Feiern? Keine Zeit

Die Geschichte im Lukasevangelium (Lk 14,16-24*), die Jesus erzählt, könnte aus unseren Tagen stammen: keine Zeit. Ich habe keine Zeit, das ist einer der häufigsten Sätze heute. Einer hat einen Acker erworben, ein anderer fünf Paar Ochsen gekauft, der dritte hat geheiratet. Klar, dass sie da alle nicht kommen können. Klar, dass sie da nicht feiern können. Sie sind beschäftigt.

Ich habe einen Acker gekauft, entschuldigt sich der erste Gast. Ackern heißt doch, hart arbeiten, sich abmühen. Wenn jemand das Feld, das er beackert, wenn jemand sein Arbeitsfeld vergrößert und sich damit noch mehr Arbeit aufhalst, kann er nicht gleichzeitig zum Fest kommen. Weiterlesen

Reminiszere: Bleib bei mir

Bleib noch bei mir. Eltern kennen das flehentliche Bitten ihrer Kinder beim Zubettgehen. Abends lauern die Monster unter dem Bett. Wenn es dunkel wird, kriechen sie hervor und bedrohen die Kinder. Große Hunde, Spinnen und Gespenster können sie zu Tode ängsten und ihre Seelen erschrecken. Bleib bei mir, betteln die Kinder. Für sie sind die Monster real. Wenn eine Menschenseele in der Nähe ist, wenn wenigsten die Tür einen Spalt offen bleibt, erscheint die Gefahr weniger bedrohlich. Bleib bei mir. Das hilft.
Dass sie einsam und verlassen sind, damit haben nicht nur die Kleinen zu kämpfen. Auch Erwachsene fühlen sich oftmals ausgeliefert. Oder Kinder und Jugendliche, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Sie erleben, dass ihnen niemand glaubt. Niemand ist da, dem oder der sie sich anvertrauen können, der*die sie stärkt und ihnen Mut macht. Alle schauen weg. Sie stehen buchstäblich mutterseelenallein da. Weiterlesen

Konferenz im Himmel

Wie in jedem Jahr zu Weihnachten ließen sich die beiden Erzengel Bericht erstatten, wie die Menschen auf der Erde das Geburtstagsfest des Jesus-Kindes feiern. Freuten sich die Kinder? War Frieden auf der Erde eingezogen, wenigstens für ein paar Tage? Doch die Nachrichten, die 2021 zum Himmel drangen, verwirrten sie. Pandemie, auf der ganzen Erde, was ist denn das, erkundigte sich Gabriel.  Und haben sie wirklich noch keine Medizin dagegen erfunden, bohrte Raphael weiter.
Einer der Boten schüttelte betreten den Kopf. Ein winziges Engelchen mit zerzaustem Kopf drängelte sich vor. Sie haben aber eine Impfung, krähte es. Da lassen sich jetzt alle impfen, sinnierte Gabriel. Das Zausköpfchen nickte eifrig und plapperte: In langen Schlangen stellen sie sich an. Doch der andere Bote schubste es zur Seite. Nein, sie protestieren dagegen, widersprach er. Was denn nun, lassen sie sich impfen oder nicht?  Raphael und Gabriel wurden daraus nicht schlau. Sie beschlossen, das Thema vorerst ruhen zu lassen.

Weitere Meldungen, klopfte Gabriel auf den Tisch. Weiterlesen

Erntedank: Kaffee, Obst und Wein

„Von andern Völkern nehmen wir Kaffee, Obst und Wein“, haben wir eben gesungen. Kaffee, Obst und Wein – sie kommen von weither. Was haben sie wohl alles erlebt? Was könnten sie uns erzählen, wenn sie reden könnten? Hören wir einmal genau zu.

Ich bin eine Kaffeebohne und heiße Arabica. Mein Name sagt schon, dass ich etwas Besonderes bin. Weiterlesen

Gewalt im Taufbefehl?

Die Kirche hat ein Gewaltproblem. Ich meine jetzt nicht (nur) die Forumstudie und die sexualisierte Gewalt in der evangelischen und katholischen Kirche, deren Aufdeckung gerade von vielen gefordert wird. Ich meine die Gewalt, die mit dem Taufbefehl und Missionsauftrag verbunden ist, wie wir sie gerade in der aktuellen Lutherübersetzung gehört haben. Er beginnt mit den Worten von Jesus: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde.* Weiterlesen

Lazarus – die Armen werden sichtbar

Armut ist nicht sichtbar. Die Frau, die auf der Bank vor der Kirche die Sonnenstrahlen genießt, hat sich sorgfältig geschminkt. Niemand soll auf die Idee kommen, daß sie sich am Ende des Monats bei der Tafel anstellen wird, weil das Geld nicht mehr für das Essen reicht. Auch Reisegruppen werden eher die Schokoladenseiten eines Landes vorgeführt. Die Einkaufsstraßen sind fein herausgeputzt, Sehenswürdigkeiten liegen selten in den staubigen Vorstädten voller Geröll. Weiterlesen

Feiert die Lichtblicke!

Der Sonntag Lätare heißt „Freut euch!“ Genau in der Mitte der Fastenzeit fordert dieser  Sonntag dazu auf. Sich freuen? Es sind doch so viele Leute genervt von Corona! Oder haben sich gestritten. Oder fühlen sich einsam.  Doch ich finde: gerade jetzt brauchen wir die kleinen Freuden besonders. Weiterlesen

Heiligabend: Geburt unter Corona

Krippe Erzgebirge

Dramatische Szenen vor der Geburt. Eine hochschwangere Frau sucht einen Platz zum Entbinden. Kein Haus nimmt sie auf. Alles voll. Sie muss ihr Kind allein bekommen, irgendwo, ohne medizinische Hilfe. So wie Maria und Josef haben es weltweit Menschen in diesem Jahr erlebt. Überfüllte Krankenhäuser. Sterbende, die sich nicht von ihren Angehörigen verabschieden konnten. Weiterlesen

Umkehr zum Frieden

Umkehr zum Frieden, lautet das Motto der Friedensdekade. Umkehr zum Frieden ist die Aufgabe, wenn ein Krieg zu Ende ist. Bei Kriegsende ist ja noch lange nicht Frieden. Die Straßen stehen voller Ruinen, und auch die Menschen sind beschädigt und verstört und verbogen. So haben es die Älteren nach dem 2. Weltkrieg erlebt, so sehe ich es in vielen Ländern, die einen Bürgerkrieg hinter sich haben oder ein verbrecherische Regierung abgeschüttelt haben.
Wenn die Waffen endlich schweigen, wird wieder aufgebaut. Häuser und Geschäfte, Straßen und Brücken. Das lässt sich reparieren. Aber der Krieg hat sich auch in die Seelen eingegraben. Weiterlesen