturm sind sie eine Plage. Die Amsel flötet manchmal draußen; Schwalben schwirren. Elstern, Mäusebussard, selbst eine Nachtigall habe ich im Mai schlagen gehört. Aber Spatzen, Sperlinge? Weiterlesen

Auferstehung beginnt im Garten – Osterpredigt

Da ist er wieder, der Garten, der verlorene.
Ein Garten ist es, in dem Maria aus Magdala den Auferstandenen trifft. Auf jungem Grün, zwischen Blumen und Bäumen erscheint Jesus. Bist du der Gärtner? Maria und Jesus wandeln im Garten, so wie Gott und die Menschen im ersten Paradies umhergingen. Weiterlesen

Josef, ein Flüchtling. Erntedankfest und Tag des Flüchtlings

Familiengottesdienst zum Erntedankfest und zum Tag des Flüchtlings

Kennt ihr die Geschichte von Josef, dem Jungen, den seine Geschwister halbtot geschlagen, verkauft und abgeschoben haben? Josef hatte eine große Familie: Jacob, der Vater, 3 Stiefmütter, 10 Stiefbrüder und der kleine Benjamin. 12 Jungs waren sie, wenn alle Geschwister an einem Tisch saßen. Josef träumte davon, im Mittelpunkt zu stehen. Er war etwas Besonderes. Josefs richtige Mutter war gestorben. Der Vater Jacob hing immer noch sehr an ihr und hatte ihr Bild vor Augen, wenn er Josef sah und den kleinen Benjamin. Alle wußten das. Weiterlesen

Ich wollt, ich wär ein Huhn

Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn…
… ich hätt‘ nicht viel zu tun, ich legte vormittags ein Ei und abends wär‘ ich frei. Das war 1936. Die Hühner von damals hätten heute wohl wenig Freude. Auf 800 cmwäre dazu kaum Platz – etwa 1 A4-Blatt und eine Postkarte. Auch der Ausblick zum Hühnerhimmel kann nicht trösten: Fenster sind erst seit 2002 in neugebauten Ställen vorgeschrieben. Und statt Getreide und Würmchen zu picken wird ihnen Altöl vorgesetzt. Nach 12 bis 15 Monaten Massentierhaltung werden sie als Suppenhuhn für 1,99 in der Tiefkühltruhe verramscht. Oder sie landen gleich in der Tierkörperverwertung. Ein freudloses Leben und ein trostloser Tod. Weiterlesen

Geburt und Gebären

Damals
  als Gott
  im Schrei der Geburt
  die Gottesbilder zerschlug
  und
  zwischen Marias Schenkeln
  runzlig rot
  das Kind lag.“                       
  (Kurt Marti, Gedichte am Rand)
Da feiern wir also heute Geburtstag – und wissen doch herzlich wenig über die Umstände dieser Geburt. Selbst wo sie stattfand, in Bethlehem oder doch anderswo, in Nazareth oder unterwegs, ist nicht sicher. Doch bei uns ist es ähnlich. An das Ereignis selbst können wir uns nicht erinnern. Niemand kann sich an die eigene Geburt erinnern. Das ist Sache der Mütter. Und für die Mütter ist jede Geburt ein Einschnitt und so eigen und unverwechselbar wie das Kind, das da zur Welt kommt. Die Mütter tragen das Wissen um die Geburt und den Schmerz eines jeden Kindes in sich. Weiterlesen

Friedenstaube und Pfingstfenster von Wilhelm Schmied

Die Taube ist das erste Hoffnungszeichen für Noah und die Seinen in der Arche. Sie ist das Hoffnungszeichen nach einer furchtbaren Naturkatastrophe, nach einer langen Irrfahrt, einer unsanften Landung und nach Wochen des Wartens. Sie haben überlebt, als einzige, ja. Aber werden sie auch weiterleben können? Denn noch ist nicht sicher, ob die verwüstete Erde überhaupt noch Lebensraum bietet oder ob sie nicht unwirtlich bleibt, ob sie so zerstört und verpestet ist wie Flüsse und Küsten, wenn Öl aus Bohrlöchern austritt oder Tanker leck schlagen. Weiterlesen